Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Über die Notwendigkeit von Erforschungsarbeiten in Palästina und seinen Nachbarländern
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 2)
- Language
- German
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— .7 - IL Es soll zugegeben Vierden, dass manche Fragen der Kolonisationsthätigkeit sich nicht durch eine theqretische Erforschung des Landes, sondern ausschliesslich aui dem Wege praktischer Versuche an Ort und Stelle entscheiden lassen. Aber es bleibt andererseits ebenso unanfechtbar, dass viele verhängnisvolle Fehler vermieden worden wären, wenn man der Kolonisation wissenschaftliche Erforschungsarbeiten in modernem Stil hätte vorangehen lassen. Alles, was bisher von jüdischer Seite und für die Zwecke der jüdischen Kolonisation in dieser Hinsicht geleistet wurde, steht auf der niedrigsten Stufe kolonialpolitischer Arbeiten. Es sind subjektiv gefärbte Reiseberichte von Leuten, welche die geschilderten Gegenden und Verhältnisse nur äusserst kurze Zeit beobachtet haben und zumeist keine Fachmänner waren. Wie reichhaltig auch die betreffende Litteratur ist, sie bietet doch weder dem Einzel-Emigranten noch den Kolonisations- Genossenschaften — von einer Kolonisation in grossem Stil, ganz zu schweigen — einen verwendbaren, praktischen Anhalt. Erwägt man aber die enormen praktischen Vorteile, welche eine umsichtige und präzise Erforschung von Ländern und Verhältnissen — um nur ein Beispiel zu nennen — den Deutschen in Amerika, Afrika und im Orient gebracht, so erscheint es dringend notwendig, den jüdischen Emigranten auf demselben Wege die Ansiedelung in ihren neuen Heimstätten zu erleichtern, die Möglichkeit, gesicherte Existenzen zu gründen, an die Hand zu geben. III. Bei der Normierung des Planes der Ertorschungsarbeiten muss man sich die gegenwärtige Phase der Kolonisationsbewegung und die voraussichtlichen Fortschritte derselben in den nächsten Jahren vor Augen halten. Es wäre verfehlt, von einem Extrem ins andere hinüberzuspringen, und heute, wo es noch an einem primitiven Führer für jüdische Emigranten gebricht, an eine Erforschungsexpedition in grösstem Stile zu denken; um die Zeit, wo man sich noch erfolglos bestrebt, einen Teil der Oberfläche des Landes für arme jüdische Ansiedler zu gewinnen, etwa weitgehende geologische Forschungen ins Werk zu setzen, in der Art, wie sie für Kapitalisten-Konsortien nötig sind, welche eine Grossindustrie schaffen und die Schätze des Erdinnern exploitieren wollen. Von dem. Prinzip ausgehend, dass die theoretischen Vorbereitungen sich den praktischen Bedürfnissen anpassen müssen, soll vielmehr zunächst alles das eruiert und in präziser, leicht fasslicher Form zusammengestellt werden, was der Einzelemigrant, sowie kleinere Emigrantengruppen unbedingt wissen sollten, bevor sie sich nach dem Orient wenden. Also, um nur einige Hauptpunkte zu nennen: Reisekosten und Verkehrsverhältnisse; die wesentlichen Bestimmungen der türkischen Gesetzgebung und die in der Praxis bestehenden Rechtsgebräuche, betreffend die Einwanderung und Ansiedelung; die geographischen, hygienischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Möglichst genaue Angaben, in welchen Gegenden und unter welchen Bedingungen landwirtschaftliche Ansiedelungen am vorteilhaftesten zu