Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse von Jaffa und Jerusalem
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 81 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379787-2379790-2380298--00187-2380353- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
— 81 — DIE ALLGEMEINEN WIRTSCHAFTLICHEN VERHAELTNISSE VON JAFFA UND JERUSALEM. Der Sandjak Jerusalem mit seinem Hinterland zählt nur 212 309 Einwohner, darunter 144 305 Muselmanen und 40 000 Juden. Der Rest sind Christen. Das kommerzielle Centrum des Sandjaks ist Jaffa mit 48 360 Einwohnern, darunter eine grosse Kolonie süddeutscher Landwirte in Sarona.1) Jaffa ist die zweitgrösste Handelsstadt an der syrisch-palästinensischen Küste, Sitz der Zollverwaltung, aller Agenturen, Import- und Exportfirmen u. s. w. Noch bis vor 30 Jahren war Jaffa eine elende arabische Küsten-Ortschaft, wie auch das alte Joppe nie grosse wirtschaftliche Bedeutung hatte. Seinen Aufschwung verdankt die Stadt der Dampfschiffahrt und der Jaffa—Jerusalem- Bahn, durch welche Jerusalem dem Meere näher und zu grösserer Entwickelung kam, ferner der deutschen Kolonie und den jüdischen Ansiedelungen mit ihren Wein- und Orangen-Kulturen. Grösser als Jaffa und mit diesem durch eine Bahn verbunden ist die Stadt Jerusalem, welche 75 390 Einwohner zählt, darunter fast zwei Fünftel Juden. Jerusalems Bedeutung beruht lediglich auf den Interessen der zahlreichen religiösen Stiftungen, Klöster, Kirchen u. s. w. und auf dem hiermit zusammenhängenden Pilger- und Touristenverkehr, der j ährlich 50 000 Fremde in die Stadt bringt. Etwa 70 km südlich von Jaffa, fast am Meere, hegt die zweitgrösste Stadt des Bezirks von Jaffa, Gaza, mit etwa 35 000 Einwohnern. Gaza war zu den Zeiten der Griechen und Römer ein Haupthandelsplatz, geriet aber in Verfall. Seit etwa 20 Jahren gewinnt es von neuem an Bedeutung, weil sein getreidereiches Hinterland nicht nur Jaffa und Jerusalem mit Brot versorgt, sondern auch einen Export entwickelt, der von Jahr zu Jahr wächst. Die Bodenverhältnisse. Was die Bodenverhältnisse betrifft, so ist zwar der grösste Teil des südlichen Palästina unbebaut, aber die wenigen kultivierten Strecken Landes beweisen, welche grosse Reichtümer der Boden birgt. Auf •dem schwarzen Alluvialboden der südkanaanatischen Ebene gedeihen x) Die deutsche Kolonie in Sarona zählt 270 Seelen. — Es ist unschwer zu verstehen, dass die deutschen Kolonisationsbestrebungen von deutscher Seite gern in ein helleres Licht gestellt werden. Da dies jedoch vielfach — wenn auch zweifellos unbeabsichtigt — auf Kosten des Ansehens der jüdischen Kolonisation geschieht, so dürfte es hier am Platze sein, den Umfang der deutschen Kolonisation im heiligen Lande {nach den Ziffern «des „Baedeker" von 1900) festzustellen. Jaffa 350 Seelen. Sarona 270 „ (jährlich ca. 7000 hl Wein). Haifa 362 „ „ 160 „ (nicht zur Templergemeinde gehörig). Jerusalem 400 „ Also in Summa 1542 Seelen. Dem steht ein beträchtlich grösserer Umfang der jüdischen Kolonisation in Palästina gegenüber, wie an anderer Stelle in diesem Hefte gezeigt ist. Ausser den 5000 jüdischen Ackerbau-Kolonisten hat Palästina (mit Sjnrien) eine jüdische Einwohnerschaft von über 100 000.