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Der Orient · 1843-11-07 · 45 (7.11.1843) · p. Spalte 711-712

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
45 (7.11.1843)
Article
[Rezension]
Date
1843-11-07
Page
Spalte 711-712 (sequence 4)
Language
German
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711 Ruth, mit deutscher Uebers. und Kommentar. 712 den Eingang eröffnen zu einem Gesammtüberblicke der hellenischen und römischen Kunde von Hebräern und Juden, in der Weise, wie GroLefend in Bezug auf Italien geliefert; aber selbst als Vorarbeit war es nöthig, daß der Verf. seinen Stoff begrenzte und blos diejenigen Berichte des römischen Geschichtschreibers in Betracht zieht, die vom Ursprünge der Juden reden. Der antike Geschichtsschreiber Lacitus ist bekanntlich die ausgeprägteste klassische Natur der alten Welt; psychologischer Liefblick und Ernst der Forschung haben seinen wundersamen Kernstyl geschaffen, und dieser Mann, der die fremden Nationalitäten, wie z. B. die Germanen, so tief und klar auffaßte, der immer ältere, später selbst in orientalischen Dingen verloren gegangene Quellen benutzte, und der den Verfall des eigenen Vaterlandes betrauerte, kann unmöglich in seinen Relationen über Juden nur erfundene Fabeln berichtet haben. In diesem Sinne sucht der Verf. darzustellen, wie die taciteischen Berichte das Ergebniß der damaligen historischen Ueberlieferung von Jahrhunderten, verbunden mit den Kombinationen der Masse vorhandener Hilfsmittel und der positiven Kritik, war, die selbst in ihrer Falschheit auf einen leicht verzeihlichen Grundirrthum beruhen, welchen Tacitus nicht vermeiden konnte. Im Kreise der antiken Welt und Schristgelehrsamkeit lebend, benutzte Tacitus keine andern Schriften über die Juden, als die Werke der Griechen oder die unter den Gelehrten seiner Zeit gangbaren Vorstellungen, die er kritisch verarbeitete, so daß seine Berichte auf die Mit- Lheilungen der Griechen hinauslaufen. Hierauf sucht der Verf. darzuthun, wie die griechischen Quellen beschaffen seien, was er mit Gelehrsamkeit und mit Umsicht darzustellen sucht. Das Resultat ist Folgendes: Vor Alexander dem Großen hatten die Griechen keine Kunde von den Juden; zwar erwähnt bereits Herodot (I. II., 104, vgl. III., 5. Vü., 89) die Juden unter dem Namen der Syrer, und Jerusalem unter dem Namen Kadytis (II., 159. III., 5), aber das war mehr aus phönicischer Kunde geschöpft. Alexander, der die Schlupfwinkel des Morgenlandes den Griechen eröffnete, machte die Juden den Griechen bekannt, und der gelehrte Aristoteles, der von allen Griechen zuerst den Namen Roms nennt, war der erste, welcher der Namen Juden, Judäa und Jerusalem gedenkt, wie sein Schüler Klearch in einem Fragmente bei Josephus (contra Apionem I., 22) überliefert. Bei ihm werden die Juden als „die Philosophen der Syrer," wegen ihrer Frömmigkeit, Ueberzeugungstreue und Todesverachtung, bezeichnet, und dasselbe berichtet ein anderer Schüler des Philosophen, Lheophrast, (Euseb. P. E. IV., 2). Als ein philosophisches Volk bezeichnet es auch Hekatäus^ von Abdera (Jos. daselbst) und Megasthenes (Eus.! das.), und als solches wird es mit den indischen Philosophen, j mir den Brahmanen identisicirt. Von diesem Quell ausgej hend, verfolgt der Verfasser die Berichte bei Justin, Plu - j tarch, Apion, Strabo, Diodor, Chänem on, Ly-! simachus und Manetho, die er wieder als Quellen des! Kacitus nachweist. Nach solcher Vorbereitung kommt der! Verf. zu den einzelnen taciteischen-Relationen, von welchen die, daß die Juden zur Zeit des egyptischen Königs Bocchoris auf einen Orakelspcuch des Ammon hier aus dem Lande vertrieben worden sein sollen, zuerst erläutert wird, und dann die andere, daß die Juden Egyptier seien, die zur Zeit der Isis das Land verließen, dann die dritte, daß die Juden Aethiopier seien, dann die vierte, daß die Juden aus Kreta stammen, dann die fünfte, daß die Juden mit den Solymern identisicirt werden müssen, und endlich die sechste, daß die Juden Assyrer seien. Alle diese taciteischen Relationen über den Ursprung der Juden beruhen, wie der Verfasser beweist, auf asiatischen Sagengeschichten, die mit hellenischem Sinn merkwürdig durchwoben wurden, wobei die altklassische Schriftstellerwelt thätig war, so daß sie dem Geschichtschreiber zur Grundlage diente. Die Quellen dieser Relationen werden in dieser Abhandlung mit einer Belesenheit und einem Scharfsinn durchgeführt, daß wir selbst bei dem Bewußtsein von der Unrichtigkeit derselben doch eine Fülle von Sagen, wie sie noch das Morgenland hat, kennen lernen, die wir erst dadurch' begreifen. Wir verweisen die Leser gern auf die Abhandlung selbst und wünschen nur, daß der Verf. seine Arbeit, wie er versprochen, weiterführen möge. 42) n*n rhyo, Ruth mit deutscher Übersetzung und hebr. Commentar, von E. I. Blücher. Lemberg, 1843. 8. (Emen Bogen stark.) Hr. Blücher, der vor einigen Jahren dem Publikum als ungeschickter Uebersetzer bekannt wurde, har hier e.in Opus in die Welt geschickt, daß seiner Erstlingsthat an Werth noch sehr nachsteht, und es ist nur zu bedauern, daß gerade der Ertrag eines so schlechten Machwerkes zu so gutem Werke, wie das isr. Walsenhaus in Lemberg ist, verwendet werden soll, wobei man an Deutr. 23, 9. erinnert wird. Die deutsche Uebersetzung ist eine ungeschickte Zusammenstoppelung aus den zwei jüdischen Bibeln, wobei man noch in jeder Zeile an die Unkenntniß des Deutschen in stylistischer .und grammatischer Hinsicht erinnert wird; jedoch wird dieses Deutsch noch vom sogenannten hebräischen Kommentar, der nur in kurzen Noten besteht, an Schlechtigkeit übertroffen. Die kecke Weise, als Schriftsteller sich zu geriren, wird dem Verfasser gewiß Niemand verargen, da er pOD DlpDD ist, aber so viel Selbstkenntniß sollte er besitzen, Produkte der Art in den ihn nicht kennenden Kreis festzubannen.

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