Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Greater Palestine
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 159 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 159 - mit hölzernen Figuren, mit denen es sich in 50 Jahren noch gerade so wird spielen lassen. Wir müssen dem Volke, das heute leidet, zu helfen suchen, (und zwar nicht aus Philantropie, sondern aus nationaler Pflicht) heute und nicht in einer messianischen Zukunft. Es geht uns: Zuerst um das Volk — dann erst um das Land. — — Was Cypern betrifft, so wäre übrigens auch der Einwand hinfällig,' dass die Juden unter englischer Herrschaft keine Aussicht auf eine Autonomie haben würden. Das Gegenteil ist der Fall. Auf Cypern ist heute schon jedes Dorf und jede Kolonie autonom: ebenso hat jeder der sechs Distrikte der Insel für seine eigenen Angelegenheiten vollständige Selbstverwaltung und bezüglich der ganzen Insel beschränkt sich Englands' Oberhoheit darauf, dass der englischen Krone das Veto-Recht zusteht. Im übrigen werden die Geschicke des Landes entschieden von einem Rate von achtzehn Personen. Hierunter sind sechs Engländer und die übrigen zwölf, werden von den cyprischen Steuerzahlern gewählt. Bedenkt man nun, .dass von den ca. 15 0U0 stimmberechtigten Einwohnern nur etwa 6000 das Wahlrecht ausüben (also in manchen Distrikten erheblich weniger als 1000!), so ist es klar, dass die jüdischen Einwanderer — abgesehen von der kommunalen Autonomie, welche sie sofort haben — sehr schnell zu einer politischen Selbständigkeit kommen werden, welche durch die englische Oberhoheit nur um so wertvoller wäre. Und schliesslich will ich zu den obigen Ausführungen noch bemerken, dass ich bei Abwägung und Gegenüberstellung der Vorzüge und Nachteile der verschiedenen Gebiete meines grösseren Palästina nur . meine Ansichten habe geben können, . welche allerdings auf einer — zun), mindesten verhältnismässig —, umfassenden Kenntnis der orientalischen, Dinge beruhen. Solange nicht meine Angaben oder Argumente widerlegt werden, sollten diejenigen, welche nicht die Zeit oder Gelegenheit haben sich zu informieren, mit meinen Ziffern und Werten rechnen. Sollte dieser oder jener in der Lage sein, meine Gegenüberstellung auf Grund von thatsächlicher Kenntnis wesentlich zu korrigieren (ein Fall, der mir freilich noch nicht vorgekommen ist), so wird die von mir oben gegebene Darstellung ihm in jedem Fall nützlich sein und ihn anregen, nun seinerseits die Resultate aus der gegenwärtigen Lage im Orient zu ziehen. Dieser Aufsatz, der ursprünglich eine Art Gelegenheitsarbeit war, hervorgerufen durch ein politisches Communique des Wien er zionistischen Aktions-Komitees, ist mir unter den Händen zu einem ausführlicheren Artikel über „Greater Palestine" angewachsen, als er bisher dem jüdischen Publikum vorgelegen hat. Die Kundgebung, welche diese Ausführungen veranlasst hat, wird vielleicht sich noch als nutzbringend erweisen, wenn durch sie die Diskussion eines Standpunkts angeregt worden ist, welcher mit einem Male die ganze Frage der jüdischen Orientkolonisation in gesunde Bahnen lenkt —. der dem Aktionskomitee Aktionsmöglichkeiten zeigt — und vor allen Dingen dem jüdischen Volke in seiner grossen Mehrheit den Weg aus Golus und Hunger.