Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1900)
- Article
- Zur Geschichte des Verbandes
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 geworden: Ein neuer Geist ist in die jüdischen Gemeinden Deutschlands eingekehrt, ein Geist belebender Selbsterkenntniß, der unsere Stammesgenossen aus ihrem langjährigen Jndifferentismus aufrüttelt und ihnen zeigt, welchen Weg sie einzuschlagen haben, um das von den Vätern ererbte, aber leider unbeachtet gelassene und darum — sagen wir es nur offen heraus — in Vergessenheit gerathene Gut auf's Neue zu erwerben, um es zu besitzen und den Nachkommen zu erhalten. Man kann über den Werth der einzelnen Vorträge, die in den Vereinen gehalten werden, denken, wie man will, aber zugeben muß man, daß sie erziehlich wirken und eine nicht zu unterschätzende Werbekraft besitzen. Der von vielen Seiten erhobene Vorwurf, daß durch populäre Vorträge die Wissenschaft des Judenthums verflacht werde, ist ebenso unberechtigt wie die Angst kleinlicher Gemüther, die nichtjüdische Welt könnte in der Begründung speziell jüdischer Literaturvereine Absonderungsgelüste seitens der Juden erblicken. Gegen diese beiden Ansichten müssen wir uns entschieden verwahren. Täuschen wir uns nur selbst nicht. Für die große Masse unserer Glaubensgenossen können die Vorträge nicht populär genug gehalten werden, und was das Bedenken betrifft, man könnte uns Absonderungsgelüste zumuthen, so erwidern wir: das Hemd steht uns näher als der Rock. Wenn es gilt, für die Erhaltung unserer Lehre einzutreten, das Interesse für die in unserem Schriftthum verborgenen geistigen Schätze wachzurufen, dürfen wir uns durch kleinliche Rücksichtnahme in unserer Wirksamkeit nicht stören lassen. Durch die in unseren Literaturvereinen gehaltenen Vorträge wird Allen, die es hören wollen, laut verkündet, daß die Juden zu allen Zeiten an den kulturellen Bestrebungen der Völker regen Antheil genommen und sich niemals von den