Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Zukunft des Seidenbaues in Palästina
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 152 (sequence 30)
- Language
- German
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Alexandrette exportiert Kokons für weitere 2 000 000 Frcs. Mersina führt noch Kokons aus für 2 500 000 bis 4 500 000 Frcs. jährlich. Das ist also das Gesamtbild der syrischen Seidenproduktion augenblicklich. Es werden aber überall neue Maulbeerbaumplantagen angelegt, so bei Saida, Sur, Akko, Tripoli, Alexandrette, Antiochien. Die alten, während der Krise etwas vernachlässigten Pflanzungen in Meidsch-Ajun, Hasbeya, Raschaya blühen wieder auf. Dies alles deutet auf eine besondere bevorstehende Entfaltung hin. Hier aber, im Gegensatz zu Anatolien, ist es nicht die unterstützende Thätigkeit der Dette Publique, die diese Entfaltung begünstigte. Trotzdem Syrien eine bedeutendere Seidenzucht besitzt, hat es keine Samenzuchtstationen, keine Schulen. Es werden hier den Seidenzüchtern keine Prämien auf Wettbeweiben ausgeteilt. Es waren die gesetzlichen Begünstigungen, die von der ottornanischen Regierung den Seidenzüchtern gewährt und im Libanon genau befolgt werden, welche dem Seidenbau zu seinem gegenwärtigen Stand verhalfen. Die Begünstigung betrifft die Zehentabgaben von den Maulbeerbaumpflanzungen. Die Seidenzüchter, welche neue Pflanzungen anlegen wollen, werden drei Jahre hindurch, vom vierten Jahre an nach der Anlage gerechnet, von der Zehentleistung für die Kokons befreit, indem die Produktion pro 1 Dunam zu ca. 50 kg Kokons gerechnet wird. Liefert die neue Pflanzung noch nicht so viel Kokons, so kann der noch restierende begünstigte Betrag auf die alten Pflanzungen verrechnet werden. Ausserdem sollen diejenigen Pflanzer, welche 50 Dunam (4,5 ha) Maulbeerbäume verpflanzen, eine bronzene Medaille von der Regierung erhalten. Für 100 Dunam (9 ha) wird eine silberne, und für 500 (45 ha) eine goldene Medaille zugesagt. SCHLUSSFOLGERUNGEN. 1. Wir glauben nunmehr durch die vielleicht allzu ausführliche Aufzählung der Thatsachen, welche uns den Stand der Seidenkultur in verschiedenen Ländern vor Augen führen, bewiesen zu haben, wie wichtig diese Industrie für den Nationalwohlstand eines Volkes sein kann. Wir sehen, dass sie in den Ländern, in welchen die natürlichen Bedingungen für ihre gedeihliche Entwickelung gegeben sind, von den Regierungen besonders protegiert und gekräftigt wird. Wir erinnern nur an das Beispiel der ungarischen Regierung, sowie an die Thätigkeit der Dette Publique Ottomane und der ottomanischen Regierung selbst. 2. Wir können uns auch überzeugen, dass der Seidenbau' als Nebenerwerb von der Familie selbst, womöglich ohne Zuziehung fremder Arbeit, überall lohnend ist, und dass er bedeutende Summen für den Haushalt des Bauern abwerfen kann. Ja noch mehr, sogar in den Ländern, in denen die Handarbeit sehr teuer bezahlt wird, werden Versuche gemacht, den Seidenbau einzuführen. So verlangt der Ackerbausekretär der Vereinigten Staaten in seinem Rapport für 1900 vom Kongress eine Summe von 10 000 Dollars zur Einleitung von Versuchen zur Einführung des Seidenbaues in den Vereinigten Staaten.