Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Zukunft des Seidenbaues in Palästina
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 149 (sequence 27)
- Language
- German
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— 149 — kleinem Maassstabe. Die Ausfuhr richtet sich durch den Hafen von Smyrna. Früher exportierte Aidin 40000 kg Seide. Nach der Krankheit im Jahre 1858 fiel die Produktion auf 6000 kg. Seit 1888 ist eine Steigerung zu verzeichnen. So hatte die Ausfuhr im Jahre 1888 einen Wert von 65 000 Frcs., dagegen im Jahre 1892 schon 266 500 Frcs. Die Produktionsorte Adalia, Rhodos, Samos etc. haben eine nur lokale Bedeutung. Ihre Produktion ist sehr gering. SYRIEN. "Wir wenden uns nunmehr der Betrachtung des Seidenbaues in dem uns am nächsten stehenden Erzeugungsgebiete Syrien zu. Dieses Land hat auf dem Weltmarkte eine Bedeutung, welche der Anatoliens etwas überlegen ist. Es wurden in den Jahren 1895—1899 folgende Mengen Seide in Kilogramm erzeugt: -joQc iqq6 -IQQ7 iqqq i Qoo Mittel aus °/0 der ibyo iöVÖ 1ÖVÖ Ab" 5 Jahren Weltprod. 375 000 420 000 490 000 465 000 456 000 441 500 2,85 Zu bedenken ist dabei, dass in den letzten Jahren eine deutliche Tendenz zur Steigerung existiert, so dass wir jetzt schon wenigstens 3 °/0 der Weltproduktion liefern. Bemerkenswert ist es für Syriens Seidenbau, dass er sich in einem beschränkten Gebiete, in Nordsyrien und Libanon, konzentriert hatte. Wie wir schon eingangs hervorgehoben haben, liegt es nicht an den klimatischen oder Bodenverhältnissen dieses Himmelsstriches allein. Denn Palästina hat bestimmt ebenso günstige Bedingungen. Nur haben wir es hier mit einem schwach bevölkerten, in kultureller Hinsicht noch gar nicht entwickelten Lande zu thun. Es hängt auch viel von dem Charakter der Bevölkerung ab. Die muslimischen Bauern sind zu indifferent, zu bequem, um diese sehr viel Aufmerksamkeit beanspruchende Arbeit auszuführen. Es sind nur christliche Bauern, die sich dem Seidenbau zuwenden. In den Gegenden, wo die muslimische Bevölkerung vorherrscht, wie in Merdsch-Ajun und in Masbeyia, sahen wir nur die christlichen Landwirte sich mit der Seidenzucht beschäftigen. Manchmal ist es auch ein Metuali, aber niemals ein Muhamedaner. Uns wenigstens sind bis jetzt muslimische Seidenzüchter unbekannt geblieben. In Nordsyrien und im Libanon ist der Seidenbau fast die ausschliessliche Beschäftigung der Bevölkerung. Speziell für den Libanon ist diese Kultur die Haupterwerbsquelle. Im Jahre 1898 war die Gesamtausfuhr des Hafens Beyruth, durch welchen der grösste Teil der Landesprodukte ihren Weg nach dem Auslande nimmt, 18 000 000 Frcs. Davon entfällt lür Seide allein 16 000 000 Frcs.! Also acht Neuntel der Gesamtexportation werden von der Seidenzucht geliefert. Der Bedeutung dieser Industrie für das Land entsprechend, wollen wir etwas genauer die geschichtliche Entwickelung und den gegenwärtigen Stand derselben in Syrien betrachten. Schon im Altertum war Syrien durch seine Seide bekannt. Eine besondere Entwickelung fand unter Kaiser Justinian und am Anfang der muslimischen Herrschaft statt. Im 17. Jahrhundert erzeugten