Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Das landwirtschaftliche Werk der Alliance
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 183 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 183 — trägt, noch welche in der Umgebung von Adrianopel und Saloniki zu bauen. Es wird uns schwer, das zu glauben. Was würde aus der Legion Schüler werden? In Anbetracht dessen, dass alle Umstände, wie wir gesehen haben, dazu beitragen, sie ein Fach verwerfen zu lassen, das nicht im stände ist, sie zu ernähren, würde doch die elementarste Vorsicht dazu raten, so lange man nicht den richtigen Weg gefunden, Schritt für Schritt vorwärts zu gehen, um sich grausame Enttäuschungen in der Art, wie sie Mikweh gebracht, zu ersparen. Kurz, so lange die Zukunft der Eleven der Landwirtschaftsschulen nicht durch irgendwelche wirksame Maassregeln gesichert sein wird, so lange werden alle äusseren Vergrösserungsversuche an der brutalen Wirklichkeit scheitern, die alle diese Anstrengungen zu nichte machen und das Werk in seine mehr als bescheidenen Grenzen zurückweisen wird, wie uns das die Erfahrung mehrfach bewiesen hat.*) Man könnte die Schüler — wird man sagen — nach Beendigung ihrer Studien in Mikweh noch während 4—5 Jahren als Arbeiter beschäftigen, da die Anstalt zu ihrer Erhaltung immerwährend gemietete Kräfte besoldet. Man würde ihnen so Gelegenheit geben, ihre Ausbildung zu vervollkommnen und praktische Leistungsfähigkeit zu erwerben. Man würde nicht mehr Kinder, sondern Männer an der Arbeit sehen, und wenn sie ein Alter von 25 Jahren erreicht, könnte man diejenigen unter ihnen, die gute und wahre Landwirte zu werden versprechen, zu Kolonisten machen. Doch dieser Vorschlag, so verführerisch er auch in der Theorie sich ausnehmen mag, würde bei seiner Anwendung zahlreiche Einwände hervorrufen, die ihn unausführbar machen würden. Einer der wichtigsten scheint uns die Disziplinfrage zu sein. Wie soll man in einer Anstalt, die einen gemeinschaftlichen Meierhof vorstellt, das Reglement für die Schüler und das für die Arbeiter, die gestern ebenfalls noch Schüler waren und sich heute der grössten Unabhängigkeit erfreuen, vereinigen? Es sind das zwei von einander gänzlich verschiedene Gruppen, die verschiedene Behandlung erheischen. Dazu wären zwei getrennte Direktionen, ja sogar zwei verschiedene Anstalten erforderlich. Vorschlag. — Das bringt uns den Gedanken nahe, irgendwo in Palästina einen Mustermeierhof zu gründen, eine Art Mikweh zweiten Grades, dessen ganzer Arbeiterstab aus entlassenen Schülern von Mikweh zu bestehen hätte, die die permanenten Arbeiter dieser Anstalt verbleiben würden. Man muss ihnen ein Leben anhaltender Arbeit schaffen, für das sie beim Verlassen von Mikweh noch durchaus unreif sind, und es .ihnen aufzwingen, wenn man will, dass das land- *) Man sollte vielleicht versuchen, die emigrationslustigen Schüler anzuregen, sich durch landwirtschaftliche Arbeit zu erhalten. Man sollte denen, die Ausdauer und gute Zeugnisse aufweisen, aus einem speziell hierzu bestimmten Fonds Prämien gewähren. Man sollte sie auch anderen vorziehen, wenn sie sich nach einer gewissen Zeit als Kolonisten ansässig machen wollen. Diese an sich ausgezeichnete Maassregel wäre aber noch nicht das radikale Mittel, um Mikweh von der Krisis, die sie durchgemacht, zu befreien. Die jungen Leute, die sich nach Ameiika, nach Südafrika oder nach Australien begeben, werden meistens von den grossen Städten und nicht vom Lande angezogen.