Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1843)
- Article
- Der Frankfurter Reform-Verein
- Date
- 1843-10-17
- Page
- Seite 336 (sequence 3)
- Language
- German
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336 gemacht habe. Ich hoffe, Sie werden meiner innigsten Anhänglichkeit an den göttlichen Glauben, in dem ich geboren nnd erzogen bin, den Elser dieser meiner Expektoration zu Gute halten, auf welche jedes reine Streben nach Recht und Wahrheit Anspruch machen darf. Ich habe gute Gründe, für jetzt meinen unbedeutenden Namen in dieser Neformangelegenheit ungenannt sehen zu muffen; sollten Sie in irgend einer Absicht ihn zu erfahren wünschen, so wird die Redaktion des „Orients" Ihnen denselben mitzutheiten nicht unterlassen und Ihnen zugleich sagen können, wie sehr ich Ihnen die Hochachtung zolle, die Sie Ihren Glaubensgenossen und Andersglaubenden einzuflößen so glücklich sind. D., den 6. Oktober 1843. C. Erklärung. ,,Es ist craurig, daß zu einer Zeit, wo der nordische Gracismus dem südlichen Romanismus zur Verfolgung der Juden die Hand reicht, eine heillose Uneinigkeit im Schoose der Juden selbst entsteht. Aber weder das Unrecht noch die Lüge kann vor der strahlenden Sonne des Rechts und der Wahrheit Bestand haben. Die neue jüdische Sekte zu Frankfurt a. M. hat endlich drei oberste Grundsätze proklamirt: die Vervollkornmnungsfähigkeit der mosaischen Religion, die Ungültigkeit des Talmuds und die Verwerfung des krassen Messiasglaubens! Schade nur, daß diese Sätze so wenig mit einander harmoniren l Ist der Mosaismus je einer Fortbildung fähig, so ist er es nur mittels des Talmuds und der rabbinischen Interpretation. Für eingeweihte Sachkenner bedarf dieser Gedanke keiner weitern Exposition. Die Dilettanten seien beispielsweise nur daran erinnert, daß unter dem Gesetz „Auge um Auge" nach humaner Exegese des Talmuds eine bloße Geldstrafe verstanden wird. Schrift und Tradition sind unzertrennliche Heilsquellen der jüdischen Religion, von denen aus allein eine organische Fortentwickelung möglich ist. Was aber den Messiasglauben anlangt, so haben nicht blos alle Propheten an ihm als wesentliches Merkmal die Beseligung des ganzen Menschengeschlechts durch unbegrenzte Gottes-,und Nächstenliebe hervorgehoben, sondern es ist auch grade wiederum der Talmud, der an mehr als einer Stelle die religiöse Ansicht von der Messi'aszeit als dereinstigen Befreiung aller Menschen von politischer Knechtschaft und politischem Drucke zum anerkannten Lehrsätze macht; und Maimonides wie die spätern Rabbiner des Mittelalters und der Neuzeit sind dieser schönen Lehre nicht untreu geworden. Der frankfurter Verein trägt also die Todesknme bereits in sich und verwirrt die Gemüther nur, statt sie aufzuklären. Er wird in der Geschichte der jüdischen Kulturentwickelung eine traurige, seinen eignen unwissenschaftlichen und zugleich unreligiösen Dilettantismus beurkundende Episode bilden." Dr. Freystädt. Perfonalchronik und Miseellen. Beförderung und Ehrenbezeugung. Dr.Wolfgang Wessely in Prag ist als Religiouslehrer für die jüd. Studiosen der Philosophie an der dortigen Universität angestellt worden. Nach österreichischem Studienplan nämlich müssen Hörer der Philosophie gleich den Gymnasialschülern Religionsunterricht genießen. — Der Oekonom Nath an Hechinger in Harburg erhielt von dem landwirthschaftlichen Verein für Schwaben und Neu bürg die silberne ' Medaille sammt Preisbvch. — Der Rabbiner Abraham Kohn in Hohenems wird mit dem 1. November d. I. seine Stelle als Prediger bei der Lemberger Gemeinde, wo er den 12. 19 und und 26. Aug. Probevorträ'ge gehalten, antreten. Das in Ulm in der Gtettin'schen Buchhandlung erscheinende Blatt: Die Z ei tin teressen, fährt fort über die jüdischen Verhältnisse, namentlich über die Emancipationsfrage, treffliche Aufsätze zu liefern. So befindet sich z. B. in Nr. 63 und 54 d. I. ein trefflicher Aussatz, überschrieben: „Uebergang der blos handeltreibenden Juden zur gewerbetreibenden Klaffe der Staatsbürger", den wir ganz ausgezogen haben würden, wenn uns nicht der Raum dazu gefehlt. In Nr. 47 dieses Blattes befindet sich ein trefflicher Aufsatz: „Die Emancipation der Inden" überschrieben, der einen sehr milden Geist athmet. Uebechaupt zeichnet sich dieses Blatt durch gediegene Aufsätze aus. Die Rabbiner wähl in Kassel. Mt dem Jahrestage nach dem Tode Romann's hat der Vorstand, auf Veranlassung und Antrieb der Regierung, die Rabbinerwahl vorgenommen. Da Rabbmatskandidaten von der Wahl ausgeschlossen wurden ees waren vorgeschlagen: Dr. £ et nb au. in Dresden und Dr. Frensdorfs in Hannover), so gab es nicht viel zu wählen und die Stimmen schwankten blos zwischen Dr. Hold heim nnd Rabbiner Bo den heim er in Hildesheim, welche beide den Lesern des „Orients" als Gelehrte bekannt sind. Wie man vernimmt, soll die Regierung für Bodenheimer geneigt sein; auch soll es noch ungewiß sein, ob Dr. Holdheim das Anerbieten des Kasseler Vorstandes annehmen wird. Die Beschneidungs fr a ge. Die Frage, ob jüdische Eltern das Recht haben, ihre Kinder nicht beschneiden (und nicht taufen) zu lassen, welche durch den Banquier Flersheim in Franks, a. M., der es mit seinem neugebornen Kinde so gemacht, veranlaßt wurde, und gegen welches der dortige Rabbiner geeifert, ist noch nicht entschieden. Wie man sich erzählt, soll die Veranlassung des Nichtentschiedenseins in der Persönlichkeit des Bürgermeisters liegen, der ein getaufter Jude ist und früher selbst als Jude diese Neuerung gewünscht habe. Die vom Rabbinat daselbst eingeforderten und zahlreich eingegangenen Gutachten werden nächstens, einen starken Band ausmachend, im Drucke erscheinen. Mit dem Reformverein hängt diese Frage nicht zusammen. Verlag von E. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.