Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 112

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Eine nationale Lehranstalt in Palästina
Date
1902-03-01
Page
Seite 112 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2379786-2379787-2379791-2380408--00236-2380467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 112 — Aus einem Briefe des Agronomen- Herrn A. Aronson, datiert Haifa, 5. April 1902. ----Auf Ihren Wunsch teile ich Ihnen hierdurch mit, welchen Eindruck Hettine auf mich gemacht hat. Ich war eben vor 14 Tagen zum zweiten Male dort, und hätte ich gewusst, was Sie beabsichtigen, so wäre ich gern länger dort geblieben, um die Gegend genauer in Augenschein zu nehmen. Das erstemal war ich im August vorigen Jahres (1901) in Gesellschaft des Herrn Treidel dort. Wir verbrachten damals einen Vormittag damit, das Thal von Hettine nach allen Richtungen hin zu durchstreifen, doch war das vorige Jahr zu trocken und die Jahreszeit schon zu sehr vorgeschritten, um die Fruchtbarkeit des Bodens nach dem Stande der Ernte zu beurteilen. Der Boden von Hettine besteht aus demselben zerbröckelten Basalt, der! auch den Boden von Sahel-il-Ahma bildet, und muss wohl ebenso fruchtbar sein wie dieser. Auch die chemische Analyse dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach eine analoge Zusammensetzung ergeben und denselben Reichtum an nährenden Elementen nachweisen, den Dr. Anderson für Sahel-il-Ahma gefunden hat, welches die südöstliche Fortsetzung des Plateaus von Hettine ist. Die Nettigkeit des Dorfes und der Wohlstand seiner Bewohner sind gleichfalls ein Beweis für die Fruchtbarkeit der Gegend und zeigen, dass die Ernte-Erträgnisse hier thatsächlich grösser sein müssen als in der Nähe der Meeresküste, wenn auch die landwirtschaftlichen Methoden primitiver sind als z. B. in der Ebene Saron. Als ich vor 14 Tagen Hettine passierte, sah ich das Getreide in voller Schönheit stehen, und die Gemüse, die man hier und da sehen konnte, zeigten eine erstaunliche Entwickelung. Es giebt dort eine Art von blauen Lupinen, welche einen dichten Teppich bilden, der sehr angenehm auf das Auge wirkt, die aber auch sehr nützlich als Grünfutter verwendet werden können. Auch die saftvollsten Kräuter waren so entwickelt, dass sie sich gut zum Viehfutter eigneten. Die OeJbäume von Hettine sind vor dem Ostwinde geschützt und trugen im August Früchte in grosser Fülle und bewiesen, dass in Palästina der Oelbaum ebenso auf vulkanischen, wie auf kreidigen Böden gedeiht. Vor allem hat Hettine Herrn Treidels und meine Sympathie durch seinen verhältnismässigen Wasserreichtum erworben. Nachdem wir eben den Sahel-il-Ahma und die Gegenden von Sedjera, Mesha etc. besucht hatten, wo es wenig Wasser giebt$ war es ein wirkliches Vergnügen, in den Obstgärten von Hettine auszuruhen, die zwar schlecht gepflegt sind, deren Fruchtbäume aber, wie Granat-, Feigen-, Aprikosen-, Esrogim- und Orangenbäume, vermuten lassen, wie lohnend die Baumzucht bei rationellem Betriebe sein könnte . . . . Obgleich an dem Tage, als wir Hettine besuchten, der Sirocco geweht hatte, war doch die Temperatur ziemlich angenehm und weniger ermüdend als z. B. in der Gegend von Sichron-Jacob. Die zahlreichen Schluchten, in denen das Regenwasser zum Tiberias-See und zum Jordan abfliesst, machen die Gegend gesund und verleihen ihr gleichzeitig einen grossen landschaftlichen Reiz. Auch die benachbarten Höhen von Safed, der Tabor und andere beeinflussen das Klima der Gegend im günstigsten Sinne.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.