Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Industrielle Unternehmungen in der Türkei
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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— 14 - werden, was wiederum mit Unkosten verbunden ist. Nur wenige Fabriken sind gewillt und in der Lage, diese Unkosten stets von neuem auf sich zu nehmen. So lassen z. B. die Baumwollspinnereien in Jedikule bei Konstantinopel, deren gröbere Nummern seinerzeit selbst den englischen Garnen erfolgreich Konkurrenz machen konnten, in ihrem letzten Geschäftsbericht durchblicken, dass. ohne eine nochmalige wirksame Hilfe seitens der Regierung die Fabrik ihren Betrieb würde einstellen müssen. Unter diesen und ähnlichen aussergewöhnlichen Anforderungen an ihre Kapitalskraft leiden mehr oder weniger sämtliche Fabrikanlagen im nördlichen Teile des türkischen Reiches. Aus all diesen Gründen ist die Zahl derjenigen fabrikmässigen Betriebe, die nicht die Ausbeutung des Bodens und der Landwirtschaft zum Zweck haben, eine verhältnismässig recht kleine. Von einer gewissen Bedeutung sind in erster Linie die von der Regierung, bezw. von der Civilliste des Sultans, unterhaltenen Fabriken. Hierhin zählen das Centraiarsenal für die Kriegsmarine in Kassim-Pascha, die Gewehrfabrik und Kanonengiesserei in Tophane, die staatliche Fezfabrik in Bolota (Fezhane) und verschiedene Teppichfabriken, deren grösste in Hereke liegt. Ferner bestehen in Fezhake und Hereke staatliche Porzellanfabriken und an verschiedenen Orten, namentlich in Beikos am Bosporus, grössere Werkstätten für Schuhwerkzeuge der türkischen Armee. In den meisten der staatlichen Fabriken kommen nur männliche Arbeiter, und zwar ausschliesslich Türken, zur Verwendung. Eine Ausnahme hiervon bilden die Teppichfabriken, in denen die Weiber und Kinder der benachbarten Dörfer in umfassendem Maasse zur Arbeit herangezogen werden. Der Lohn der gewöhnlichen männlichen Arbeiter bewegt sich zwischen 6 und 12 Piaster, d. h. zwischen 1 und 2 M. täglich; bessere Arbeiter können je nach ihrer Gewandtheit und ihren Leistungen bis zu 20 Piaster täglich, d. h. 3 M., verdienen. Diese Löhne sind höher, als sie auf den ersten Blick erscheinen, wenn man die Langsamkeit und die Bedürfnislosigkeit des türkischen Arbeiters in Betracht zieht. Auch sind die Verkaufspreise in denjenigen staatlichen Fabriken, deren Erzeugnisse dem grösseren Publikum zugänglich sind, nicht so niedrig, wie man im Hinblick auf die europäische Konkurrenz erwarten könnte. Zum Beispiel, die in Hereke gefertigten seidenen Möbelstoffe, die mit Vorliebe von reichen Türken gekauft werden, sind etwa 20% teurer als die gleiche europäische Ware. Auch von den dort gefertigten Teppichen werden infolge der hohen Preise nur höchstens 20°/0 wirklich verkauft; der Rest dient privaten Zwecken des Landesherrn. Trotz dieser ziemlich beschränkten Verbreitung der in Hereke hergestellten Ware, wird deren Gesamtwert auf ungefähr 30 000 türkische Pfund (gleich 555 000 M.) jährlich geschätzt. Nicht zu verwechseln mit dieser staatlich kontrollierten Teppichfabrikation ist die aus dem. Hausgewerbe hervorgegangene und fast über die ganze Türkei verbreitete private Teppichindustrie, die von der Regierung ebenfalls stark unterstützt wird, und der seit kurzem auch in der Türkei ansässige europäische Firmen ihre besondere Aufmerksamkeit widmen. Diese Industrie hat ebenso wie die Seidenzucht, dank der grossen Ausdauer