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Der Orient · 1843-10-17 · Heft 42 (17.10.1843) · p. Seite 331

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 42 (17.10.1843)
Article
Wochenbericht [Nachricht]
Date
1843-10-17
Page
Seite 331 (sequence 2)
Language
German
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331 Köpfen, wie denn Westphalen, ganz im Gegensätze zur Rheinprovmz, sich förmlich anzustrengen scheint, in weiteren Kreisen berüchtigt zu werden; aber es macht der Regierung Ehre, diesen fanatischen Machinationen ihrerseits wenigstens keinen Vorschub zu leisten. So werden denn wohl alle Pläne Marcacd's in Minden scheitern; denn Niemand anders als er ist es wohl, der unter der Decke spielt, wenn, wie man erzählt, die Geistlichen der Kreissynode des Fürstenthums Minden, eben sowie die Würger der Stadt und der Kolonie des Fürstenth. Minden und der Grafschaft Ravensberg auf der nächsten Kreissynode sich gegen die Emancipation der Juden erklären wollen, und auch andere westphalische Kreisspnoden dieses Beispiel nachzuahmen gedenken. — Marcard selbst verbreitet sein neulich erwähntes Pamphlet in der vierten (?) Auflage. — Manches wird freilich auch von der Beantwortung der Fragen abhängm, welche die preuß. Negierung den Rabbinern in Betreff der Zahl, Bildung, celig. Ansicht rc. ihrer Gemeinden vorgelegt hat. So waren in der Provinz Posen an die Rabbiner Salomon Eg er in Posen, Dr. Gebhard in Wreschen, Dr. Hirschfetd in Wollstein, Joöl in Schwerin an der Warthe und Mal bim in Kempen Anfragen ergangen, deren Beantwortung in einer in Posen gehaltenen Konferenz gemeinschaftlich im Allgemeinen verabredet wurden. Die Antwort des Breslauer Rabbiners (Tiktin) soll principlos ausgefallen sein. — Außerdem sind von Preußen nur noch einige Details zu melden. Zu Eulm in Westpreußen, wo erst seit etwa 30 Jahren Juden wohnen, ist kürzlich durch Hrn. Sommerfeld aus Elbing (Red. des Sabbatblattes) eine Synagoge eingeweiht worden. — Aus der Provinz Preußen (Ost- und Weftpreußen) meldet man, daß im Jahre 1842 dort 24 Juden und Judenkinder getauft worden sind. — Ein preuß. Korrespondent des Hamb. Korrefp., wohl Dr. M. Runkel in Elberfeld, ein übelberufener Publicist, hat plötzlich die grandiose Entdeckung gemacht, daß die rhein. Stände nur das gewünscht und erbeten hätten, was von der Regierung schon im vorigen Jahre aus freien Stücken zugesagt worden sei, Warum hat denn aber der früher ein solches Lamento über den Beschluß vom 13. Juli erhoben? — Ein besonderer Abdruck der rhein. Landtagsverhandlungen über die Juden ist in Berlin mit einem Vorworte eines Staatsmannes erschienen. Daß auch von Mainz und aus der rhein. Pfalz um die Aufhebung des napot. Wuchergesetzes petitionirt worden, bestätigt sich. — Der Berliner Kulturverein hat neuerdings 2 Preisaufgaben gestellt: 1) Geschichtl. Uebersicht des-jüd. Rabbiner- und Predigerwefens in Deutschland seit 1762, und 2) Lehr- und Handbuch (für die Lehrer) der jüb. Geschichte von Alexander dem Großen an. Unterzeichnet ist die Aufforderung von Dr. S. Stern in Berlin als Direktor und L. Lesser (pseudonym Ludw. Liber) als Sekretär des Vereins. Für jede der beiden Abhandlungen ist ein Preis von 200 Thlrn. ausgesetzt. Ablieferungstermin: bis zum 1. Marz 1845. Umfang: höchstens 30 Bogen. Das Verlagsrecht verbleibt 1 Jahr lang dem Autor; ist das Mskpt. nach einem Jahre nicht abgedruckt, so geht das Anrecht an den Kulturverein über. — Köln enthält jetzt in 2 jüd. Schulen 83 Kinder. — In Karge (Unruhstadt) im Posenschen ist die (am 21. Sptbr. 1841 abgebrannte) Synagoge wieder aufgebaut und am 7- Sptbr. eingeweiht worden. Der Staat hatte in allen Synagogen eine Kollekte gestattet. Viel Streit hat sich in Berliner Zeitungen über die Ausschließung eines Juden von der Theilnahme an einem Berliner Pcivattheater erhoben. — Herr Pleßner wird bei seinem Abgänge nach Posen mehrmals in der Voss. Zeitung sehr wohlmeinend, aber jämmerlich angesungen. — Zur Schlichtung der relig. Wirren in Breslau soll demnächst ein königl. Kommissarius von Berlin dorthin abgehen. — Zur Börse in Breslau, die nun allen Großhändlern eröffnet ist, werden nun wohl auch die jüdischen zugelassen werden. — Außer den preußischen Verhältnissen nehmen die russischen und die italienischen noch immer unsere Theilnahme in Anspruch. In Rußland scheint die Vertreibung der Juden nur auf die Bewohner des platten Ländes angewendet zu werden. In Betreff der röm. Juden tröstet uns die A. A. Zeitung damit, daß die Inquisition nur ein altes Edikt erneuert habe, und daß der Vollzug doch nicht stattfinden werde. Ein schöner Trost! und ist es denn erlaubt, Menschen, sei es auch durch bloße Drohungen zu quälen. Uebrigens wurde von anderer Seite behauptet, an dem ganzen Edikte sei kein wahres Wort. Daß man indessen Sr. Heiligkeit so etwas zutraut, geht aus der Art und Weife hervor, wie sich die franz. und die engt. Presse über diese abscheuliche Maaßregel ausgesprochen habe.- Selbst O'Connell, der von den Engländern für einen Papisten ausgeschrieen wird, hat in einer neulich stattgehabten Repeal- Versammlnng sein Verdammungsurtheil über jene Barbarei ausgesprochen. Indessen weiß die A. A. Zeitung, die sonst die katholischen Tendenzen O'Eonnells durch treue Referate über seine Reden unterstützt, von diesen Aeußerungen Nichts zu erzählen. — Wie ganz anders zeigt sich die Köln. Zeitung in ihren Berichten über die nichtswürdige Karlsruher Geschichte. Dort haben Adel und Pöbel Brüderschaft geschloffen, und die Karlsruher Bürger werden noch Jahre lang sich quälen müssen, ehe sie diesen Schandfleck aus der Geschichte ihrer sonst so friedlichen Stadt getilgt haben werden. In allen übrigen Städten Badens herrscht über jene skandalösen Vorfälle nur eine Stimme. Und obendrein handelte es sich um keinen Juden, sondern um einen seit Jahren Katholischgewordenen. — Der vor Kurzem im „Orient" befindliche Artikel aus Kopenhagen hat hier einiges Aussehen erregt. 42*

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