Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 42 (17.10.1843)
- Article
- Talmudische Exegetik
- Date
- 1843-10-17
- Page
- Spalte 671-672 (sequence 3)
- Language
- German
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672 Die fremden Elemente im Zudenthume. 671 geworden sein, der Gegner habe mit seiner Hypothese einen selbstbewußten Fehlgriff gethan. Was derselbe auch, wie die zu Ende dieses vorzunehmende kritische Beleuchtung seiner „Fortsetzung" klar ergeben wird, selbst indirekt eingestan-en hat. Wie aber dieser Gegenstand bei dem Vers, der Skz. sich nur noch zu einer Frage bilden konnte, die bis zur Erschöpfung schon von so vielen gelehrten Rabbinen untersucht, und immer dasselbe von uns vorgetragene Ergebnis; resultirteu, glauben wir darzulegen nicht schuldig bleiben zu dürfen. So lange noch die Jsolirung dem Judenthum ein äußerlich, politisch aufgedrungenes war, was denn natürlich, wie die feindliche Berührung der Schnecke, ein ängstliches Aurückziehen in das eigne enge Haus notwendig nach sich zog, — ihre ursprüngliche religiöse Gesetzlichkeit mußte sich mit dem jüdischem Staate auflösen, wozu auch die Propheten ausdrücklich aufgefordert — konnten nur schwache Lichtstrahlen der verschiedenen philosophischen Bewegungen und Richtungen des zum Selbstbewußtsein kommenden Europas auf dasselbe influiren. Als aber die Mauern mittelalterlicher Tyrannei des jüdischen Kerkers allmä'lig niedergeriffen worden, — da konnte auch das Licht, welches Israel geleuchtet in tausendjährigem Kerker, erwärmt und erhalten in größtem Leid und Schmerz, nicht länger mehr ohne Mischung bleiben, von der Lust, welche von Außen eindrang. In Menschenmacht stand es nicht mehr, das Licht der Tora und die Leuchte des Gebots so abzuschließen, daß sie das Gesetz der Völker (cy^n npn) nicht berühre; so unmöglich, wie die freie Bewegung eines Weltkörpers isolirt von den übrigen erhalten werden kann. Wie nun jede philosophische Richtung ihren Anfang und ihr Ende mit der Religion gemacht, diese immer Ursache und erzielendes Resultat aller Philosophie gewesen, so auch im Judenthum. Nicht Mendelssohns Bibelübersetzung war der große Hebel, der bis jetzt fortwirkenden religiösen Bewegung, sondern das in der Einleitung zu derselben enthaltene , empfohlene Studium von Eichhorns Einleitung in das A. T. Hiermit war der wissenschaftlichen Kritik das Thor geöffnet, aus welchem zugleich der Glaube seinen Auszug begann. Aehnlich der talmudischen Allegorie: Als der König Salomon sich mit Pharaos Tochter vermählte, da senkte ein rächender Geist den ersten Pfeiler in Libers Bett, auf welchem das Judenthum strafende Roma sich erhob. — Der Glaube aber wie die Unschuld gleichet zu sehr der Rose, ein Blatt gepflücket, und es fallen die übrigen paarweis nach. Der Nationalismus mit seiner destruktiven Kritik wirkte so mächtig aus das Judenthum, daß innerhalb desselben, während es selbst wieder mit eingriff in die Speichen dieser scientivischen Thätigkeit, ihm kaum noch etwas zu thun übrig blieb. Es wurden daher still schweigend die Resultate der christlichen, biblischen' Kritik subsumirt und darauf weiter gebaut. Die das historische Christenthum mythisch metamorphosirende Lehre eines Dr. Strauß, ries, wenn auch nur von einem jüdischen Apostaten, gleiche Versuche im Judenthum hervor. Die weiland christlichen Freien in Berlin haben ihre fehlgebornen jüdischen Wahlverwandten in Frankfurt a. M. re. So ist es nur der I u n g h e g e l r a n i s w u s, der sich nun auch in der jüdischen Theologie breit zu machen beginnt. Sind nun einerseits in der biblischen Kritik nicht so viele Lorbeerkrä'nze mehr zu erobern, und wäre es anderseits noch weniger klug für den doktrinären Rabbinismus, sich damit zu befassen, weil sonst mit verändertem Standpunkte jegliches Vertrauen der Glaubensgenossen ihrem größten Theile nach, verloren ginge, —so hielt man Nichts für geeigneter, um zum Ziele zu gelangen, als die Pfeiler und Grundfesten des Judentsums zu miniren. Um das Haupt der „Formenstarrheit" und des „Hundegehorsams" um jeden Preis zu stürzen, mußte es auf eigenem Heerde angegriffen werden. Es galt nun den Nachweis, daß die tausendjährigen Träger und Vermittler des Judenthums, ihren Auftrag gar nicht verstanden; daß die Tora in ihren Händen ein mit sieben Siegeln verschlossener Brief gewesen. Ueber die Mittel hierzu war man nicht lange verlegen. Der Talmud, dachte man, mit seinen hunderten von Verfassern, mit seinen heterogensten Ansichten und Meinungen über die mannigfaltigsten Fragen, mir seinem tobten Sprachgemisch, mußte in seinen Worten Alles hineintragen lassen, was man nur beliebt. So wurden denn, mitten aus dem Meere des Talmuds, durch die Trennung aus ihrem Zusammenhänge, scheinbar getrübte Tropfen genommen, und unter das philologische Mikroskop gebracht, die mikrologischen Infusions-Resultate mit einer tüchtigen Portion sophistischer Dialektik ausgestattet und — das Kunststück war fertig. Das Gerade wurde krumm und das Krumme gerade. Der Derasch ward Peschat und der.Peschat wardDerasch. Aber „wer mit Unrecht schwanger geht, bringt eine Fehlgeburt zur Welt". Wir glauben es bewiesen zu haben, und haben in der Fortsetzung nur noch so manches Jrrthümliche des Gegners zu berichtigen, und Anderes in klareres Licht zu stellen. Zunächst ist es der ganz falsche Standpunkt, in welchem die jüd.-theol. Zeitschrift zu dem Offenbarungsglauben, wie diesen die Lehrer des Talmuds oder die mündliche Lehre herausgestellt, erscheint. Die neuere Kritik hat sich von dem Offenbarungsglauben in des Wortes e ig ennt lichem Sinne so weit entfernt, wie ...... daß wir eben gar keinen Vergleich kennen, weil es unvergleichlich ist. Wir gehen daher zur Beantwortung der Frage: A. Welche Vorstellung hatten die Lehrer der Mschna und Gemara von der Offenbarung als göttlicher Erscheinung und von der göttlichen Unmittelbarkeit der durch dieselbe geoffenbarten Gesetzobjekte; a) der min 5. B. M. und b) der übrigen Bücher der heiligen Schrift. i g Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von I. H. Nagel.