Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Über die Notwendigkeit von Erforschungsarbeiten in Palästina und seinen Nachbarländern
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 4)
- Language
- German
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— 9 — Ländern erforderlichen wissenschaftlichen Materialien, zum Teile kostspieliger Art, wie Karten, seltene Werke u. s. w. erwerben muss, so wird es zugleich ein Centraiinstitut für die wissenschaftliche Erforschung des Orients in nuce darstellen, dessen Ratschläge und Sammlungen wohl öfters werden in Anspruch genommen werden. IV. Zur Durchführung des ganzen Unternehmens erscheinen folgende Mittel .als die geeignetsten. Ein Komitee mit dem Wohnsitze in Berlin und mit Kooptationsrecht hätte zunächst die bisher publizierten ein schlägigen Hauptwerke aller Sprachen zu sammeln und durchzustudieren gleichzeitig aber sich mit berufenen Persönlichkeiten (hauptsächlich mit den in Palästina wohnenden) für die Zwecke der geplanten Erforschungsarbeiten in Verbindung zu setzen. Eine oder mehrere vorbereitende Informationsreisen der Leiter der unternommenen Arbeiten nach dem Orient werden unerlässlich sein. Im übrigen muss man bestrebt sein, die Arbeiten in der Weise zu führen, dass die in Palästina wohnenden Persönlichkeiten in erster Linie zur Verwendung kommen, weil dieselben den Weg zur Erlamgung von Informationen leichter finden und weil die Kosten des Unternehmens hierdurch verringert werden. Bei der Wahl der von Europa aus zu entsendenden Fachmänner wäre zu berücksichtigen, dass zunächst hauptsächlich ein richtiger allgemeiner Ueberblick über juridische, agrarische, kommerzielle, industrielle und hygienische Verhältnisse von nöten ist. Ein wichtiges Erforschungsmittel werden Fragebogen sein, welche man an alle mit den Verhältnissen gewisser Gegenden des Orients genau vertrauten Persönlichkeiten versenden wird. So werden die einander oft widersprechenden Ansichten der im Orient lebenden Personen mit einander verglichen und es wird ein Fazit gezogen werden, das als zuverlässig gelten kann. Präzisere Angaben über die Einteilung der Arbeit, über die Zahl, den Umfang und die Dauer der vorzunehmenden Reisen, über die Art der zu veröffentlichenden Schriften und die Organisation der Kommission werden wohl erst möglich sein, nachdem die vorliegende Litteratur gesichtet sein wird und nachdem eine erste Informationsreise sowie die Verständigung mit den an Ort und Stelle lebenden Personen über das Erreichbare und zu Leistende vollständige Klarheit verschafft haben wird. Es darf aber wohl die Hoffnung ausgesprochen werden, dass auf Grund der Litteratur, der ersten Fragebogenerhebungen und der ersten Informationsreise bereits ein ' verwendbares, populäres Handbuch für die Kolonisationsthätigkeit im Orient in deutscher und jüdisch-deutscher Sprache wird veröffentlicht werden können.