Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Ein Blick auf die gegenwärtige Lage der Kolonien in Palästina
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 95 (sequence 1)
- Language
- German
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— 95 — EIN BLICK AUF DIE OEGENWAERTIOE LAGE DER KOLONIEN IN PALAESTINA. Von Dr. Hillel Yofe. (Aus dem französischen Original übersetzt.) (Zweiter Artikel.) Die Schlussfolgerung meines ersten Artikels, in welchem ich so viel Ungünstiges über alle wichtigeren Faktoren der gegenwärtigen Kolonisation habe sagen müssen, war, dass Systemänderungen stattgefunden haben und dass neben anderen Heilmitteln man sich beschäftigen müsse: a) mit individuellen und kooperativen Privatunternehmungen, b) mit der Organisation einer Konferenz, zu welcher die Repräsentanten der verschiedenen interessierten Institutionen, der Kolonisten und wohl informierte Privatpersonen einzuladen wären, an den Verhandlungen teilzunehmen. Ich habe ausdrücklich hinzugefügt, dass es absolut zwecklos sei — ja sogar unvernünftig —, zu verlangen, dass die Ergebnisse dieser Konferenz für irgend wen obligatorisch seien. Bevor ich weitere Mittel zur Verbesserung der gegenwärtigen Lage bespreche, werde ich mich zunächst über die beiden obengenannten Fragen weiter auslassen. I. Ich glaube, dass es zwecklos ist, weitläufig zu erörtern, was die Entwickelung der Privatinitiative zur Zeit uns nützen könne, da wir doch alle in gleicher Weise das Uebel, oder doch die Wurzel des Uebels im Prinzip der Wohlthätigkeit sehen, oder allgemein ausgedrückt, in dem System der Unterhaltung, welches mit einer schlecht definierten Abhängigkeit für immer verknüpft ist. Wenn hier die Meinungen auseinandergehen könnten, so könnten sie es nur entweder über ähnliche Unternehmungen unter den gegenwärtigen Verhältnissen im Allgemeinen, oder über die Art ihrer Ausführung im Besonderen. Wir haben unglücklicherweise viele Beispiele, wo ein von mehreren Personen eingebrachtes, beträchtliches Kapital, das für landwirtschaftliche Unternehmungen verwendet wurde, einen bis heute nur sehr zweifelhaften Erfolg aufweisen kann, und es ist daher ganz natürlich, dass Privatleute nicht daran denken werden, wieder mit solchen Experimenten zu beginnen und ihr Geld «in einem Laude zu riskieren, welches so viel Misserfolge aut kolonisatorischem Gebiete aufzuweisen hat. Auch beschützt der Staat die Landwirtschaft zu wenig, im Gegenteil, er belastet sie mit so hohen Zöllen, dass dieselbe bisweilen unheilvollem Missgeschick ausgesetzt ist. Es versteht sich von selbst, dass diese, dem Erfolge landwirtschaftlicher Unternehmungen entgegenstehenden Hindernisse mindestens in gleicher Weise für die Unternehmungen einer kolonisatorischen Institution bestehen wie für die von Privat-