Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1843)
- Article
- Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
- Date
- 1843-11-21
- Page
- Seite 370 (sequence 2)
- Language
- German
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370 macht hat, laßt durch seinen Verleger (Derendsohn in Hamburg) zur Subskription auf seine im letzten halben Jahre seiner Wirksamkeit als Prediger am neuen israel. Tempel in Hamburg gehaltenen Vortrage, denen auch sein rührendes Abschiedswort an seine Gemeinde beigefügt ist, auffordern. Nachstdem dürfte er, durch Herausgabe von Predigt skizzen, angehenden Predigern, Kandidaten re., denen keine bedeutende homiletische Bibliothek zu Gebote steht, einen nicht geringen Dienst leisten. — Sie sehen wohl, daß Hamburg trotz der ungünstigen Verhältnisse, in denen sich die Juden daselbst in bürgerlicher und politischer Rücksicht befinden und ungeachtet öfteren Abfalles von Familien und Einzelnen in der Geschichte der Entwickelung der Kultur unter den Juden noch immer einen Ehrenplatz einnimmt. Berlin, 7. Nvbr. (Eingesandt.) Der Neue Israel. Tempel zu Hamburg har, als die erste dauernde und selbstständige Schöpfung einer freieren Regung des jüdischen Geistes und als Vorgänger und Vorbild umfassenderer L^eformbestrebungen, im. jüdischen Kultus eine gewisse historische Bedeutsamkeit erlangt, und insofern nimmt wohl die Feier seines 25jährigen Bestehens, die derselbe unlängst (am 18. Oktbr.) begangen wurde, ein allgemeinere Theilnahme und Aufmerksamkeit in Anspruch. Im Ganzen hat das Bestehen und Gedeihen eines solchen Institutes, wo man das Recht und die Ideen unserer Zeit gleichsam verkörpert steht, sowie die Anerkennung, welche die Träger und Lehrer des besseren Geistes finden, für Jeden, der dem jüdischen Leben nur einiges Interesse schenkt, gewiß etwas höchst Erfreuliches und Erhebendes. Und doch kann man sich, bei der Art und Weise, wie diese Feier gerade vom Tempel begangen wurde, eines bitteren Gefühles nicht erwehren über die Unpietat des Vereins gegen den Mann, Lem der Tempel nichts weniger als seine Entstehung und Einrichtung verdankt, der die Idee und den ersten Impuls dazu gab und — möge es zur öffentlichen Rüge hier gesagt sein —- der cm jenem Tage für sein ernstes Streben und seine ununterbrochene Theilnahme den Lohn geerndtet — kaum erwähnt zu werden. Wenn die hohe Bedeutung und der Ruf des Hamb. Tempels dem Verdienste und Namen jenes Mannes, der dieses Institut in's Leben gerufen, sogar bei der Nachwelt ein bleibendes Andenken zu verbürgen scheint, wie sollte man glauben, daß schon die lebende Mitwelt, ja die Mitglieder des Vereines selber der Wohlthat ihres Gründers vergessen konnten! Und in der That, wer von den vielen Huldigungen, Geschenken, Kränzen und Lorbeeren, mit denen der Hr. Dr. Salomon an jenem Tage überschüttet worden, gehört und dann seinen Triumphzug durch alle Zeitungen gelesen hat, wird kaum glauben, daß es außer jenem gefeierten Prediger, der in der That auch jene Huldigung verdient, der aber das Jubiläum des Tempels in sein eigenes verwandelt und zum einzigen Gegenstände aller Feier und Festlichkeit wurde, noch Jemand gegeben, dem der Verein für seine Verdienste um den Tempel ein Zeichen der Anerkennung und des Dankes hätte bringen müssen. Es ist wahr, schmerzlich und unverzeihlich ist der Undank und die Lieblosigkeit des Kindes, das über den Lehrer seinen Vater vergißt; aber fürwahr, unverzeihlicher noch ist der Undank oder die Eitelkeit des Lehrers, der den Vater vergeßen läßt, der für Alles Worte hat, nur nicht, an den Gründer des Hauses, indem er lehrt, zu erinnern. — So sei es denn mir,.dem Fremden, gestattet, dem Undank und der Anmaaßung gegenüber das Verdienst des Mannes hier zur öffentlichen Anerkennung zu bringen, dem vor Allen die Ehre jenes Tages gebührt, und möge es jener würdige Mann meinem Eifer für Recht und Wahrheit verzeihen, wenn ich hierin vielleicht seiner Bescheidenheit zu nahe trete. Doch hier gilt das Wort jenes alten Weisen: „den Göttern Weihrauch, aber den Menschen Lob". Und dies mag jenem Ehrenmanne nicht durch Kranze und Geschenke, sondern es kann ihm durch die nackte Wahrheit, durch die einfache, ungeschminkte Darlegung von Thatsachen ertheilt werden. In diesem Sinne gebe ich daher auch folgende historische Notizen über die Entstehung des Tempels, die ich bei meiner Anwesenheit in Hamburg gesammelt und aus zuverlässiger Quelle mittheil'en kann. Mögen sie dem Namen des Mannes, der es so sehr verdient, recht gewürdigt zu werden, den Ruhm bei der Mit- und Nachwelt sichern,-den ihm Eitelkeit und Sorglosigkeit zu entziehen sich mühet. Im Sommer 1817 ward Dr. Kley — dies ist der bescheidene und deshalb vielleicht schon so oft verkannte und verletzte Mann, den wir meinen — nach Hamburg berufen, um daselbst die israelitische Freischule, ungefähr ein Jahr vorher eröffnet, als Oberlehrer zu übernehmen. Er nahm die Stellung nur in der Hoffnung an, daß hier auch für die israel. kirchlichen Zwecke ein lohnendes Feld der Wirksamkeit sich ihm eröffnen werde. Wie sehr er diese im Auge gehabt, beweist der Umstand, daß ec als erste Bedingung bei der Annahme der Schule die Einführung des Choralgesanges machte. Ec trat sein Amt als Oberlehrer den 12. Oktbr. 1817 an und widmete die Vormittagsstunden am Sonntage von 9 —11 dem Religionsunterrichte, den er öffentlich erlheilte, so daß auch Erwachsene als Zuhörer sich einsinden durften und bald genug sich zahlreich einfanden. Die dritte Stunde war den Choralgesangen gewidmet, an der auch bald die größere Versammlung Theil nahm.; Schon 2 Monate nachher ward eine Versammlung durch Cirkular zusammenberufen und am Chanukka (also December desselben' Jahres) in dem Lokale der Ressource (jetzt Freundschaftszirkel) in der Poolstraße von Dr. Kley eine Rede an die Versammlung gehalten, welche den Erfolg hatte, daß sogleich eine Direktion zum Entwürfe