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Palästina · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 197

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Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
Gartenbau-Genossenschaften
Date
1902-05-01
Page
Seite 197 (sequence 1)
Language
German
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— 197 — GARTENBAU-GENOSSENSCHAFTEN- Von Louis Brisch. Königsberg in der Neumark, eine Ackerstadt von ca. 6000 Einwohnern, war dadurch, dass es die Garnison verlor und Arbeitsgelegenheit in irgend welcher Art durch Fabrikation etc. namentlich während des Winters nicht bot, in seinen Erwerbsverhältnissen so zurückgegangen, dass sich mit den Jahren ein Proletariat heranbildete. Der Armen-Etat der btadt schwoll zu so ausserordentlicher Höhe an und belastete die Stadt derart, dass Abhilfe dringend geboten war. Auf meine Initiative wurde ein gemeinnütziger Verein ins Leben gerufen, der es sich zur Aufgabe machte, den Ort durch Zuführung von Industrie zu heben, namentlich aber der notleidenden Bevölkerung Arbeitsgelegenheit und dadurch Verdienst und Brot zu schaffen. Es wurde zuerst eine Obstbau- und -Verwertungs-Genossenschaft gegründet, um Anregung und Vorbild für Obst- und Gartenbau zu bieten. Man stand derselben ausserordentlich skeptisch gegenüber. Obwohl Fachleutein derselben sich befanden, befürchtete man Verluste, so dass die ersten Genossen wieder absprangen und dem Vorstande des gemeinnützigen Vereins nichts übrig blieb, als in corpore der Genossenschaft beizutreten. Letztere gründete sich mit neun Genossen, deren Geschäftsanteil auf je 500 M. (in Monatsraten ä 5 M. einzahlbar) festgesetzt wurde. Die Genossenschaft trat dem „Allgemeinen Verbände der landwirtschaftlichen Genossenschaften des Deutschen Reiches" bei und wurde Mitglied der „Landwirtschaftlichen Centralgenossenschaftskasse für die Mark Brandenburg und die Niederlausitz", welche den erforderlichen Kredit in Höhe von 30 000 M. hergab. Die aus dieser Summe erworbenen 40 Morgen Acker wurden mit 2000 Obstbäumen und 7000 Beerensträuchern bepflanzt, und auf 10 Morgen wurde Spargel angelegt, so dass vielen Arbeitern Verdienst während des Herbstes und Winters verschafft wurde. In ähnlicher Weise wurde sodann eine Molkerei-Genossenschaft gegründet, welche den Landwirten Gelegenheit zu vorteilhafter Verwertung der Milch gewährte, welche schwer Absatz fand. Letzterer mangelte auch für den in der Stadt und Umgegend in grösserem Umfange betriebenen Gemüsebau. Mit einem Kapital von 100 000 M. wurde die „Neumärkische Präservenfabrik" ins Leben gerufen, welche al$ Bedarf den Erfrag von 100 Morgen Gemüse erforderte. Die Genossenschaft floriert wie die beiden übrigen und ist zum Segen der Stadt thätig. Sie bietet nicht nur ^Gelegenheit zu günstiger Verwertung von Gemüse, sondern schafft Hunderten von Arbeitern Brot. Es wurden im ersten Jahre des Bestehens der Fabrik ca. 30 000 M.

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