Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Zukunft des Seidenbaues in Palästina
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 127 (sequence 5)
- Language
- German
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— 127 — In Italien wurden zwar auch Klagen laut, aber die Seidenzucht hat eine derartige Bedeutung für dieses Land, besonders für den Norden und für das Centrum desselben, die Handarbeit wird in einer solchen Fülle und zu so niedrigem Preise geliefert, dass es möglich war, noch gegen die geringen Preise anzukämpfen. Jedoch wurden auch in Italien keine neuen Pflanzungen um diese Zeit unternommen. Dazu gesellte sich noch der gleichzeitige Niedergang des Wertes von Silber, so dass die chinesischen und japanischen Seiden, welche an Ort und Stelle fast denselben Preis in Silber-Jens und -Taels bewahrten, auf den europäischen Märkten bedeutend billiger verkauft werden konnten. So accentuierte auf diese Weise die Silberkrise ganz besonders die Seidenkrise. Und so kam es dazu, dass zum ersten Male im Jahre 1894 die französischen Seiden zum Preise von 35 Frcs. pro Kilogramm vergeben wurden, während sie innerhalb dreissig Jahren den mittleren Preis von 100 Frcs. pro 1 kg übertrafen. Die Krise erreichte ihren Uipfel. Aber schon um. dieselbe Zeit liess sich eine entscheidende Wendung bemerken, die dem immer stärker sich entwickelnden Durst nach Luxus in den Volksmassen zu verdanken ist. Laurent de TArbousset äussert sich darüber in den folgenden Ausdrücken1): „Der Volksgeschmack hat sich verfeinert; zugleich mit der Bildung hat sich ein Bedürfnis nach Eleganz ausgebreitet, welches unsere Mütter nicht kannten, wenn sie nicht gerade den höchsten sozialen Kreisen angehörten. Heute haben alle Frauen, nicht allein Frankreichs, sondern Europas, Amerikas und der ein Viertel der Erdkugel umfassenden englischen Kolonien, denselben Geschmack an Toiletten, denselben Zug,nach Eleganz wie die noblen Damen des alten Regimes." Diesem Zug nach Eleganz wirkte aber der hohe Preis der Seidenstoffe entgegen. Nicht eine jede Börse war den teuren Faille- oder Moirestoffen gewachsen. Der Besitz eines Seidenkleides wies schon auf eine gewisse Wohlhabenheit hin. Es war hier also den Seidenfabriken, speziell denen von Lyon, beschieden, in die Fabrikation von Seidenstoffen solche Aenderungea hineinzutragen, welche es ermöglichen würden, Seidenstoffe zu liefern, die die schönen Eigenschaften, den Glanz, die Weichheit, die Nuancen der Seide aufweisen, zugleich aber auch zu einem billigeren Preise an das Publikum abgesetzt werden könnten. Die halbseidenen leichten Stoffe gewannen überall Eingang. Sie bewahrten die schönen äusseren Eigenschaften der echten Seidenstoffe, wurden aber zu einem billigen Preise, schon zu 2,50 Frcs. pro Meter, manchmal auch noch billiger, verkauft. Schon 1895 liess sich diese Modewendung durch eine festere Nachfrage nach Kokons und Rohseide fühlen, jedoch blieben die Preise für diese Rohprodukte noch immer die gleichen. Die Speicher besassen noch die Ueberschüsse der asiatischen Ernten, zu denen noch eine ausgezeichnete 1894 er europäische Ernte hinzugekommen war. x) L. de l'Arbousset, a. a. O., S. 23.