Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Über den Nutzen einer theoretischen Vorbereitung der Palästina-Kolonisation
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 104 (sequence 1)
- Language
- German
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— 104 UEBER DEN NUTZEN EINER THEORETISCHEN VORBEREITUNO DER PALAESTINA - KOLONI - SATION. Von Dr. Alired Nossig. (Aus einem Vortrag, gehalten in einem Kreise von Palästinafreunden in Frankfurt a. M.) Dass eine eingehende Erforschung der Verhältnisse Palästinas das eigentliche Fundament des Baues bilden müsse, den wir aufzuführen gedenken, diese einfache und selbstverständliche Wahrheit beginnt sich erst jetzt, nach einer zwanzigjährigen kolonisatorischen Thätigkeit, einer Elite von Palästinafreunden aufzudrängen. Man hat sich bis jetzt bei dem Palästinawerke damit begnügt, von Zeit zu Zeit Männer nach dem Orient zu entsenden, denen man einen gewissen praktischen Blick zutraute, und die dann auf Grund von ziemlich oberflächlichen Beobachtungen, Gesprächen mit einigen Ansässigen u. s. w. einen Bericht erstatteten. Das Verdienst dieser Berichte soll nicht geschmälert werden; aber dass sie für den grossen Zweck, der zu verfolgen ist, keine genügende Basis abgaben, leuchtet von selbst ein. "Wenn das Kolonisationswerk bis heute zum Teil so schöne Früchte getragen, so zeugt dies von der grossen Lebensfähigkeit, von den reellen Chancen der Sache, die trotz der ungenügenden Vorbereitung manchen Erfolg zu erringen vermochte. Aber wir hätten uns viele schmerzliche Erfahrungen erspart, und sicherlich hätte das Werk einen viel rascheren Aufschwung genommen, wenn uns die Mittel zur Verfügung gestanden hätten, dem Kolonisationswerk ein umfassendes, systematisches, echt modernes Erforschungswerk vorangehen zu lassen. Ich habe als Mitglied des Pariser Centraikomitees der Choveve- Zion-Gesellschaften durch eine Reihe von Jahren Gelegenheit gehabt, zu beobachten, wie sehr das Vorgehen auf ungenügender Informationsbasis die Arbeit hemmt und erschwert; andererseits haben mir meine volkswirtschaftlichen und speziell die agrar-politischen Studien die Ueberzeugung verschafft, dass die Wissenschaft die Lösungen bietet für die meisten jener Schwierigkeiten und Hemmnisse, auf die der kolonisierende Praktiker in Palästina stösst. Ich berühre hier, wie gesagt, einen Punkt, über den in den Kreisen der Kolonisationsfreunde nicht volle Meinungseinheit herrscht. Bei einem Teile derselben besteht ein gewisses Misstrauen gegen derartige ernstere Voruntersuchungen. Man hat dem Schlagwort von der „praktischen" Kolonisation den Sinn gegeben, dass das Werk ohne viele theoretische Vorbereitungen von den Leuten, die eben nach