Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 46 (14.11.1843)
- Article
- Stimmen und Urtheile über den Frankfurter Reform-Verein
- Date
- 1843-11-14
- Page
- Spalte 721-722 (sequence 1)
- Language
- German
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Meraturblatl -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Wische Geschichte und Literatur. M 4CJ. Leipzig, den 14. November 184». Stimmen und Urtl' eile über den Fr. Reform-Verein, l Der Fr. Reform-Verein, vom Standpunkte des fortschreitenden Rabbinismus beleuchte? von "eovo's Stein. — ^''l Nachrichten u. Miscellen. R Sabbati den Mvir ha-Kohen. Von A. Ink. Ergänzung und Berichtigung einer Tochacha. Von Asb er. R. Isaak den Jehuda den Natanel's Geburts- oder Wohnort. Von A. Jnk. Poet. Kleinigkeiten gesammelt von 2. Dukes. — Missions-Wesen und Unwesen. Einblick in das Urchristenthum. R. Lose ha-Galili — ßit. Ankündigungen. Stimmen und Urtheile über den - Frankfurter Reform - Verein. Unter dieser Ueberschrift theite ich hier eine Reihe von Gutachten über den schon oft erwähnten Reformverein mit, die theils von jüdischen Theologen von Fach, theils von anderen jüdischen Gelehrten, die in der jüdischen Wissenschaft einen Namen haben, herrühren. Einem Blatte wie diesem, das sich bei angeregten religiösen wie politischen Streitigkeiten meistens nur referirend verhält, kommt es nicht zu, über die Gutachten selbst, seien sie zu Gunsten oder zu Ungunsten des Vereins, eine Kritik zugeben, weil sonst das Blatt sehr leicht aus dem Kreise der Unparteilichkeit hinaustreten und zum Parteiblatt herabsinken könnte. Wohl muß es aber irgend einem Mitarbeiter gestattet sein, in einem setbstbietendm Gutachten auf die schon gegebenen Bezug zu nehmen, was auch wirklich geschehen wird. Red. I. Der Frankfurter Reform-Verein, vom. Standpunkte des fortschreitenden Rabbimsmus -.leuchtet von Leopold Stern. Es möchte fast als ein Unrecht erscheinen, wider eine Sache in die Schranken zu treten, welche von der öffentlichen Stimme schon als todt betrachtet wird, und — <\e mortuis nil nisi bene. Allein der ganze Vorgang hat doch so viel Aufsehen gemacht, man hat dabei das durch die Erklärung des Vereins, man möge ihn nicht ungehört verdammen, allerdings bisher gerechtfertigte Schweigen der Rabbinen *) einem so strengen Tadel unterstellt, daß wir auch jetzt, wo die Sache fast abgethan scheint, nicht umhin können, unser Urtheil, wie es sich seit dem ersten Ruchbarwerden dieser Angelegenheit gebildet und bis jetzt nicht'geändert hat, öffentlich abzugeben und sei es auch nur, um. durch eine umfassendere Beleuchtung des Gegenstandes ähnlichen unreifen Reformversuchen für die Zukunft möglichst entgegenzuarbeiten. — Das ist gewiß: jede Bewegung im Iudenthume, die zum Heile zu führen verspricht, jede lebendige Regung, welche die stockenden Pulse unseres religiösen Organismus in Thätigkeit setzt und dem Ganzen wohlthuende ILebenswärme mittheilt, wird von allen wahren Freunden der Religion freudig begrüßt werden; jeder Verein, welcher sich die Unterstützung des geistigen oder religiösen Fortschritts in unserer Mitte zum Ziele setzt, jede Association, die einen Mittelpunkt bildet, welcher die zerstreuten Kräfte anzieht und vereinigt, zur Erreichung gemeinsamer Zwecke geschickt macht, ist von jedem Israeliten, und ganz besonders von allen dem Fortschritt huldigenden Rabbinen höchst willkommen zu heißen. Mag die Bewegung ausgehen, von wem sie wolle, mag die Association, gestiftet werden, von wem es immer sein mag; glaubt ja nicht, daß irgend ein Gefühl von Neid oder geistlichem Dünkel, daß die Sache nicht von uns ausginge, uns abhalten sollte, wie immer so auch da freudig die Gelegenheit zu ergreifen und unsere Zustimmung mit warmer Theilnahme zu *) Wie wir hören, haben sich bereits mehre. Kollegen, unter anderen der ehrenwerthe Hr. Dr. Holdheim, öffentlich ausgesprochen; doch ihre Urtheile kamen uns nicht zu Gesichte. A. d. W 46