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Der Orient · 1843-11-28 · Heft 48 (28.11.1843) · p. Seite 384

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 48 (28.11.1843)
Article
Brody: Gemeindewesen und Unwesen
Date
1843-11-28
Page
Seite 384 (sequence 3)
Language
German
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384 schmid mit 500 und den Chirurg Neu st ein mit 300 Gulden jährlich zu belehnen, hat bestehen lassen. Wer Brody kennt, wird es wissen, daß diese 800 Gulden gespart werden können, da treffliche und gute Aerzte genug da sind, die es .sich zur Ehre rechnen würden, ihre Thätigkeit dem Gemeindewohl widmen zu dürfen. Diese Rente sollte wahrlich lieber zur Erweiterung des Hospitals, das leider nicht unsere Bedürfnisse befriedigt, verwendet werden, und wir würden über- 'dies noch eine Tyrannei weniger bei Aufnahme von Kranken haben. Hr. Gold schmid nämlich, der über die Aufnahme seine Bestimmung zu geben hat, scheint den närrischen Gedanken zu haben, daß kein armer Kranker eine langdauernde Krankheit haben dürfe. Viele achtbare Leute, die sonst viel beigetragen, sind nur aus solchen Don-Quichotte-Motiven abgewiesen worden, und ganz Brody weiß es, daß Einer, durch Verweigerung der Aufnahme, vor der Thüre des Hospitals gestorben. Noch schändlicher ist der Mißbrauch mit den sogenannten Rofim oder Quaksalbern, von denen ebenfalls einige ganz zum Ueberflusse angestellt sind. Dieft haben bei der Aufnahme 5 Ng. zu erhalten, und der arme Mann, der nach langen Mühen seine Aufnahme bewirkt, hat noch einen langen Tag zu betteln, um diese Igel zu befriedigen. Es ist die Aufgabe eines Vorstehers, für das Wohl der Gemeinde zu sorgen und einen großen Theil seiner Thätigkeit ihm zu weihen; nicht für die zweihundert Gulden, die jeder Vorsteher, wie ich . glaube, alljährlich erhält, sondern aus reiner Liebe zu seinen Brüdern. Ist sein Herz aber nicht von dieser Liebe durchglühet, dann sollte jeder so viel Ehrgefühl besitzen, dieses Amt, blos um der unehrlichen Prärogativen willen, zu Simpel und Hospitalbeiträgen nicht beisteuern zu müssen, in keiner Weise anzunehmen, Hoffnungsvoll sehen wir auf die Thätigkeit des neuen Vorstandes und mit Nächstem wollen wir hier den traurigen Zustand unserer Talmud-Tora und unserer Realschule zur allgemeinen Warnung mittheilen. Perfonalchronkk und Miseellen. Neue Erscheinungen. Von Hrn. Löwenstein in Ff. a. M. erscheint nächstens ein für die Gegenwart höchst wich-' tiges.Werkchen: Kurze Geschichte der Spenden für die isr. Armen Palästinas seit deren Verwaltung durch das Amsterdamer Komite. Vom Franek's trefflichem Werke über die Kabbala wird hier in Leipzig so eben eine treffliche deutsche Übersetzung gedruckt.^ Die Juden in Italien. Das viel verwünschte und niederträchtige Edikt des Großinquisitors zu Ancona gegen die Israeliten ist endlich in Folge..eines Befehls von Rom zurückgenommen worden. Diese Zurücknahme erfolgte auf die unmittelbare Supplik bei dem Papste verbunden mit der Verwendung des Roth sch ild'schen Hauses. Der Statthalter Christi scheint aber fest entschlossen zu sein, in Geldverlegenheit wieder nach jenem Jnquisitionsedikte zu greifen,' da er dasselbe nur suspendirt wissen will. Die alten einträglichen Ablässe finden keinen Anklang in unserer Zeit, so wird die Geldverlegenheit und die verpestete Ausdünstung des Großinquisitors nicht ausbleiben. Philipp Iaffe in die Reihe der Geschichtsforscher. Der israelitische junge Mann, Philipp Iaffe aus Schwersenz, den die Leser aus dem Oriente als den Mittheiler der Urkunden des Mittelalters erkennen werden, hat so eben veröffenflicht: „Geschichte des deutschen Reiches unter Lothar dem Sachsen. Eine von der philosophischen Fakultät zu Berlin gekrönte. Preisschrift" eine Schrift, welche ihn in die Reihe der Geschichtsforscher einsührt. Der Ukas zur Vertreibung der Juden von den russischen Grenzstädten. Nach Mittheitung aus Radiwil (Radziwilow) ist jener Gemeinde sowie auch der Gemeinde Dubno die bestimmteste Weisung zugekommen, jene Städte zu verlassen und bestimmt anzugeben, nach welchem Platze im Innern Rußlands sie gebracht werden wollen. Beide Städte haben große Gemeinden, namentlich die letztere, und beide sind durch große hebräische Druckwerke bekannt. Die Tyrannei der Ausweisung hat alle Herzen mit Kummer erfüllt; denn da es bei einer tyrannischen Macht keine Instanz giebt, so ist es natürlich, daß die Juden sich fügen müssen. Wie man vernimmt, gehen Viele damit um, die Erlaubnis zur Auswanderung zu erhalten, namentlich nach der Türkei und Kleinasi'en; denn daß diese Länder jetzt den Juden mehr Sicherheit als Rußland gewähren, ist kein Zweifel. Im „Telegraph" redet Hr. Louis Simon die deutschen Juden an, daß sie den jüdischen Bewohnern der ruff. Grenzstädte beistehen sollen. — In demselben Blatte wird die deutsche Uebersetzung der arab. Aktenstücke recensirt, und bemerkt der Recensent mit Recht, daß man beim Durch- , lesen derselbe in das Mittelalter sich versetzt glaubt. Die Juden in der Walachei. In einem aus B ukarescht datirten Artikel in der L. Z. wird gesagt, daß man in der Walachei sich gern von' den Juden befreien möchte. Dieser Widerwille gegen die Juden rührt, wie wir aus Briefen wissen, nur von den dort lebenden Deutschen her. — Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Ra gel.

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