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Der Orient · 1843-10-24 · 43 (24.10.1843) · p. Spalte 683-684

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
43 (24.10.1843)
Article
[Rezension]
Date
1843-10-24
Page
Spalte 683-684 (sequence 3)
Language
German
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683 Urtheile älterer Autoren über die Pijutim. 684 L. Posen er, ist ein nationales Lied in so kindlicher, einfacher Sprache und von so warmem Gefühle eingegeben, daß man es mit Vergnügen vielmal lesen kann. Eben so trefflich ist desselben Verfassers Lied S. 18. „Nur Muth", das von demselben Geiste beseelt ist. S. 20. eine Apostrophe an Dr. Rießer von Di. A. Brück, wo mehr die Gesinnung als der poetische Werth zu beachten ist - besser ist des Verfassers Sagengedicht: „Judenweihnachtfest", obgleich zu sehr Nachahmung. Die Zaubergans zu Worms, von Tendlau, Alexander in Judäa, von Ludw. Koßarski u. der Proselyt von Jul. Koßarski tragen den Schimmer der Sagenpoesie überhaupt. Die metrische Bearbeitung von Schir Ha-Iichud von Posener ist gelungen, cbgleich wir schon eine ähnliche von E. Stern besitzen. Dasselbe ist mit dem Gedichte von Stern: „die zehn Gebote" und den „Klageliedern" von Pappen heim der Fall. Die Gedichte von Di'. Wiener, Agnes Franz, John und Liber haben keine nationale Grundlage, obgleich sie an und für sich sehr gut sind. Unter den übrigen Sachen ist die Biographie Wessely's von Dr. Meisel und die Biographie Rafchi's von Dn. Zunz zu erwähnen; jene ist ein Auszug aus des Verf. Werkchm, das er früher herausgegeben, ohne nähere Bestimmungen und weitere Aufschlüsse über Wessely's Leben, diese ist aus det Zeitschrift für die Wissenschaft des Iudenthums entnommen, ohne die Berichtigungen von Zunz selbst in seinen gottesdienstl.Vortägen und ohne die Bereicherungen von S. Bloch in seiner hebräischen Ueberletzrmg dieser Biographie. Daß dem Unternehmen die größte Verbreitung zu wünschen sei, bedarf wohl erst kaum erwähnt zu werden, da wir an dergleichen Büchern gewiß keinen Ueberfluß haben. Urtheile älterer Autoren über die Gesammelt von Leopold Dukes. Die Urtheile über die Pijutim sind, wie sie selbst, der Geschichte bereits anheim gefallen, und sind nun mit ihnen selbst bereits so verwachsen, daß der Forscher auf dem Gebiete der Literatur mit Recht nach ihnen fragen und für die Literatur sie sammeln darf, um sie der Betrachtung des Forschers zu übergeben. Lernen wir in den Pijutim den Grundton der Zeit erkennen und die innerlichsten Bestrebungen derselben— denn die Pajtanim haben nur Worte geliehen den Gefühlen, welche viele damalige Zeitgenossen in ihrer Brust hegten —: so lernen wir durch die Urtheile, die darüber gefällt wurden, die kritische Ansicht entschwundener Zeitalter kennen. Denn auch sie sprachen nur das aus, was in vielen Köpfen schlummerte. Es bleibt uns zur Entscheidung überlassen, ob der Pajtan oder sein Kritiker die Zeit am besten verstanden hat, und wer von beiden den meisten Dank verdient, ob Ersterer, weil er dem gläubigen Gedanken Worte geliehen, oder Letzterer, weil er dem gesunden kritischen Sinn, wo es Noth that, sein Recht verschafft hat. Das Interesse dieser Urtheile wird noch dadurch gesteigert, wenn man weiß, daß der größte Jheil der Urteilenden, deren Stimmen wir hier sammeln, an der Spitze der gesammten jüdischen gelehrten Welt stand, und hoch emporragte durch talmudische und andere Kenntnisse, so daß ihr Urtheil daher maaßgebend war. Unser eigenes Urtheil über den Werth oder Unwerth der Pijutim an sich, glauben wir vorläufig zurückhalten zu müssen, weil für uns die geeignetste Zeit darüber zu sprechen, erst dann wäre, wenn dem Leser die Zeit, worin die Pajtanim lebten mit allen ihren allgemeinen und einzelnen Bestrebungen vorgeführt worden wäre, und demselben dadurch das vollkommene Verständniß ihrer Produktionen dadurch möglich gemacht ist. Denn die Pajtanim stehen nicht nur unter sich, sondern auch mit der Philosophie und der gesammten Bildung des Zeitalters in engster Verbindung, und gar Manches bleibt ohne Festhaltung dieses Zusammenhangs beinahe ganz unverständlich. Ist dieser Zusammenhang aber vor den Augen des Lesers vollständig entfaltet und dem geistigen Auge desselben zur innern Anschauung gebracht, dann würde sich der Einsichtige selbst sein Urtheil bereits gebildet haben, und der Verfasser dieser Zeilen hätte nur dann für das Urtheil des Lesers seine Worte hierzu gegeben. Jetzt aber, wo uns bis jetzt nur vergönnt war, die weitesten Kreise der Systematik zu ziehen, obwohl auch dies schon etwas zur innern Kenntniß beiträgt, begnügen wir uns damit, die Urtheile aller Autoritäten darüber mitzutheilen. Das Ergänzen des Einzelnen derselben behalten wir unserm größern Werke vor. Die Betrachtungsweise der Pijutim überhaupt kann eine zweifache sein. Man kann sie entweder: 1) als bloße Gedichte betrachten, oder 2) in der Qualität i n t e g r i r e n d e r Theile der Liturgie. Im ersten Falle sitzt die Aesthetik allein zu Gericht, und wir müssen den Maaßstab, den man überhaupt an Gedichte legt, auch an sie legen. Nach diesem Maaßstabe gerichtet würde ein Theil derselben vielleicht nicht immer ihr volles Recht auf Anerkennung behaupten können. Denn nicht nur haben sich Leute ohne innern Beruf dazu gedrängt, sondern auch die besten Pajtanim lieferten viel Mittelmäßiges. Im zweiten Falle entscheidet nur die bloße Brauchbarkeit derselben, der Inhalt, den sie haben und die praktische Benutzung desselben für allgemeine religiöse Zwecke; der poetische Schmuck aber ist hier, wenn auch wünschenswerth, doch nicht als absolut nothwendig in Betracht zu ziehen. Von dieser Seite betrachtet, würde Manches seinen vollen Platz einnehmen,. trotz -dem Proteste der Aesthetik. Nach der allgemeinen Ansicht P2 NJam „Gott will nur das Herz" werden sie ihre Existenz behaupten. Dieses Einführen in die Liturgie legre dem Pajtan manche Beschränkung auf, dem der bloße Dichter sich nicht zu unterwerfen braucht, obwohl andererseits auch der Dichter manchen Beschränkungen

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