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Der Orient · 1843-10-24 · Heft 43 (24.10.1843) · p. Seite 344

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 43 (24.10.1843)
Article
Die Juden in Italien
Date
1843-10-24
Page
Seite 344 (sequence 3)
Language
German
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344 Nach dem im etCften Jahrhundert in Italien wie in dem übrigen Europa eingesührten Feudalwesen, wurden die Juden als Sachen angesehen und es wurde ein förmlicher Handel mit ihnen getrieben. Sie wurden verschenkt, verkauft, vertauscht. Im Jahr 1090 verschenkte Roger, der Herzog von Apulien, das -Indmviertel zu Salerno mit all seinen Insassen mit Leib und Gut an Alfonso II., Erzbischof jener Stadt. Die Kreuzzüge waren eine Zeit der Drangsale für die Juden in Europa; aber während die Kreuzfahrer in mehren Ländern ihre Hände in das Blut dieser Unglücklichen tauchten, blieben sie Dank der beschirmenden Autorität desPabstes in Italien vor solchen scheußlichen Grausamkeiten verschont. Man muß es zur ewigen Ehre Alexander II. sagen, daß er auf die erste Kunde von den Excessen, welche diese durch den religiösen Enthusiasmus ins Leben gerufenen riesigen Expeditionen besudelten, seine Stimme in Frankreich und in Spanien erschallen ließ, und sich zu Gunsten der Israeliten in einer Weise aussprach, die eines Hauptes der Christenheit würdig war. Dies edle Beispiel hat auch bei mehren Päpsten Nachahmung gefunden, die einander bis auf den heutigen Lag gefolgt sind, und die vorkommenden Ausnahmen fallen in die Zeiten, wo der heilige Vater von wildem Haß oder perfiden Berechnungen bestrickt worden war. Unter Innocenz LI. müssen die Juden in Italien sehr fest im Sattel gesessen haben, wie das nach einem Schritt zu vecmuthen ist, dm sie damals wagten und der außerdem (eicht von fürchterlichen Folgen für sie hätte sein können. Als der Papst sich eines Tages nach' der Kirche des heiligen Johannes vom Lateran begab, hielten die Juden ihm ihr Gesetzbuch entgegen, und forderten ihn. auf, demselben seine Verehrung zu bezeugen. Er begnügte sich damit, auf ihre Zumuthung folgende Antwort zu geben: „Hebräer, Wir preisen und respektiren Euer Gesetz, weil es Euren Vätern durch den allmächtigen Gott, der sich dabei des Moses bediente, gegeben worden ist; dahingegen verwerfen Wir Euren Kultus und Eure falsche Auslegung, da Ihr noch auf den Heiland wartet, während Uns der apostolische Glaube lehrt, daß unser Herr Jesus Christus schon angekommen ist." Die Juden wurden von da ab als Korporation konstituirt. Eine Vorschrift aus dem zwölften Jahrhundert weist ihnen einen Platz bei dein Antritt eines neuen Papstes an, um ihm das Gesetzbuch entgegen zu halten. Dieser Brauch hat sich bis auf diesen Tag erhalten. Sie mußten auch zugleich der. apostolischen Kammer einen Tribut von einem Pfunde Pfeffer und zwei Pfunden Kanehl entrichten. Alexander IIl. anerkannte mehre den Juden verliehene Rechte, aber er verbot ihnen, die Geistlichen vor bürgerlichen Gerichtshöfen zu belangen, Kirchen anzukaufen oder im Versatz anzunehmen. Ob es der Geistlichkeit auch verboten gewesen ist, diese zu verkaufen oder zu verpfänden, das weiß man nicht. Alexander III. ertheilte dm Juden auch öffentliche Aemter, und hat nach Benjamin von Tudela einen von ihnen, R. Iechiel genannr, zum Finanzminister gehabt. Es verstrich indeß kein volles Jahrhundert, als die^Iuden sich der meisten Rechte wieder beraubt sahen, die sie bis dahin gehabt hatten. Das erste, durch die jüngste Verfügung des heiligen Stuhles erneuerte Verbot, daß sich keine Christinnen als Ammen bei den Juden vermiethen sollen, rührt aus dem Pontifikate Innocmz III. her. Das Koncilium vom Lateran hat die Juden auch unfähig erklärt, öffentlichen Aemtcrn vorzustehen. Die jüdischen Frauen muffen einen gelben Lappen auf ihren Gewändern tragen, damit der Christ sie erkenne und sich nicht mit ihnen einlasse. Das Volk beging so viele Exceffe an dm Juden, daß Honorius es verbot, sie ferner zur Bekehrung zu zwingen, und jeden Christen mit dem Banne drohete, der ohne vorherige Autorisation einen Juden schlagen, verwunden, tödten oder berauben würde. (Beschluß folgt.) Persottalchronik und Miseelle». Die jüdischen Firmen in Berlin. Der Kaiser von Rußland hat während seiner Anwesenheit in Berlin dm Stadtarmen ein Geschenk von 6000 Thlrn. gemacht, wovon die jüdischen Armen daselbst 150 Thlr. als entsprechenden Antheil erhalten. Es ist schön, daß man dm jüdischen Armen ihre Konfession nicht fühlen läßt. * * Nicht - Berücksichtigung des jüdischen Verso h nun gs ta ge s. Die ungeordneten Herbstmanövers des Linienmilitärs in Frankfurt a. M. haben die israel. Stadtwehrmänuer veranlaßt, da das Sühnefest dazwischen trat, ein Gesuch zu stellen, was auch andere Gemeindeglieder unterstützt, die vorgedachten Manövers auf einen andern Tag zu verlegen oder die Israeliten für diesen Tag der stadtwehrdienstlichm Obliegenheiten zu entbinden. Aber auf dqs billige Gesuch erfolgte eine abschlägiger Bescheid, und es wurde den Bittstellern nur gestartet, durch Einsteller sich vertreten zu lassen. Der Frankfurter Reform-Verein wird besungen. In der zweiten Lieferung des vierten Bandes der Lewald'schm „Europa" richtet ein^Frhr. v. Cornberg, Leutnant im Kön. Generalstabe zu Hannover, ein sehr großes Gedicht an die jüdischen Protestanten. — Uebrigens soll am Zahltage dieser Messe die Zahl der jüdischen Protestanten gestiegen sein. Verlag von - C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nagel.

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