Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 49 (5.12.1843)
- Article
- Missions-Wesen und Unwesen
- Date
- 1843-12-05
- Page
- Spalte 775-776 (sequence 2)
- Language
- German
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77V 775 Gal. Hochzeitsgebräuche. R. M«irs Schüler. Messiasidee. weniger der Fall, wett das Volk nicht so roh, und auch in den Priestern Volkslehrer zu sehen gewohnt war. Hier mögen auch noch folgende Stellen ihren Platz finden, die ich nicht so ganz paffend der Zeit anzureihen weiß. Ketubot 18 a „Iehuda und Galiläa sind immer wie im Kriegszustände gegen einander"; siehe auch Tosafot daselbst; ebenso Baba batra 38 a und b „Iehuda und Galiläa sind immer wie zur Zeit des Bannes gegen einander". Beide gehören unbedingt einer vorchristlichen Zeit an, da später keine solche strenge Spaltung mehr stattfand. Dagegen scheint Ketubot 12a.: „InIehuda psiegte man Bräutigam und Braut eine Stunde vor der Trauung allein zu lassen, in Galiläa aber nicht", nur aus politischen Gründen entstanden, und glaube ich die Veranlassung hierzu im Talm. jerus. Ketubot K. 1 zu finden: DU HJUSWU nb^nn byn romao« 'vw oi pin*a. Dieses beweist nur, was auch aus der Geschichte hinlänglich bekannt, daß Galiläa seine Selbstständigkeit gegen die Römer längere Zeit behauptete. Doch scheinen die Galiläer auch sonst andere Hochzeitsgebräuche gehabt zu haben, und wird Nidda 47 d nach R. I. ha-G. die Jungfrau am frühesten reif. — Aus Nedarim 48 a Mischna ist zu ersehen, daß die Galiläer sehr hitzig waren, und zu übereilten Gelübden und Schwüren sich hinreißen Ließen. Doch wußten sie sich eben so leicht wieder zu helfen, wie der Talm. jerus. Nedarim K. 9 ein höchst ergötzliches Geschichtchen davon erzählt. \3pfD "ikitt new ny rrub rra tW ttb yytw P *on 'h mniDi ndd ‘b m Nin b^i n«n btt ‘b jmdn, mud Pdd w '’Dpbvn ny 'di ttrw) ttb pbnDN?n»n tid p i? *ray ndd pm ym1 m vnd ma/D b'tt?nih ^b md pdn — rrb mobDi mm nmn tnd p bw t>pn noan nw, irren nyn 6 -— (Sonderbarer Weise begegnen sich in dieser Stelle die Lehre von der Absolution! und die chasidische von R. M. di bp). — Hier haben wir es klar, wie lange sich das jüdische Element und bei ihnen die Religion in ihrer Reinheit erhalten hat!' nub nnQ ttXD ttb Vt\ er wollte und konnte durch Sophistereien sein Gelübde nicht lösen; bis er endlich doch, R. A's. Zeit aber und bei seiner Person tonnte man sich es wohl erlauben, da es durch die nun vorkommende Annäherung an Galiläa, an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Der Talmud also erzählt: Als R. A. im Gefängniß saß, wurde ihm täglich nur ein kleines Maaß Wasser verabreicht, daß er zumeist zu den nöthigen Hände Waschungen verbrauchte, und dann Durst leiden mußte. Dkeser wurde so quälend, daß die Schüler dem R. Akiba darüber Vorstellung machten, er aber erwiderte angeblich: „nm büDNE/D , ND2T3 niöNtEf 3D1D So viel kann ich einstweilen schon hieraus erweisen, daß das Händewaschen erst zu R.A's. Zeit und zwar als gatiläischer Gebrauch angenommen wurde! man läßt ihn nämlich MMN und nicht isjNN sagendes ist also von Zeitgenossen die Rede. Fernere Beweise hierüber, werden in der 1IJ. Abthejlung gegeben werden. aus Liebe zur Bequemlichkeit, wahrscheinlich auch bei dem Ansehen, das damals Galiläa schon erschlichen, die galiläische Durchschneidung des Knotens sich gefallen ließ. Obgleich das Zusammenschmelzen Galiläa's mit Judäa schon nach Zerstörung des Tempels unter R. Akiba, wie wir oben in Betracht der Agada nachgewiesen, begann; — ich glaube sogar den Anfangspunkt hinsichtlich der Glaubens-Bereinigung in folgender Stelle zu finden. Kiddusch in 40b rpfyn p)DD DUpTl ]MDD P MM “CD) in bru mobn DiTüDn ir rbttw rbttm mbn nrnj hm p njys , Pru rwyo nDNi jid-iü p ruyj? bru rwyn bru nob ddni obn wyj , bru niD^b idni N:r>py rwyo *>"pb NMD niD^brw — wo ein Verbinden der Theorie mit der Praxis beabsichtigt wurde, war doch noch eine Generation später nicht vollständig bewirkt, und nur langsam konnte der niederrieselnde galiläische Schutt, das herrliche Gottesbild Judäa's überdecken. R. Mdir nämlich war, wenn überhaupt, R. Akiba's spätester Schüler, R. Meir's Schüler aber waren zumeist Galiläer, wie auch der vorstehende Wundermann, der die Macht zu löse n hatte, ein Galiläer und R. Ak's. Schüler ist, und so sträubt sich R. Iehuda mit Recht, R. M's. Schüler aufzunehmen. Nedarim 49a cnb IDtt Mn bw HTVBD TIN in udd \ttDb yttD p vpobn idm1 btt rpöbnb min1 P WDpb n7n d\sm p nun "robb Nbi , an pnmpa/ Ml HDbrD. Der fromme Mann scheint sich hier mit einiger Aengstlichkeit ausgesprochen ' zu haben. Er wollte wahrscheinlich nicht geradezu R. M's. Schüler als Galiläer wegweisen, da diese Schule schon theilweise sehr geehrt war, er gebrauchte daher die Umschreibung pnnJp. Was er darunter verstanden, zeugt deutlich sein Ausspruch Nedarim 48 u. — TM pnnJIp b'bj' WJN, sonst' kommt dieser Ausdruck selten im Talmud vor. Aber mehr und mehr versank Judäa: der Römer eiserne Ruthe lag schwer auf des Landes frommen Bewohnern, und so ward Galiläa nicht allein der Zufluchtsort kühner Empörer und Räuber, sondern auch frommer Asketen. Diese in ihrem gerechtem Schmerze, neigten der mystischen galiläischen Schule zu, bildeten die in derselben materiell gewordenen Lehre zu dem bald kommenden Messias immer mehr aus, und verschafften durch ihre eigene Würdigkeit, dieser Richtung immer mehr Anhänger. So stieg das früher mit Recht nur gering geachtete Galiläa, zu hohem Ansehen, so daß schon der Talmud — mit dem Sohar: rTOD nb-in1 jvbyn bbl2 nbwi übereinstimmend — Rosch Ha-Schana sagt: 'M3BD bttinb p’ny, Sota 49 d ditp b’b.ini nw p QMO p und erhielt seinen Glanzpunkt durch R. Schimeon ben Iocha'i, der Galiläa ganz mit Judäa gleichstellt. Im Midrasch Schochar tob K. 8. nbU NIHtfiO ültt ”2 Jiyiw P UND NbN nbu •’np nr PN mirpb b^bjo in b^b mirpD pNb pnb ^nq nbiw nytcä — In den Apokryphen des Talmuds scheint sogar die galiläische Schule überwiegend.