Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Der Minsker Kongress
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 167 — betracht der enormen Wichtigkeit der Kulturfrage in der jüdischen .Renaissance-Bewegung eine separate, mit dem Land-Zionismus parallel laufende Kultur - Organisation geschaffen werden. In der Separierung der Kulturfrage ist auch die Separierung der Landfrage enthalten, und "man muss zugeben, dass dieser abgelehnte Antrag einer Trennung beider Bestrebungen wohl die wichtigste Frage war, welche vor den Minsker Kongress gebracht wurde. Die Ablehnung mag gut gewesen sein, aber sicherlich sollte schon die Aufrollung der Frage nicht ohne Folgen bleiben. Es scheint jp.ir sehr wichtig, dass man sich Gedanken darüber machen soll, ob die gegenwärtige Vermengung beider, der Land- und der Kultur-Frage, ein gesunder. Zustand sei. Zur Wiedergeburt des jüdischen Volkes ist sicher beides nötig: jüdisches Land und. jüdische Kulturb und wenn es getrennte Bestrebungen für beide gäbe, so wäre es eine selbstverständliche Notwendigkeit, sie zu vereinigen. -Und trotzdem ist Achad Haam's Vorschlag einer Trennung in 2 Organisationen von grosser Wichtigkeit, denn diegegenwärtige Verbindung ist eine gezwungene und ungesunde. Es ist eine Verbindung wie von siamesischen Zwillingen, die sich gegenseitig hindern und oft am liebsten umbringen möchten — nicht die freiwillige und zielbewusste Verbindung freier, starker und gesunder Brüder! Der gegenwärtige Zustand wird entweder o-eheilt oder oeändert werden müssen, und O O ' mir will der letztere Weg als der leichtere erscheinen. In der zionistischen Bewegung, wie sie ist, sind sowohl die Land-Zionisten wie die Kultur-Zionisten in der Minderheit, und es herrscht eine Kongress- Majorität von Meinungslosen und Unentschiedenen, die mittels des Gesetzes der Trägheit jede kräftige Aktion einer der beiden Richtungen erschweren. Wie gesagt, Achad Haam's Antrag wurde abgelehnt, und es war wohl zunächst gut so; aber hoffentlich wird es die Folgen haben, dass jeder einzelne sich die Frage vorlegt, wohin er bei einer Trennung beider Bestrebungen gehören würde, 'und welches seine speziellen Aufgaben innerhalb der neujüdischen Bewegung seien. Es muss dahin gebracht werden, dass auf den Kongressen und anderwärts die Zionisten in. ihrer grossen Mehrheit für die Arbeiten sowohl der Land-Zionisten wie der Kultur-Zionisten stimmen, und nicht, wie bisher, gegen jeden energischen Schritt in einer von beiden Richtungen stimmen aus Angst die andere damit zu beeinträchtigen. Sehr möglich, dass dieser Gesundungs-Prozess nur auf dem Wege von Achad Haam's Vorschlag vor sich gehen kann. Mehr en passant wurde auch die Frage des „grösseren Palästina" auf dem Minsker Kongresse berührt, aber auf eine Weise, die gleichfalls zu denken giebt und jedenfalls zeigt, dass diese Auffassung von der Landfrage immer weitere Kreise erobert. Achad o Haam hatte das Hauptgewicht auf die kulturelle Seite gelegt und gesagt, dass die grosse Mehrheit des jüdischen Volkes in den Ländern der Zerstreuung bleiben müsse, da Palästina nur etwa 2 Millionen autnehmen könne. Demgegenüber wandte Herr Sokolow, der Redakteur der Hazefirah, unter grossem Beifall der Versammlung ein, dass zwar :rdas.Stammland Palästina in der That wohl nur 2 Millionen werde aufnehmen können, dass es aber zusammen mit den Nachbarländern '•unbedingt die Heimat der Hauptmasse der Juden werden könne.