Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1843)
- Article
- Die Verwaltung der Palästina-Spenden ...
- Date
- 1843-11-28
- Page
- Seite 378 (sequence 2)
- Language
- German
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378 Lamer Komite bis dahin verschiebe, bis er in den Stand , gesetzt ist, die Dokumente selbst der Oeffmtlichkeit zu übergeben, und zwar haben wir dazu um so mehr ein Recht, als die von dem Konnte wirklich veröffentlichten Dokumente gerade das Gegentheil aussagen und als Hr. Löw enstein durch seine viel zu vorzeitigen und leidenschaftlichen Angriffe seine Leidenschaftlichkeit in dieser Angelegenheit bewiesen. Die Nothwendigkeit der Veröffentlichung jener Dokumente stellt sich aber noch um so mehr heraus, wenn man die in allen Blattern mitgetheilte höchst anmaßliche Entsetzung des Komue's von Seiten des portugiesischen Rabbinats zu Jerusalem liest, worin Hrn. Hirschel Lehren und seinem Genoffen unter Androhung des Bannes die Fortsetzung ihres Amtes untersagt wird. Jene Stelle, welche nur auszüglich in hebräischer Sprache mitgetheilt wurde, ist mit der Mittheilung des Komite's so in Widerspruch, daß der unbefangene Leser an Herausfindung der Wahrheit fast verzweifelt. Die Namen des Unterzeichneten portugiesischen Rabbinats in dem Lowensteiu'schen Aktenstücke lauten ganz anders als in den Amsterdamer Mittheilungen, die Namen der sogenannten Einnehmer sind bei L. anders als bei Lehren: aber wo ist die Wahrheit und warum wird den Kontribuenten nicht ein Kriterium in die Hand gegeben, damit sie selbst urtheilen können. Die Juden Oesterreichs haben einen vollkommen begründeten Anspruch darauf, daß sowohl das Amsterdamer Komite als die Frankfurter Opposition nicht mit Scheinbeweisen, mit Schimpfreden und unverzeihlichen Verdächtigungen mit einander kämpfen; die Juden Oesterreichs, namentlich Mährens, Böhmens, Ungarns und Galiziens sind diejenigen, die trotz des Verbots der kaiserlichen Regierung am meisten zu jenen Palästina- Spenden beisteuern, und diesegroße Schaar der Kontribuenten verdient wohl diese Achtung, die man doch ohnehin der Wahrheit an sich schuldig ist. Wir glauben nicht, daß Hr. Löwenstein und feine Genossen der Meinung sind, daß wir bis jetzt an Abrechnung nicht gedacht; denn glaubte ec das wirklich, so dürfen wir ihm die Versicherung geben, daß er von vorne herein zu dieser Opposition nicht qualificirt war, da er die Verhältnisse nicht kennt. Jeder Oesterreicher, d. h. jeder Böhme, Mähre, Ungar, jeder Italiener, jeder Pole und Russe, kurz neun Zehntel der Kontribuenten wußten seit Jahren, daß das Amsterdamer Komite keine Abrechnung der Einnahme geben darf, da in allen jenen Staaten diese Spenden von Regierungswegen streng verboten sind. Eine Rechnungsablage hieße die Palästina-Spenden ganz einstellen und das Kind mit dem Bade ausschütten. Das wußten, wie gesagt, alle Komite's in jenen Ländern, und es war natürlich, daß in der eröffneten Polemik Löwenstein's nicht auf die verlangte Rechnungsablage, sondern aus die Anklage des Misbrauches dieser Gelder , ein Gewicht gelegt und die allgemeinste Teilnahme erweckt wurde. Zu unserem Bedauern sehen wir aber, daß die unbegründete Forderung der Rechnungsablage wie ein bleiches Nachtgespenst in den schweren Anklagen mit herumschleicht, und die Vermuthung ist verzeihlich, daß Hr. Löwenstein und Genossen sich selbst über das Wesen dieser Spenden und über das Verhältniß derselben zu der Oeffentlichkeit sich noch gar nicht klar sind. Wir erlauben uns Hrn. L öwe n sie in und Kirchheim hier im Namen sehr vieler Kontribuenten auszufocdern: 1) die den 15. Sptbr. erhaltenen zehn Aktenstücke in diesen oder andern Blättern, die vorzüglich von Juden gelesen werden, recht bald zu veröffentlichen; denn enthalten sie wirklich die überzeugenden Beweise, daß das Amsterdamer Komite sich schwer vergangen, so ist die Verzögerung ein Verbrechen gegen die Kontribuenten; erweist sich hingegen aus einer genauen Prüfung der Dokumente das Gegentheil, so ist die Zögerung die unverzeihlichste Versündigung gegen jene Männer. 2) Die schon längst versprochene „Kurze Geschichte der Spenden für die israel. Armen Palästinas seit deren Verwaltung durch das Amsterdamer Komite" endlich herauszugeben, da nicht blos der innigste Wunsch des Publikums, sondern auch der Opposition sein muß, so schnell als möglich das Publikum aufzuklären. 3) In diesen Blättern gefälligst genau anzugeben, welche Personen in Jerusalem und in den anderen heiligen Städten die Rabbinate, die Vorsteher-Kollegien 2C. bilden, damit wir auch in diesem Punkte nicht beständig von Widersprüchen umhergetrieben werden. 4) Mögen sich die opponirenden Herren von dem Barone A. v. Rothschild und Sir Moses Montefiore ihre Mittheilungen und Aussagen bestätigen lassen, was wohl um so leichter sein müßte, als sie in direkter Verbindung mit ihnen stehen und sie die Aktenstücke erst durch einen derselben erhalten; überhaupt da sie öffentlich mittheilten, daß Sir Moses die Besorgung gern übernimmt u. v. Rothschild schon von Jerusalem aus um die Uebernahme angegangen wurde. 5) Möge es Hrn. L. gefallen, die an Lehren gerichteten 7 Fragen in kürzerer Fassung und mit Weglassung alles Gehässigen und Beleidigenden in diesen Blättern, die in manchen Städten und Gegenden ohne die anderen Blatter gelesen werden, zu veröffentlichen. — Mögen diese 5 Aufforderungen bei denen, an die sie gerichtet sind, ein besseres Schicksal haben, als die sieben Fragen bei dem Amsterdamer Komite! von W. London, 16. Nov. Der Drucker Israel Aschkenasi in Jerusalem, der Einzige, der dort die typographische Kunst im ganzen Umfange versteht und von dem Sie so eben bei der Anzeige des dort erschienenen Kalenders sehr richtig bemerkten, daß er auch die Buchstaben schneidet und überhaupt Alles besorgt, ist nach Beirut berufen worden, um da die arabischen Typen für die Londoner Missionsgesellschaft zu schneiden. Die-