Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 50 (12.12.1843)
- Article
- Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer
- Date
- 1843-12-12
- Page
- Spalte 793-794 (sequence 2)
- Language
- German
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793 794 I. Trigland's Abhandlung torenversammlung zu Mas. Abot, welche Drusius besaß, erklärte ONVD durch aopQ' sowie D^nn durch Verehrer der Mischna u. des Talmuds; eben so wird CTHDID von R. Schelomo Iizchaki erklärt - und von der andern Seite nennen sich die Karaiten *opD 2. Sagen dies die gelehrtesten Kirchenväter. Origenes ('1'i-aktat 24. m Matth.): „Die also nicht von dem Buchstaben des Gesetzes weichen, werden Scribae genannt, die aber, etwas mehr sich zueignend, als Bessere von den Vielen sich abscheidm, werden Pharisäer genannt." Dies stimmt mit Epiphanius überein, der, indem er die Scribae zu einer besonderen Sekte macht, vorher bemerkte, daß sie von den Pharisäern darin abwichen, daß diese (.isi^ove noXizsiag hätten, obgleich sie in den Glaubenslehren mit ihnen ganz übereinstimmten. Hieher gehört auch die Stelle des Origenes (zu Matth. 13, 52), wo er sagt: FQdfifiazEvg ist jeder, der in der den Buchstaben des Gesetzes betreffenden Lehre unterrichtet ist; im Gegensätze zu denen, welche die tropische und anagogische Erklärung der Schrift verstehen. 3. Führt auch selbst der Name FQdfifidzsvg zu dieser Annahme, wiei^pein Schriftgelehrter ist, von n-)pdie Schrift, so FQd^azevg von yqafifid, worunter das Gesetz nebst den übrigen heiligen Büchern verstanden wird; 2 Kor. 3,6.; 2 Lim. 3, 15. Hieher möchte ich das ziehn was Epiphanius (äe Scribis. haeres. 15) sagt, daß die Fqdfincizzig yqdfifiazL%r}v zuva E7tL6z7j(.ir2v vcptyofisvoc, wären. Es macht dies aber auch der Ursprung des Namens Fqa^azEvg wahrscheinlich. Zuerst wurde Esra (7, 6) mit dem Titel bezeichnet, und es ist kein Zweifel, daß er allein dem Gesetze angehangen hat, welcher Grund auch angeführt wird V. 10. 11. Ihn führen die Karäer oft als den Urheber und Begründer ihres Dogma's an, und es scheinen die an den Text sich haltenden Lehrer von ihm den Titel Scribae angenommen zu haben. Bemerkenswert!) ist, daß er in dem 3. Buch Esra deshalb nicht nur FQd^aazEvg, sondern auch Avdyvcoazrjg genannt wird , von avay Lyvcocv.oo, das wie Nip lesen bedeutet. Seitdem aber das mündliche Gesetz sich geltend machte, siegte der Aberglaube über die Einfachheit. Denn die Vertheidrger des erstern, eigneten sich den Titel d^DiD zu, theils weil sie auf Moses und Esr<Ps Stuhle saßen, theils weil ein Name der alten Vorsteher war, um sich ein hohes Alter zu vindiei?en u. mit solchen Vorgängern ihren Possen Autorität zu verschaffen. Ja auch sogar den Prophet Moses haben sie in ihrer aramäischen Paraphrase jodd genannt. Von dieser Zeit an wurde also dieser Name unter den Lehrern und Sekten sehr zweideutig und unbestimmt. So scheint mir also diese Ansicht von den an den Text sich haltenden Scribis durch ausdrückliche Zeugnisse der Alten bestätigt zu sein. Ein solcher Scriba scheint mir also jener Noiukos zu sein Luk. 11, 45., die syr. Übersetzung stimmt damit überein, welche n>DD hat. Und so möchte es sich ziemlich evident beweisen lassen, daß die eben erwähnten drei Umstände bei jenem Vorfall oder die drei Charaktere der Person, welche uns der Text in die Hand gab, auf Niemand besser als auf einen Karäer passen. Denn 1) über die Sekte der Karäer. waren sie von den Pharisäern verschieden, 2) kamen sie doch oft unter demselben Titel F^dfifidzzig vor, wie die pharisäischen Lehrer; 3) waren sie dem Nazarener Jesus wegen gemeinschaftlicher Opposition gegen die Pharisäer befreundet und günstiger gesinnt als jede andre Sekte, daher sie ihm immer beistimmten, wenn er die Traditionen und menschlichen Erfindungen im Anfänge seines Lehramts streng tadelte, obgleich sie ihm später, als andre Fragen, z. B. über die Göttlichkeit des Messias, über die Abschaffung des Gesetzes verhandelt wurden, eben so wie die übrigen feindlich begegneten. Wir finden einen NofiiYog Zeno, sowie den Apollo, unter den Dienern des Evangeliums Tit. 3, 13. Einer der Scribae, der dem lehrenden Jesus Mark. 12, 32 Beifall zurief, und den der Herr gegenseitig empfahl, weil er verständig geantwortet habe und von dem Himmelreiche nicht weit entfernt sei, wird in der Parallelstelle Matth. 22, 35. vofunog genannt. Und daß überhaupt durch die Nofimoc im N. T. die dem Texte Anhängenden bezeichnet werden, scheint mir daraus Zu erhellen, weil alle Disputationen, die mit ihnen gehalten werden, nicht die Traditionen ober die Kabbala, sondern das geschriebene Gesetz betreffen. Und wenn also bei Matthäus unter jenem Nonmog ein Scriba zu verstehen ist, so ists nicht unwichtig zu bemerken, daß dann Christus in diesem einen Kapitel über alle vier Sekten, welche damals die Schulen, die Stadt und den Hof beherrschten, nämlich über die Pharisäer, Herodianer, Sadducäer und Nofuuovg triumphirt. Wenn wir so die Scribae, insofern das Wort zuweilen die dem Texte Anhängenden bezeichnet, an diesen Stellen für identisch halten mit den No^uv.oig, so stimmt Epiphanius sehr wohl mit den Evangelien überein, wenn er mit den Scribis ebensowohl vof.Liv.ovg als die vo[Lo§LÖaa%dXovg verbindet. Noch weiter geht Origenes, der das im Evangelium so oft wiederholte Scribae et Pharisaei zuweilen so auslegt, daß er unter Scribae nicht die pharisäischen Lehrer, sondern die an das geschriebene Wort sich haltenden Scribae vergleicht. Er überzeugt mich vollkommen davon, daß unter den Juden Scribae in der Bedeutung des Namens, wir wir sie angegeben haben, vorhanden gewesen sind. Sie können auch recht wohl mit Origenes an der Stelle Matth. 23, 2. 13 zu verstehen sein, denn sowohl die an den Text sich Bindenden als die Vertheidiger der Traditionen saßen damals im Synedrium und legten beide dem Volke ein hartes Joch auf, daß sie durch Stolz, Heuchelei und andere Laster längst abgeschüttelt hatten. Damit Niemand zweifle, daß die an den Text sich haltenden Karäer damals zum Synedrium zu gelassen worden seien, möge uns der Talmud belehren, daß es einmal ganz allein aus solchen bestanden hat. Denn von ihnen verstehe ich, was in Masech. Sanhedrin p. 52 gesagt wird: Eine Priesterstvchter sei wegen Unzucht verbrannt worden, daß man Reißigbündel um sie herum gelegt habe. Indem dies dort den Lehrern der Traditionen entgegengesetzt wird, denen es gefallen hatte, die Verbrennung durch Eingüßen von glühendem Blei in die Kehle zu vollziehen, antworteten sie: