Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 42 (17.10.1843)
- Article
- Talmudische Exegetik
- Date
- 1843-10-17
- Page
- Spalte 669-670 (sequence 2)
- Language
- German
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669 Die Schule des R. Mein 670 Es ist nun als völlig entschieden zu betrachten, daß neben -er Derascha, der natürliche Wortsinn oer Lora den Tcmaim nicht nur in vollem Bewußtsein war, sondern auch jede andere mögliche Exegese — die ttihilifrrende roi?rD N/ttf ausgenommen — von ihnen gebilligt und anerkannt wurde. Wir haben dieses an einem Tana gezeigt, der so recht in der Mitte ihrer Wirkungszeit gestanden, der die berühmtesten und fruchtbarsten zu seinen Lehrern und Kollegen gehabt. Es hat sich bei ihm herausgestellt: — und man wird doch nicht etwa absurd behaupten wollen, er habe in dieser Hinsicht isolirt gestanden! — obgleich er als Anonymus des Sifra und fruchtbarster Mischnalehrer, der in solchem Ansehen stand, daß seine halachischen Lehren die Auktorität erhielten, das Verfahren des talrnudischm Derasch im weitesten Umsang handhabte und nützte: so hat er dennoch die einfache Bibelexegese in unserem Sinne gekannt, gebilligt und wo möglich jeder andern vorge§ogen. Er spricht dieses in methodischen exegetischen Prineipien aus, denn er richtet sich stets nach dem überlieferten Texte deutet kein Kausalprincip; keine Kausalverbindung weist seine Gegner in diesem Grundsätze hierüber zurecht; ist ein entschiedener Widersacher der überhand nehmenden talmudischen Dialektik; sucht deren Anhänger von seinen Vorträgen fern zu halten; faßt a..e Wibelverse in der Praxi der Gesetzbegründung möglichst wortgetreu auf; verläßt bei Wortübersetzungen selbst das Largum Onkelos, um dem wortgetreuen Akilas zu folgen (Bergt. Anm. 41)5 und spricht sich endlich in klaren, trotz aller Kunst nicht zu verdrehenden Worten dahin aus, daß er weder die buchstäbetnde noch die paraphrasirende Uebersttzung billigen könne, weil jene den inwohnenden Geist verfehlend — luge, und diese, die Grenze überschreitend, durch menschlichen Ansatz lästere.;, sondern nur die, die richtige Mitte haltende Uebersetzung des Onkelos am entsprechendsten sei. Allein — wohl gemerkt — von Alleingültigkeit ist selbst auch hier nicht im Entferntesten die Rede. Wir wollen jedoch durch unbewiesene Behauptung der gegnerischen Ansicht keinen Zoll Terrain lasten, und so noch Nachweisen, daß selbst die dem R. Jehu'oa bar Ilai zumeist entgegengesetzte Schule des R. Meir ebenso wie er die natürliche Bibelexegese gekannt und gebilligt, und für den Glauben an eine Anomalie in dieser Hinsicht jeder Raum schwinden muß. Ein solcher Nachweis wird dieser Schule gegeben — von welcher sogar gesagt wird, ihre halachischen Entscheidungen würden die Autorität erhalten haben, wenn man ihre wahre Ansicht bester durch die scharfsinnige' Dialektik hätte durchschauen können — (Anm. 35). Sanhedrin 38 dr, Ende: rin Saducäer sagte zu R. Jischmael bar Jose, es steht geschrieben (Gen. 19) „und der Ewige ließ regnen auf Sedom und Emora Schwefel und Feuer von dem Ewigen"; von ihm, müßte es heißen! Da sagte ein Wäscher zu ihm (R. Jischmael), laß ihn, ich will ihm antworten: es steht geschrieben (ibid- 4) „und es sprach Lemech zu seinen Frauen Ada und Zilcr, höret meine Stimme Frauen Lemechs!" meine Frauen, müßte es heißen, jedoch es ist die Ausdrucksweise der Schrift so, r>n k\np ebenso ist es auch hier nur Ausdrucksweise der Schrift. Da sagte (R. I.) zu ihm, woher weißt du dieses? (und er antwortete) in den Vorl rügen des N. Meir habe ich es gehört; und in derThat berichtet auch R. Jechanan: „wenn N. Moir in seinen Vorträgen beutete, so deutete er ein Drittheil Schmaca, ein Drittheil Agada, und ein Drittheil Matli (^hd) parabolisch." ,jur Beantwortung der etwaigen Frage, wie es aber zuginge, daß wir eine solche Erklä'rungöweise nicht besitzen, ist zu suppliren, daß sie vergessen worden sei, denn, wird fortgesetzt, „noch ferner sagte R. Jochanan, dreihundert Gleichnisse von Füchsen hatte R. Ai dir und wir besitzen nur drei davon" 4-). Und so ist es auch zweifelsohne; der Drang der Zeiten hat sicher nur den allerkleinstm Theil der Lehren jener Männer imö aufbewahren lasten. Nur was durchaus eng mit dem Leben verbunden, wie die in immerwährender Praxis bleibende Halacha, sich so anialgamirte, daß sie Eins mit ihm wurde, konnte und mußte erhalten werden. Hat ja selbst der ganze agadische Theil des Talmuds eine große Opposition gegen seine Ausnahme in demselben gefunden; unb nun noch gar ein für die Tanaim und Emoraim, denen die semitische Sprache noch gleichsam Muttersprache war, so überflüssige Disciplin wie die gewöhnliche Bibelexegese. Gegen derartige Lehren, wäre sicher jeder Talmudist mit der Frage da gewesen: ytWüp W'E. Es war durchaus keinerlei Interesse vorhanden, eine solche Exegese, die übrigens ohne Zweifel sattsam gepflegt worden, der Vergessenheit zu entreißen. War ja überhaupt das Ausschreiben der mündlichen Lehren eine solche Neologie, welche nur die Alles überwindende und durchbrechende Zeit ausgteichen konnte. — Ziehen wir endlich noch in Betracht, wie wir nachgewiesen, so oft der Derasch mit dem Peschat kollidirt, dieser sich geltend macht, wenn jener, seine Methode nicht geradezu für traditionell ausgiebt; wie öfter noch jene biblische Begründung aus die höhere Verbindlichkeit und das nachzuweisende Aller der Gesetzbestinummg gar keinen Einfluß hat, was wir weiter erörtern werden: so muß es auch dem, welcher uns bisher nur oberflächlich gefolgt,, zur Ueberzeugung 42) Klagen über in Vergessenheit gekommene. Halachot und andere auf das Gesetz iufluirende Vorträge, finden sich sehr zahlrrich; Temura 15 b, Ende und 16 u, Anfang und Mitte: lraw:) nobn 'j b^icty ick min’ m noNm njjßn mN nun' m ~idn 'di w. bw liott 'oo 'Jdo ‘inw, )b idn py ]i> im nm iranttoi jim' bw ira 0»n td 'di ww mp’DDn idn 'pi nipoD niND y30 b nbui noSn^niNO '2 uod .'di i^i2>v iino up p \\'jny p’inn rtay« i.-on p Sukka 20 a, Ende: min nrontwtjo n^tiraty i^33n bbn rby rrranttoi min, mo’i ^oüd mrj? rby nno'i i\ui N"n n by nranswi min mo’i. Wecgl. Megrlla 3 «, Mitte.