Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Das landwirtschaftliche Werk der Alliance
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 175 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 175 — DAS LANDWIRTSCHAFTLICHE WERK DER ALLIANCE. Von D. Haym, Caiffa. (Aus dem französischen Original übersetzt.) Die aufmerksame Lektüre der in den letzten Jahresberichten der Alliance erschienenen Angaben über die landwirtschaftlichen Schulen dieser Gesellschaft, sowie die allgemeine Lage des landwirtschaftlichen Werkes der Alliance legen uns gewisse Erwägungen nahe, welche wir dem Urteile der auf diesem Gebiete kompetenten Personen unterbreiten. Welches Ziel hat sich die Alliance gesteckt, als sie ihr landwirtschaftliches Werk gründete? Hat sie dieses Ziel erreicht? Bei der Behandlung dieser Fragen haben wir hauptsächlich die landwirtschaftliche Schule von Jaffa, Mikweh-Israel, im Auge, da die von Djedeida bei Tunis verhältnismässig jung ist, und die von Or- Jehuda in der Umgebung von Smyrna erst vor ganz kurzem gegründet wurde, so dass sie noch nicht einmal im Bericht von 1901 verzeichnet ist. Man weiss, dass die Schule von Mikweh-Israel seit ungefähr dreissig Jahren besteht — genauer seit dem Jahre 1869 — und dass die Alliance mit dieser Gründung dem orientalischen Judentum einen neuen Weg bahnen wollte, indem sie — eine bis dahin im Orient unerhörte Sache — eine neue Erwerbsklasse, die der jüdischen Landwirte, ins Leben rief. Der Versuch war sicherlich hochinteressant und fesselte den Begründer dieses neuen Werkes, den verstorbenen Charles Netter, Mitglied des Centraikomitees, derart, dass er demselben alle seine Kräfte widmete und sich ihm mit Leib und Seele hingab. Dieser bewunderungswürdige Mann leitete persönlich die junge Schule. Die zahlreichen anfänglichen Schwierigkeiten, weit entfernt, seinen Eifer und seinen Enthusiasmus zu dämmen, feuerten ihn nur noch mehr an. Es hatte den Anschein, als ob er mit Prophetenblick in die Zukunft sähe. Und in der That brach, ohne dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Gründung der landwirtschaftlichen Schule und der Kolonisationsbewegung in Palästina zu entdecken wäre, kurze Zeit darauf eine neue Aera für das moderne Judentum an. Weniger als zehn Jahre nach der Gründung von Mikweh-Israel begann der Strom der jüdischen Einwanderer nach Palästina zu fliessen; Herrn Netter war es noch beschieden, der Morgenröte dieser neuen Bewegung beizuwohnen. Gegen 1878' bildete eine Gruppe ungarischer Juden im Verein mit einigen Glaubensgenossen aus Jerusalem die Basis der nachherigen Kolonie von Petach-Tikwah bei Jaffa. Etwas später siedelte sich eine Anzahl rumänischer Juden in Samarin, dem heutigen Zichron-Jacob an, eine andere Gruppe in Rosch-Pina, einige russische Juden kamen nach Yessod-Hamaala, unweit von Safed, während im Jahre 1882, dem Todesjahre1 des Herrn Netter, mehrere russische Juden den Kauf eines Terrains unweit von Jaffa abschlössen: es ist die heutige Kolonie Rischon-le-Zion.