Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 7 (Dezember 1899)
- Article
- Zur Geschichte des Verbandes
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 282 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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282 hielt, fanden sich begeisterte Männer, welche diesen Bann durchbrachen und für die Verbreitung der Kenntniß des Judenthums durch Gründung von Literaturvereinen Sorge trugen. Erfreulich und als Zeichen der Zeit anzusehen ist, daß die Vorträge nicht immer von Theologen gehalten werden, sondern sehr häufig von Männern, welche mitten im vraktischen Leben stehen, die es endlich eingesehen, daß auch das Judenthum geistige Schätze besitzt, die denen anderer Literaturen würdig an die. Seite gestellt zu werden verdienen. Wenn im Laufe eines Winterhalbjahrs in ungefähr 150 jüdischen Gemeinden Deutschlands ca. 1000 Vorträge über jüdische Themata gehalten werden, so ist das ein Werk, auf welches das deutsche Judenthum mit Genugthuung blicken darf. Zugleich aber dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß das Heranwachsende Geschlecht von den unerschütterlichen Wahrheiten des Judenthums mehr durchdrungen sein wird als das gegenwärtige, das erst durch die feindlichen Stürme von Außen zur Rück- und Einkehr in das alte Vaterhaus veranlaßt wurde. Wollen wir es nur offen bekennen, daß es nicht unsere Mühe und Arbeit allein waren, welche diese Bewegung hervorgerufen haben' ohne die Buudesgenossenschaft unserer Gegner wäre es uns schwerlich gelungen, unsere Glaubensgenossen aus' ihrer Lethargie aufzurütteln. Nun freuen wir uns, konstatiren zu können, daß unsere Glaubensgenossen selber zur Ueberzeugung gelangt sind, daß die Verbreitung der Kenntnisse von unserer Geschichte und Literatur eine unabweisliche Forderung der Gegenwart ist. Selbst kleine Gemeinden in den verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes richten jetzt an uns Bittgesuche, von Verbands wegen in ihrer Mitte Vorträge abhalten zu lassen. Leider verfilzt der Verband nicht über die erforderlichen pecuniären Mittel, um alle diese an ihn ergehenden Gesuche berücksichtigen zu können. Viele Vereine, obwohl zum-größten Theil durch die Anregung und Mithilfe der Verbandsleitung begründet, erachten es ihrerseits nicht als eine Ehrenpflicht, einen Jahresbeitrag, und sei er noch so gering, an die Casse des Verbandes abzuführen. Der Verband ist, um Wanderredner auch nur in bescheidenem Maße aussenden zu können.