Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Der äusserste Südwesten Palästinas
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 27 — DER AEUSSERSTE SUEDWESTEN PALAEST1NAS. Von Davis Trietsch. Wenn wir von den verschiedenen Grenzen Palästinas, wie sie in der Bibel angegeben sind, die engste als maassgebend betrachten wollen, so haben wir als dieselbe den Nachal Mizrajim, den Bach Aegyptens, anzusehen, der heute Wadi El-Arisch heisst. Diese engste Grenze Palästinas fiel bis zum Jahre 1887 mit der türkisch-ägyptischen Grenze zusammen, so dass man bis zu diesem Jahre sagen konnte, dass Palästina in der Türkei liegt, und dass Aegypten am Wadi Ei- Arisch zugleich an die Türkei und Palästina grenzt. Dieses Verhältnis wurde in dem genannten Jahre in der Weise verschoben, dass ein Küstenstreifen von 40 km Länge und ca. 25 km Breite zu Aegypten und ein etwas grösseres Stück Land weiter im Innern zur Türkei geschlagen wurde. So kommt es, dass heute Palästina nicht mehr ausschliesslich unter türkischer Verwaltung steht, sondern dieser Teil von ca. 1000 qkm (das ganze Palästina wird auf 29 000 qkm geschätzt) als Aegyptisch-Palästina zu bezeichnen ist. Dies ist besonders deshalb in hohem Maasse bemerkenswert, weil es für die grosse Mehrheit derer, welche an die orientalische Lösung der Judenwanderungsfrage glauben, von allererster Bedeutung ist, ob ein Kolonisationsgebiet zu Palästina gehört, oder nicht. Viele sind in dieser Beziehung so fanatisch, dass sie ein Nachbarland, und sei es Palästina noch so nahe, in einen ganz unlogischen Gegensatz zu diesem Lande bringen und es mit Kanada, Argentinien und dem Nordpol in eine Reihe stellen würden. Dadurch, dass diese Fanatiker, leider auf das Volk, dem exakte Kenntnisse fehlen, einen-grossen Einfluss ausüben, ist die ganze Palästina- oder Orient-Kolonisation in eine äusserst schiefe Lage gekommen. Man stellte den Satz auf, es dürfe nirgends als in Palästina kolonisiert werden und fügte hinzu, dass dort bis auf weiteres jede Thätigkeit unmöglich sei. So beschränkte man die Thätigkeit theoretisch auf ein Gebiet, wo sie praktisch unmöglich war, und alles kam ins Stocken. Der Fanatismus war in diesem Falle gleichzeitig das Bequemste. Die Bequemlichkeit ging sogar so weit, dass niemand sich die Mühe nahm, auch nur die Landkarte aufmerksam anzusehen — sonst hätte die Grenzänderung vom Jahre 1887 wohl nicht unbemerkt bleiben können. Wenn man nun den bestehenden Verhältnissen Rechnung trägt — nämlich der furchtbaren Not im Osten Europas, die beständig zur Auswanderung zwingt — der ablehnenden Haltung der Länder, welche bisher das Ziel der jüdischen Wanderung gewesen waren — der Anhänglichkeit der jüdischen Masse an das alte Stammland Palästina — und dem Umstände, dass bis auf weiteres eine Immigration nach diesem Lande, soweit es unter türkischer Verwaltung steht, unmöglich ist — wenn man alles dies in Betracht zieht, so bleibt nichts anderes übrig, als unsere Aufmerksamkeit vor Allem dem Gebiete zuzuwenden, welches alle Gefühlsmomente für sich hat, und wo einer jüdischen Kolonisationsthätigkeit keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. In der grösseren Oeffentlichkeit ist die Frage erst in diesem Jahre