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Der Orient · 1843-11-07 · Heft 45 (7.11.1843) · p. Seite 359

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 45 (7.11.1843)
Article
Die Juden in Italien
Date
1843-11-07
Page
Seite 359 (sequence 1)
Language
German
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359 Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Juden in Italien. (Schluß.) Inzwischen hatte die regsame Intelligenz der Israeliten den Neid rege gemacht, und der Papst Martin V. untersagte ihnen die Ausübung jeglichen Gewerbes. Seine Bulle zählt dieselben sorgfältig auf und hat deren keines vergessen; dabei betrifft sie nicht blos die Juden in Italien, sondern die in allen christlichen Ländern. Diesen Verboten fügten späterhin Eugenius und Calirtus noch das, mit den Christen zusammen zu wohnen, mit ihnen zu essen und zu trinken, christliche Domestiken zu halten, neue Synagogen anzulegen, vor Gericht gegen Christen Zeugniß abzulegen, und sich von ihnen irgend etwas vermachen zu lassen, hinzu.' Diese Vorschriften sind fast immer von dem übrigen Europa angenommen, ja einzeln sogar noch verschärft worden. Zu jener Zeit beging Spanien einen Msgriff, dem in seiner Bedeutsamkeit nur die Zurücknahme des Edikts von Nantes an die Seite zu stellen ist. Es machte sich alberner Weise dadurch arm, daß es die Juden und die Mauren, welche den aufgeklärtesten, den reichsten und den gewerbfleißigften Theil seiner Bevölkerung bildeten, aus dem Lande vertrieb. Möglich, dciß es noch jetzt die verderblichen Folgen dieses so barbarischen als unpolitischen Verfahrens empfindet. Eine Menge der vertriebenen Juden flüchteten fich nach Italien, wo sie von dem Papste Alexander VJ. willfährig ausgenommen wurden. Die Unglücklichen siedelten sich dort in Städten und in Flecken an, und machten fich daselbst durch ihre Industrie und ihre Thätigkeit nützlich. Einer ihrer Verbannungsgefährten war Abarbanel, der sich eben so sehr durch seine Schriften als durch seine Talente als Staatsmann berühmt gemacht und eine lange Zeit die Leitung der spanischen Finanzen betrieben hatte. Zu Neapel, wo er sich niederließ, wurde er der Hauptminister Fetdinands des Bastards und Alphons II. Späterhin erhielt er von den Venetianern den Auftrag, für ihre Republik einen Handelstraktat mit Portugal zu unterhandeln. Abarbanel hat auch einen sehr in Werth gehaltenen Kommentar zur Bibel verfaßt.' Er gehörte der Generation der spanischen Juden an, deren wissenschaftliche und literarische Arbeiten so großen Glanz über das fünfzehnte Jahrhundert verbreitet haben. Auch 'in Italien vernachläßigten die Juden die heilige Literatur und die theologischen Wissenschaften trotz der Verfolgungen nicht, welchen sie häufig ausgesetzt waren: sie waren mir die Ersten, welche sich der damals jüngst erfundenen Buchdruckerkunst bedienten. Sobald Gonsalvo von Cordova sich Namens des Königs von Spanien zum Herrn von Neapel gemacht hatte, war er darauf bedacht, die Juden daraus zn verjagen. Man gab ihm zu verstehn, daß es besser sein würde, sie zu bekehren, indem man sie unter die Inquisition stellte, die Spaniens Heil und Glück wäre; es scheint indeß, daß das Volk selber von diesem heiligen Officium nicht sehr erbaut war, denn es machte gemeinschaftliche Sache mit den Juden in einem Aufstande wider die Inquisition, so daß diese das Feld räumen mußte. Die spanische Regierung rächte sich aber dafür durch die Verbannung aller Juden aus dem Königreiche. Der desfallsige Befehl war zwar einen Augenblick durch Carl V. suspendirt, aber nachher doch trotz der Bitten der angesehnsten Damen zu Neapel, die sich durch Ben-Venia, die Gattin Abarbanel's, Sohnes des Ministers, zur Theilnahme an dem Geschick der Verbannten hatten bewegen lassen in Ausführung gebracht worden. Den Juden zu Ferrara erging es auch nicht besser. Nach ihrer Vertreibung aus Portugal im Jahr 1496 in dieser Stadt ausgenommen, wurden sie im Jahr 1551 auf die Beschuldigung, daß sie an der Pest schuld wären, die damals dort grassirte, wieder daraus verbannt. Ein italienischer Geschichtschreiber sah Tausende von Verbannten aus Spanien und Portugal zu Genua landen. Es war das ein schauerlicher Anblick! Sie sahen wandelnden Gespenstern ähnlich; mehrere sielen tobt nieder, als sie das Land betraten; andre wurden von den Matrosen ins Wasser gestürzt, und ertranken, und viele mußten ihre Kinder verkaufen, um die Schiffsfracht bezahlen zu können. Dabei liefen Christen in den Straßen umher, in der einen Hand ein Brod und in der andern ein Kruzifix haltend und den hungernden Iudenkindern Ersteres unter der Bedingung anbietend, daß sie das Kreuz anbeten, in welcher Weise sie denn auch eine Menge Proselyten machten.. Einige Herrscher in Italien zeigten sich den Juden des sechszehnten Jahrhunderts günstig, so namentlich die Päpste Paul US. Sixtus V. Cosmo, der Großherzog von Toskana, Emanuel Philkbert, Herzog von Savoyen und insbesondere der venetianische Senar. Dahingegen verfuhren Paul IV. und Pius V♦ mit einer bis zur Grausamkeit getriebenen Strenge gegen sie. Ersterer stellte nicht allein alle ihnen ungünstigen Verordnungen aus frühern Seiten wieder her, sondern beschränkte sie auch noch in ihrem Wohnen aus besondere Stadtviertel, Ghetti - genannt. Das Wort Ghetto ist gleichbedeutend mit Stall; doch wird ihm vom Herrn Depping eine andere Etymologie gegeben. Ihm zufolge hätten die Juden vom eilsten Jahr-

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