Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1843)
- Article
- Wochenbericht [Nachricht]
- Date
- 1843-10-17
- Page
- Seite 332 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Die nach ihren Eigenthümern, den Gebrüdern Berling, sogenannte Berlingsche Zeitung (Berlingske Tilgende), das einzige ministerielle Hauptblatt in Dänemark, dessen Redakteur jener von Ihrem Korresp. gleichfalls angeführte Grösster Nathanson (der aber nicht den Titel Kammerherr hat) ist, brachte eine wörtliche Uebersetzung jenes Berichtes mit der vorangeschickten Bemerkung, daß hier abermals ein Beweis vocliege, wie sonderbare Gerüchte und Erfindungen über Dänemark im Auslande umliesen. Demnach wäre der Orient mystificirt wordennach einer andern Version aber läge in dem Artikel die feinste Persiflage der Verhältnisse, am königl. Hofe und das Ganze wäre ein Stratagem der Opposition, die sich nun freue, daß die Berlingsche Zeitung diese ironische Charakteristik ausgenommen habe *). — Bald hätte ich wider Wissen und Willen auch etwas dazu beigetragen, die Anzahl der Juden in Dänemark um Einen, der ihnen nicht angehöct, zu vermehren; der in meinem letzten Wochenberichte erwähnte Botaniker Liebmann stammt nämlich aus Schweden, seine Vorfahren aber (muthmaaßlich Juden) aus Deutschland. — In Deutschland selbst erregendie Karlsruher Vorfälle, die in der Köln. Zeitung mit dem unverholensten Eifer für Wahrheit und Gerechtigkeit behandelt werden, noch immer das größte Aussehen. Nächstdem theilt sich die Aufmerksamkeit zwischen Betrachtungen über Rußland, Italien und dem Frankfurter Verein. -— Die russ. Juden dürfen nun in den Städten wohnen bleiben; die italienischen werden sich wohl mit Gelde einen Schutz erkaufen müssen, der selbst im gütigsten Falle diesen Namen nicht verdient; der Frankfurter Verein aber soll an die Berufung einer Synode denken und den Sabbat auf den Sonntag verlegen wollen. — Ueber das Treiben des Bischofs Alexander in Jerusalem berichtet ein Franks. Korresp. der Mannh. Abendzeitung, nach den Mittheilungen, die der Orient neulich gebracht; auch ist wieder viel von den palästinensischen Gaben und ihrer Verwendung durch Herrn Lehren die Rede. — In Breslau, wohin ein königlicher Kommissarius zur Schlichtung des innerhalb der Gemeinde herrschenden Streites geschickt werden soll, sind die Ruhestörer bei dem Begräbnisse des Hrn. Oppenheim freigesprochen worden. Hr. Dr. Geiger erklärt, daß das, was in Bezug aus die Beantwortung der von der Regierung an das Breslauer Radbinat gestellten Fragen in der D. Allg. Zeit, gemeldet worden sei, ihn gar nicht betreffe **). — In den Hamb. Wöchentl. Gemeinn. Nach¬ *) Es ist keines von beiden richtig, sondern wie der Berichterstatter, den ich persönlich kenne, mitgetheilt. Red. **) Das verstand sich aus jenem Artikel von selbst, dort hieß es „der Breslauer Rabbiner" und dieser ist natürlich G. Tiktin, nicht Dr. Geiger, nach der Annahme in der öffentlichen Meinung. richten wird der Streit über Judenemancipation ununterbrochen und mit steigender Heftigkeit forlgesührt; auch sind bereits 3 Broschüren über denselben Gegenstand erschienen. — Am 21. Sptbr. wurde der neue israel. Tempel in Bordeaux eingeweiht. — Rheinpreußen, 24. Sept. Der unerbittliche Tod hat schon wieder einen unserer gelehrten Rabbiner, der unserer Zeit und seinem Stande Ehre machte, aus unsrer Mitte gerissen. Der Dr. Ullmann, Oberrabbiner von Creftld, hat seinen Wirkungskreis, seine weinende Familie und seine trauernde Gemeinde auf immer verlassen müssen. Es ist möglich, daß Sie von einer andern Hand einen Nekrolog über ihn erhalten werden, die Ihnen mehreces Einzelne über sein Leben und seine Bestrebungen, vielleicht auch über hinterlassene Mskte. mittheilen kann. Da ich es aber bezweifeln muß, so theile ich Ihnen für Ihr geschätztes Blatt dasjenige mit, was mir aus seinem Leben bekannt ist. Geboren ward derselbe gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts in einem kleinen Orte am Rhein, Namens St. Goar. Seinen Vater scheint er schon früh verloren zu haben. Er widmete sich den rabbinischen Studien; zu diesem Zwecke begab er sich zum vorigen Rabbiner von Darmstadt, wo er sich so sehr durch seinen Fleiß auszeichnete, daß der genannte Oberrabbiner ihm ein Rabbinatsdiplom ertheilte. Dabei befliß sich Ullmann heimlich auch der deutschen und französischen Sprache, denn die Zeit war gekommen, daß man von dem Rabbinen mehr als bloße talmudische Studien verlangte. Ullmann bereitete sich nun auch für die Universität vor, welche er auch bezog um das Jahr 1828. In Bonn traf derselbe mehre Geistesverwandte, denen er sich anschloß. Freundschaftliche Zusammenkünfte und gemeinschaftliche Uebungen wurden verabredet zwischen Dr. Geiger, gegenwärtig in Breslau, Dr. Scheyer, dem trefflichen.Uebersetzer des More Nebuchim, Hirsch, Rabbiner in Emden, Heß in Trier, Frensdorfs aus Hamburg, gegen wattig in Hannover und Rofenfeld aus Mannheim. Eine langwierige Krankheit lahmte zwar die Studien Ulmanns, allein unterdrücken konnte sie dieselben nicht. Doch wurde er nie wieder völlig hergestellt, besonders hatten die Sprachorgane bedeutend gelitten. Ulmann wohnte mit vielem Eifer und Fleiße den Vorlesungen über Geschichte, Philosophie, Philologie und Exegese bei. Da ward die Oberrabbinerstelle in Creftld durch das Ableben des Löb Karlsberg vakant und Ulmann bewarb sich um dieses Amt, welches er auch endlich erlangte im November 1835 und bis den 4. d. M. verwaltete. Ein Hauptbestceben Ves Herrn Ulmann war nun allenthalben die jüdischen Elementarschulen zu fördern durch Anstellung geeigneter Lehrer. Kräftig trat derselbe auf, als man in Damaskus neue Beschuldigungen gegen die Juden erhob, da man besonders in jener Gegend geneigt schien, solchen boshaften Lügen Gehör zu geben. Auch