Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Eine Handelsgesellschaft in Palästina [Nachricht]
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
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— 162 - selbe auf einer Berechnung des bestmöglichst zu erreichenden "Wohlstandes der einwandernden Bevölkerung beruht, das heisst, damit die Leute, welche nach Palästina kommen, leichter ihre Existenzmittel sich dort verscSaffen können, als in dem Lande, aus welchem sie ausgewandert sind, damit sie sich dort bequemer das Leben einrichten und ruhiger in die Zukunft blicken können, damit sie endlich die neue Stätte als dauernden Ausässigkeitsört befrachten, müssen wir unsererseits das Möglichste thun, die Erwerbsquellen des Landes zu-vervielfältigen und die Lebensverhältnisse derart zu gestalten suchen, dass es den Eingewanderten nicht1 allzu schwer fällt, sich zu akklimatisieren. Als eine-d-er wichtigsten Erwerbsquellen ist die 'Kleinindustrie zu betrachten.. 1 Ich wende mein Augenmerk der Kleinindustrie eher als der Grossindustrie zu: .1. Weil die Grossindustrie eine weitere I£ntwickelungsstufe der Kleinindustrie überjhaupt istj das heisst nichts anderes als die Folge eines starken Massenverbrauches der Artikel der Kleinindustrie. 2. Weil. bei der Kleinindustrie der Nutzen unter den dabei Beschäftigten gleichmässiger. verteilt wird und der allgemeine Wohlstand sich besser hebt als bei der Grossindustrie, welche dazu beiträgt, einerseits grosse Kapitalien in einzelnen Händen anzusammeln und andererseits die Masse der Arbeiter ausschliesslich vom täglichen Verdienste abhängig zu machen. 3. Weil die meisten Bedarfsartikel des Lebens überhaupt, und besonders in einer Gegend, die nicht auf . hoher kultureller Stufe steht, wie zum Beispiel Palästina oder, andere Teile des Orients, eher der Kleinals der Grossindustrie entstammen. Eine Industrie in einem Lande kommt nur allmählich und entsteht meistens, um die unabweisbaren Bedürfnisse des Lebens zu befriedigen und erst später auch die Bedürfnisse, welche mit der Entwickelung des kulturellen Lebens sich vermehren und wachsen. Länder mit stärkerer industrieller Entwickelung pflegen die Erzeugnisse nach Ländern mit schwächerer Industrie auszuführen und sie sozusagen dort anzupflanzen. Wenn Erzeugnisse zu Bedürfnissen geworden sind und der Absatz in grossen Quantitäten vor, sich geht dann entsteht ■dort, wohin die Artikel eingeführt werden, die Frage, wie die Herstellung derselben zu verbilligen wäre. Es beginnt eine Nachahmung der Artikel und damit ist auch ein neuer Industriezweig geschaffen. Um neu entstandenen Industriezweigen ^um Gedeihen zu verhelfen, respektive selbst neue Industriegebiete zu schaffen, soll in" Palästina ein Agentur- und Kommissionsgeschäft gegründet werden, das im speziellen folgendes bezweckt: * ' 1. Einfuhr der diversesten Bedarfsartikel und Absatz derselben bei der dortigen Bevölkerung. ' 2. Förderung der Kleinindustrie dort. 3. Ausfuhr der dortigen landwirtschaftlichen Produkte nach den verschiedenen Ländern. ' . ' Es bestehen in Palästina bereits grosse Handelsfirmen, welche europäische Artikel dorthin ein- und einheimische Artikel ausführen. Es dürfte daher voraussichtlich auch unserer Firma, die niit einem relativ 1 eis tungs fähigen Anlagekapital, versehen ist und von gediegenen Fachmännern geleitet werden wird, nicht schwer fallen,' leistungsfähige Vertretungen zu erhalten und das Vertrauen der kaufmännischen. Welt sich zu erwerben. Da nun durch uns Bezugsquellen und Absatzländer bekannt gemacht werden, so eröffnen wir dadurch auch neue Operations^ gebiete für Kaufleute, die-ihrerseits wiederum neue Verbindurgen anzuknüpfen suchen werden. Hierbei könnten selbstredend viele, unserer Stammesgenossen, die mit den dortigen Verhältnissen bekannt . ■ sind,, lohnende Beschäftigung finden und beinv Erfolge auch die Konkurrenz, der^treibende; Faktor der Geschäftswelt, mächtig angespornt werden. Wir sind um so berechtigter, auf Erfolg und die Erfüllung unserer. Wünsche zu rechnen, als der Hauptzweck unseres Unternehmens nicht so sehr pekuniärer Verdienst als vielmehr die Förderung: der Kleinindustrie überhaupt an Ort und Stelle, sein soll. Deshalb werden wir auch ganz . besonders darauf bedacht sein, dei* Bevölkerung die Anweisung zur Herstellung der verbreitetsten Artikel zu geben.; Das geschieht, durch Heranziehung von 'Fachleuten auch aus anderen Ländern, durch Import von Maschinen und Einrichtungen, durch Gründung von Werkstätten u. s. w. Die Entwickelung der 'Industrie geht aber auch Hand in Hand mit der Land-» Wirtschaft. Durch die Industrie steigt der Bedarf für die Rohprodukte, welche ihr die Landwirtschaft liefert. Der Ueberschuss aber nach Befriedi-; gung des örtlichen Bedarfes kann nach anderen Ländern exportiert werden. Der Export ist ein sehr wichtiger Faktor der Landwirtschaft, da dadurch der Preis der Produkte auf dem richtigen Niveau gehalten wird. Im richtigen Preise findet eben der Landwirt den Lohn für seine Mühe und wird zum weiteren Schaffen angespornt. Es ist auch von sehr grosser Wichtigkeit, dass der Landmann seine Waren exportieren kann, ohne dieselben erst durch eine ganze