Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1843)
- Article
- Königsberg: Dr. Lowositz über Juden und Judenemancipation
- Date
- 1843-10-24
- Page
- Seite 337 (sequence 1)
- Language
- German
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Vierter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnict bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. WZ?. Julius Fürst. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das üiteraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. .143. Leipzig, den 24. October 1843. Deutschland. Königsberg. Dr. Low o sitz über Juden und Judenemancipatkon. Breslau. Statuten des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den israel. Glaubenßgenossen der Provinz Schlesien. ^Schluß.) I a k o b s l) a g e in Synagogen- Emweihung. Dr. Frankel. Weigerung der Erlaubniß zum Aufbau eines Bethauses. Berlin. S. M. Ehrend erg's siebzigjähriger Geburtstag. — Polen und Rußland. St. Petersburg. Einigen Juden wird das Ehrenbürgerrecht ertheilt. — Lichtu. Schattenbilder aus d. jüd. Geschichte der Bergan-genh. n. Gegenwart. Die Juden in Italien. — Personalchroniß und Miöcellen. — LB. des Or. Deutschland. Königsberg, 25. Sptbr. Das neueste Buch: „Ueber das Vechaltmß der Juden zu den christlichen Staaten rc. von Streckfuß" hat gleich bei seinem Erscheinen hier großes Aufsehen erregt, so daß ich nicht anstehe, Ihnen über dasselbe zu berichten, wenigstens so weit dasselbe hier zur Sprache gekommen. In Nr. 212 der Kön. A. Z. wurde über diese Schrift eine sehr belobende Anzeige gegeben, welche auch die Schrift wegen der offenherzigen und ehrenhaften Sprache verdient hat; nach dieser Anzeige aber folgte in Nr. 218 eine treffliche Kritik von Dr. Lowosi'tz, welche die Schrift gleichfalls verdient, da wir wegen der Ehrenhaftigkeit des Verf.'s die falschen Insinuationen nicht hinnehmen können, welche der Vers, fast ganz wider seinen Willen in seinem Buche ausgesprochen. Ich glaube den Lesern dieses Blattes einen willkommenen Dienst zu leisten, wenn ich hier die eingehende Necensi'on über dieses wichtige Buch mittheile : „Zwei Hindernisse der Judeuemaneipation: Die Meinung des Volks und die Unehrenhaftigkeit eines großen Theils der Juden" Man hat vor Allem dm Muth eines solchen Bekenntnisses zu ehren, das einesteils die Meinung des Volks als eine von Gehässigkeit durchdrungene bezeichnet, dann einem großen Theile der Juden, die doch mit ihren christlichen Genossen unter denselben Einflüssen der Erziehung, der Gesetze, der allgemeinen Bildung, der bürgerlichen und socialen Verhältnisse und Formen stehen, nichts Geringeres als die Ehrenhaftigkeit abspricht. Der Verfasser sagt: „Daß ferner die Juden in ihrer Gesammtheit noch nicht zu derselben edlen und ehrenhaften Gesinnung sich erhoben, welche längst das Eigenthum der übrigen an Rang und Stand'ihnen gleichkommenden Staatsmitglieder geworden, ist ebenfalls über Zweifel erhaben. Zwar hat diese schon früher aufgestellte Meinung vielfache Angriffe erfahren, man hat aber vergessen, daß keine Worte, sondern nur Thaten hier widerlegen können." Die Aesthetik kann dem Verfasser Dank wissen für die Entdeckung dieser neuen Gattung des Erhabenen, das besonders für die Tragödie recht brauchbar ist. Der Beifall des Aristoteles ist da gewiss denn Schrekken und Mitleid flößt dieses Erhabene er'rr, wie nicht leicht ein Anderes. Man erschrickt über die kolossale Dreistigkeit, mit der hier eine ehrenräuberische Beschuldigung gegen einen großen Theil eines Volkes geschleudert wird, die gegen Einzelne gerichtet, der scharfen Ahndung des Gesetzes nicht entgehen dürste, und hier einer erleuchteten öffentlichen Meinung gegenüber, allem natürlichen Rechtsgefühl und den ersten Anfängen der Menschenachtung und Menschenbildung Hohn spricht. Achtung dem Unglück! Achtung dem Geschick, Achtung und Ehrfurcht vor der Geschichte! Wie? Man sitzt zu Gericht über Edelmuth und Ehrenhaftigkeit, und schmäht ein Volk, das in seiner Zerstreuung beinahe zwei Jahrtausende hindurch die blutigsten Verfolgungen, die grausamste Unterdrückung, olle Schmach und allen Hohn, womit die Rohheit der Zeit es überhäufte, mit der Energie seines Geistes und Gemüthes, mit seinen Entsagungen, mit seinen Hoffnungen, mit seiner Ergebung in Gott überdauert und überwunden hat? Nur das 43