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Der Orient · 1843-11-07 · Heft 45 (7.11.1843) · p. Seite 357

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 45 (7.11.1843)
Article
Brody: Das fünfzigjährige Jubiläum des Dr. Friedländer
Date
1843-11-07
Page
Seite 357 (sequence 2)
Language
German
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357 - Gemeinde, feierte am 13. Juli dieses Jahres das fünfzigjährige Jubiläum seiner medicinischen Praxis. Herr David Joachim Friedländer, aus Königsberg in Preußen gebürtig, frequenticte von seinem zwölften Jahre an daselbst die Könighöfische lateinische Schute und legte früh den Grund zu einer Bildung, für welche Königsberg damals so empfänglich war. Im Jahre 1786 bezog er die dasige Universität, wo er unter Kant, den philosophischen, dann unter Metzger, Elster nnd Hagen den medicinischen Studien oblag. Der Ruf des großen Arztes Maximilian Stoll zogen ihn im Jahre 1791 nach Wien, woselbst er am 13. Juli 1793 die medicinische Doktor-Würde erhielt. Galizien schien damals für junge Aerzte günstige Aussichten darzubieten, da die Zahl der Aeskulap-Jünger noch gar nicht mit der reichen Bevölkerung in einem ordentlichen Verhaltmß stand; Hr. Fr. entschloß sich auf das wohlmeinende Anrathen seiner Freunde, in diesem Lande seine medieinische Laufbahn anzutreten. Welches Land ihm aber hier in mancherlei Beziehungen seines Lebenslaufes zugefallen, und welche innere und harte Schlage des Schicksals ihn hier getroffen haben, muß ihm selbst zu schildern überlaffen bleiben. Fast beständig, und besonders im höhern Alter, von Krankheit geplagt, sah ec dadurch seine schöne ruhmvolle Laufbahn mit hemmenden Dornen überschüttet, und nur seiner tiefen Wissenschaft in der Heilkunde verdankt er es, daß er dm öftecn hartnäckigen Angriffen derselben nicht unterlag. Jndeffen ermüdete er nicht, den Leidenden hilfreiche Hand zu leisten. Durch eine lange Reihe von Jahren erfreuete sich das hierortige israelitische Krankenhaus, welches nach seiner äußern und Innern Einrichtung zu den ausgezeichnetem öffentlichen Instituten dieser Art gezahlt wird, dieses berühmten Arztes, der Spitalphysiküs ist. Daß Herr D. I. Friedlandec auch seine Musezeit nicht unbenutzt ließ, um für das Heil der Menschheit und die Erweiterung des ärztlichen Wissens nützlich wirksam zu sein, dafür sprechen seine ausgezeichneten Schriften, die er theils an medieinische Gesellschaften gerichtet, und theils von ihm selbst in Druck gegeben wurden. Im Jahre 1816 erschienen seine „Versuche in der Arzneikunde", deren erster Band von den Katarrhen im Allgemeinen und der Jnfluenzia insbesondere handelt, und eine Arznei gegen den Husten empfiehlt, die sich durch eine lange Reihe von Jahren in der Anwendung als sehr hilfreich bewährte; der andere Theil dieses Werkes hat Alles gesammelt, was über Prospiration bekannt wurde. Im Jahre 1826 trat ein größeres Werk: „Versuch über die innern Sinne, und ihre Anomalien" ans Licht; die beiden andern praktischen Theile davon, konnten, besonderer Ursachen wegen, noch nicht zum Drucke befördert werden. Im Jahre 1828 wurde in dem 6. Band der Beobachtungen und Abhandlungen aus dem Gebiete der gesammten praktischen Heilkunde von österreichischen Aerzten, seine Skizze einer medicinischen Topographie der freien Handelsstadt Brody ausgenommen. Die hierortige israelitische Gemeindedankbar gegen ihren greisen um die Gemeinde hochverdienten Arzt, benutzte die Gelegenheit, daß Hr. Dr. D. I. Friedländer, dieser biedere Mann und ausgezeichnete gelehrte Arzt, das 50jahrige Jubiläum seiner ruhmvollen medicinischen Praxis am 13. Juli 1843 in ihrer Mitte feierte, zur Darlegung ihrer Theilnahme. Durchdrungen vom Gefühle wahrer Hochachtung, deren sich der ehrwürdige Greis allgemein erfreuet, beeiferte sich alles, seine warme Theilnahme an dem seltenen Ereignisse des Jubelfestes, an den Tag zu legen. Am Vorabende dieses Festes überraschte ihn in seinem Vochause eine von dem hiesigen Sanitätspersonals veranstaltete Serenade von Dilettanten, die, unter fröhlichem Glückwunsch-Rufe der daselbst versammelten Einwohner beiderlei Geschlechts, einige Stunden dauerte, und die Fröhlichkeit des ganzen Hauses erhöhete. Den Morgen darauf begaben sich der Hr. Dr. Ignaz Goldschmid, hiesiger Stadt- und Spital-Physikus, in Gesellschaft der andern Herren Medianer und Wundärzte in seine Wohnung, und Ersterer hielt ihm eine dem Jubel-Feste entsprechende feierliche Gratulations-Rede, unter Ueberreichung eines silbernen und vergoldeten Pokals, mit der Inschrift: „Sc» Wohlgeboren, Hrn. Dr. med. D. I. Friedländer, zum Andenken der 5Ojährigen Jubilarfeier"; worüber der Gefeierte, tief gerührt, in einer angemessenen Erwicderungs- Rede den Herren Kollegen den innigsten Dank abstattete. Hierauf folgten die andern seiner Freunde und guten Bekannte, und legten wechselsweise ihre Herzenswünsche ihm an den Tag. Die Gaste wurden dann bewirthet, das Gefühl wahrer inniger Freundschaft und der herzlichsten Theilnahme strahlte auf -jedem Gesichte, jeder trank ihm in der fröhlichen Stimmung auf fein Wohlsein zu, und man hatte das Vergnügen zu sehen, wie sehr sich die Lebenskraft bei dem ehrwürdigen Greise erhalten hat. Das Sanitäts-Personale veranstaltete dann zu Ehren des Gefeierten ein Diner, wo Toaste ihn feierten. Von einigen der vornehmeren Familien kamen ihm schriftliche Gratulationen, begleitet von werthvollen Silber-Geschirren, als Zeichen der verdienten Aufmerksamkeit und inniger Theilnahme, und ich erlaube mir am Schlüße meines Berichts die von Seiten des hierortigen israelitischen Gemeindevocstandes ihm überreichte Gratulation hier mitzutheilen. Sie lautete: An Se. Wohlgeborrn, Hm. Doct. med. D. I. Friedlander. In Anerkennung der literarischen Auszeichnung Ew. Wohlgeborrn auf dem Gebiete der Wissenschaft, und des großen Verdienstes, welches Sie sich in der langjährigen Uebung der Arzneikunde um die leidende Menschheit überhaupt, und bei der mehrjährigen Verwendung am hierortigen israelitischen Krankenhause insbesondere, erworben haben, ist die hiesige Gemeinde mit

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