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Der Orient · 1843-10-24 · 43 (24.10.1843) · p. Spalte 679-680

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
43 (24.10.1843)
Article
[Rezension]
Date
1843-10-24
Page
Spalte 679-680 (sequence 1)
Language
German
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Kurze Anzeigen. Klein's Bolkskalender. 680 679 Kurze Anzeigen. 36. Tin niS. Volks - Kalender für Israeliten auf das Jahr '5'604 (1844). Dazu Jahrbuch des Nützlichen und Unterhaltenden für Israeliten. Herausgegeben von K. Klein. Breslau, 18;3. 8. Joh. Urban Kern. (Dritter Jahrgang. Mit einer Kunstbeilage nach Kopie, darstellend: Jakob bei Laban.) Es ist eine wahre Freude für den Nef., Unternehmungen wie die des Hrn. K. Klein aus Brieg in diesem Blatte, welches den ganzen Umfang des geistigen Fortschrittes im Iudenthum zur Kunde der Masse zu bringen hat, anzuzeigen und zuweilen durch beigegebene Winke weiterzufördern. Denn wie der Busch'sche Kalender in Wien, der in Nr. 37 ausführlich angezeigt wurde, eben so ist der Klein'sche in Breslau weniger ein abgeschlossenes schriftstellerischer Produkt, als vielmehr ein neubegründetes Volksbildungsmittel, das durch seine Fortdauer und durch seine alljährliche Wiederkehr auf die isr. Volksbildung einen bedeutenden Einfluß zu üben geeignet ist. Aber dieser Popularität und Allgemeinheit wegen ist es auch eine Pflicht der kritischen Journalistik, auf das Quantitative und Qualitative dieser Erscheinungen ein wach- - sames Auge zu haben, nicht nur um zu verhindern, daß nicht aus dem Vehikel der Volksbildung ein Mittel zur Verbildung, zur geistigen Verkrüppelung werde, sondern um auch dahin zu wirken, daß in der That von Jahr zu Jahr in dieser Volksliteratur ein Fortschritt sich zeige, weil ein Stillstand schon ein Rückschritt wäre. In diesem Bewußtsein sind im vorigen Jahrgange (Col. 291) die Jahrbücher und Kalender von Busch und Klein hier zur Anzeige gebracht worden, in diesem Geiste ist auch der neue Wiener Kalender und das neue Jahrbuch hier oben (Nr. 37) besprochen worden, und in diesem Sinne will Res. auch Vorliegendes anzeigen. Daß das Urtheil durch die gesteigerten Anforderungen mit jedem neuen Jahrgange eigentlich strenger ausfallen sollte, liegt in der Natur der Sache z jedoch hat die Kritik wieder zu berücksich tigert, daß Volksschriften kein strenges Urtheil ertragen können und die Wahl der Mittelstraße ist wie in vielen Dingen gewiß das Richtigste. Zuerst kommt der eigentliche Kalender, bei welchem in der , Regel alle Jahre das Thema sich gleich bleibt z indeß wäre auch hier manche Vervollkommnung zu wünschen. Die sogenannte deutsche Zeittafel sollte anders abgefaßt sein und wenigstens zwei Seiten einnehmen, aber dafür kann entweder die hebräische rttCP IDT) oder die deutsche wegbleiben. Wie die Zeittafel angeordnet sein müsse, habe ich bereits oben (Col. 291) angegeben, und ich habe nur noch hinzuzufügen, daß der Gegenstand einer solchen Zeittafel mehr aus der nachbiblischen Geschichte genommen zu werden verdient. Sehr schön sind die dem hebräischen Theile des Kalenders hinzugefügten Erinnerungstage nach der Weise der alten guten L u ch o t, die in dem Wiener Kalender fehlen; aber auch selbst in diesem Theile sollte darauf gesehen werden, daß eine Abwechselung eintrete. Die alten Erinnerungstage erstrecken sich bekanntlich b'los aus die biblische und talmudische Periode, aber Niemand wird daran zweifeln, daß eine Fortsetzung derselben für die spätem Perioden für die Leser eines solchen Volksbuches von großem Interesse sein muß. Im Uebrigen ist sowohl der hebräische als deutsche Kalender ganz vollständig und läßt Nichts zu wünschen übrig. Einen sehr bedeutenden Raum nehmen die Verzeichnisse der Jahrmärkte ein, und man kann es nicht misbilligen, da sie für die Masse von großem Nutzen sind. Nun kommen wir zum Jahabuche. Wie im vorigen Jahre, so, beginnt auch diesmal das Jahrbuch mir einem Gedichte zum neuen Jahre von N. I. Fürstenthal, hierauf folgt von Di. S. Ster n eine sechszig enggedruckte Seiten starke Geschichte der Juden in Berlin von ihrer Niederlassung bis auf die neueste Zeit. Die Specialgeschichten der einzelnen angesehenen Gemeinden sind höchst interessant und wichtig, und zwar nicht nur deshalb, weil aus ihnen die allgemeine Geschichte der Juden so manche Ergänzung und Bereicherung erhält, sondern weil in ihnen vorzüglich die Gestalt der jetzigen sich erkennen läßt, worauf es uns bei Besprechung der jüdischen Verhältnisse in der Gegenwart ankommen muß. Dieser Nutzen stellt sich namentlich bei Beschreibung der einzelnen modernen Gemeinden heraus, deren eigentliche Bildung und Gestaltung in den letzten Jahrhunderten begründet wurde, wie mit der Gemeinde zu Berlin, Breslau, Posen, Naiv itsch, KroLosch in, Lissa, Hamburg, Kopenhagen, Paris, Wien, Warschau, London u. s. w. der Fall ist; hingegen die ältern Gemeinden, wie die zu Prag, Frankfurt a. M., Krakau, W o rms, Brzese - Litawski, Minsk, Kalisch, Regensburg, Livorno, Rom tu s. w., deren organische Gestaltung im tiefsten Mittelalter vor sich gegangen, mehr eine Bereicherung der jüdischen Geschichte zur Zeit des Mittelalters darbieten. Es ist daher sehr erfreulich, daß der Herausgeber uns solche Specialgeschichten nach beiden Richtungen hin versprochen und wir -dürfen ihm-die bestimmteste Versicherung geben, daß das Publikum dergleichen Specialgeschichten, selbst wenn sie in dürrer Chroniken form abge aßt sind, lieber liest, als die schönsten Novellen, da der Durst nach geschichtlicher Wahrheit bei uns allgemein rege ist. Daß Herr Di-. Stern in seiner hier gegebenen „Geschichte der Juden in Berlin" mehr die Data lose zusammengesügt und kein pragmatisches Band zum Zusammenhalten gefunden, liegt in der Natur eines ersten Versuches, und mit einer Geschichte der Juden in Breslau, Posen u. si w. wird es anfänglich gewiß auch nicht besser gehen. Das Einzige, was man von solchen historischen Skizzen verlangen kann, ist die genaueste Angabe der Data, mögen sie die ganze Gemeinde oder einzelne hervorragende Persönlichkeiten betreffen, und in dieser Beziehung scheint es dem Res., daß Hr. St. zu wenig gethan, obgleich wir ihm für das Gelieferte Dank wissen. Wir wünschen Hrn. K., daß er für die Geschichte der Juden in Posen, Breslau und in den bedeutenden Städten des Großherzoglhums recht fleißige und geschickte Arbeiter

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