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Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland · 1898-03-01 · Heft 5 (März 1898) · p. Seite 21

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Journal
Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
Volume
1898
Issue
Heft 5 (März 1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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Verehrte Versammlung! Inmitten dieser Verspottung und Preisgebung olles jüdischen Interesses und jüdischen Lebens tauchte ganz unerwartet der » Antisemitismus auf, nahm uns den Rausch und Taumel und klärte uns über unseren Wahn auf, daß man nicht durch Verrath an seinem eigenen Glauben das Vertrauen und die Zuneigung Anderer gewinnen könne. Einsichtsvolle Männer in Israel aber erkannten, daß Unwissenheit, .? Mangel an Kenntniß im jüdischen Schriftthum vielfach die Entfremdung und Geringschätzung alles Ueberkommenen in unserem Lager verschulde, und daß Belehrung und Verbreitung der jüdischen Geschichte und Litteratur uns unsere Selbstwürde, unseren berechtigten Stolz auf unsere ruhmbedeckte Vergangenheit zurückgeben und uns endlich Willem und Kraft verleihen werde, für Israels Ehre, Namen und Ruf den Kampf in der ernsten Gegenwart aufzunehmen und siegreich zu Ende zu führen. Wie in durchfurchtem, aufgelockertem Boden die ausgestreute Saat schnell Wurzel schlägt, so keimte die überallhin getragene Anregung in dem Boden der jüdischen Gemeinden, und die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur mehrten sich in überraschender Weise. Von drei Vereinen im Jahre 1891 sind sie heute zu der Zahl von 83 gewachsen. Das alleinige Verdienst um diese erfreuliche Zunahme hat sich der „Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Deutschland", der heute hier tagte, erworben, denn kein Verein wurde ohne seinen Rath und seine Anweisung gegründet, alle wenden sich noch heute um Belehrung an diese Centralstätte. Selbst der ungünstige Finanzbericht, der uns heute erstattet wurde, ist in einer gewissen Beziehung erfreulich, denn er beweist uns einerseits, daß selbst mit geringen Mitteln schöne Erfolge erzielt worden sind, andererseits, daß ideale Bestrebungen, so sie nur Geist und Herz beherrschen, auch im Judenthum der Gegenwart einen fruchtbaren Boden vorfinden und zu ihrer Förderung nicht ausschließlich auf materielle Unterstützung angewiesen sind. Die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur bieten heutzutage einen annähernden Ersatz für manches, was uns in der Entwickelung der Zeit verloren gegangen ist. Die alten Jeschiwoth sind bei uns eingegangen, wo soll der Jude der Neuzeit Kenntnisse über die Geschichte seiner Vorfahren, deren Leistungen und geistiges Wirken holen? Wo soll er in den Zerstreuungen der Gegenwart sich sammeln, um, frei von allen Störungen des Tages, die Vorzeit mit ihrem reichen wissenschaftlichen Inhalt und ihrem noch heute anregenden sittlichen Gehalt an seinem Geiste vorüberziehen zu lassen? In allen Gemeinden, wo solch ein Verein besteht, ist sichtbar das Interesse nicht allein für die Wissenschaft des Judenthums, sondern auch für das jüdische Gemeindeleben erwacht; dem Verein schließen sich die Mitglieder der Gemeinden aller Richtungen an, er ist gleichsam das einigende Band unter den Gemeindemitgliedern, ja noch mehr, in einigen Gemeinden wurde Mancher, der dem Judenthum entfremdet war, durch anregende jüdisch - wissenschaftliche Vorträge dem Glauben der Väter zurückgeführt; der Verein ward die Pforte, durch die er schritt, um den Weg zu dem seit vielen Jahren nicht besuchten Gotteshaus wiederum

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