Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-10-10 · 41 (10.10.1843) · p. Spalte 653-654

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
41 (10.10.1843)
Article
Die Menschenopfer der alten Hebräer [Rezension]
Date
1843-10-10
Page
Spalte 653-654 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9897774-9897930-2370644--3171-2370672
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

653 654 Die Menschenopfer der alten Hebräer. Bon Ghillany. talmudischeu Periode, die doch die Eintheilung der Tagesstunden nach den Planeten schon kannte, wurden diese nur mit der Ordnungszahl bezeichnet35). Und dennoch soll der biblische Sabbat vom Saturntag Name und Weihe erhalten haben?'Herr Gh. irrt aber auch hierin gröblich, wenn er den Sabbat für den ersten Tag der Woche halt, weil auch die Phönizier dm ersten Wochentag für heilig hielten; der Sabbat ist vielmehr der letzte Tag der Woche, da derselbe in der h. S. als der siebente Lag genannt wird, und schon im mosaischen Zeitalter eine Woche aus sieben Lagen bestand (Levit. 23, 15, 16): der Saturntag war aber unstreitig der erste Lag der Woche, was deutlich aus der von Hrn. Gh. citirten Stelle aus Dio Cassius hervorgeht. Der Vers, führt ferner (S. 442 urd 451) als Beweis der Identität Saturns mit Iah an, daß auf merkwürdige Weise Saturn bei den Phöniziern den Namen Israel36) führe (Euseb. praep. 1, 9), da nun die Juden „Söhne Israels" genannt werden, so sei zuvörderst so viel sicher, daß der jüdische Gott in allen Zeiten den Namen Israel führte. Es ist aber bekannt, aus welcher unklaren Quelle die Nachrichten über Phönizien fließen, indem wir erst durch die vierte Hand zum Besitze der Trümmer phömzischer Mythologie und Urgeschichte gelangt sind (Kreutzer 11, 8). , Grotius und Andere finden in ihnen eine große Ueberein-! stimmung mit der mosaischen Urkunde; Mosheim und Cumberland schm hingegen in der Uebersetzung des PHLlonius blos eine absichtliche Empfehlung der egyptischen und phömzischen Jdololatrie (ibid. 9). Wie konnte nun aber ein nur für Wahrheit und Wissenschaft arbeitender Professor es wagen, aus solchen unechten und zweifelhaften Ueberresten, von der Ähnlichkeit eines Wortes, eines Lautes, so wichtige Konsequenzen zu ziehen, die mit der ganzen Bibel in direktem, Widerspruche stehen? Ist etwa die biblische Urkunde (1 M. 32, 27) über den Namen Israel, der nicht Gott, sondern von einem Engel Jakob, dem Stammvater Israels, beigelegt wurde, wenn sich auch der Verabfaffer auf eine Mythe gestützt haben mag, minder authentisch als jene Bruchstücke aus Sanchuniathon? Hat man nicht, um die Identität des alten Historikers Maehas mit Moses zu erweisen, diesen Namen bald Macas, bald Mäseas geschrieben, und kann dies mit dem Namen Israel im Sanchuniathon nicht auch der Fall gewesen sein? — Herr Gh. will (S. 181, 326, 458) ein System durchi zuführen suchen, daß nach dem mosaischen Gesetze nur auf Höhen geopfert werden, und dies sei der ursprünglich von Moses eingeführte Kultus gewesen; die Reformatoren hätten aber die Neuerung eingeführt, daß nur im Lem- 35) Selbst in den wichtigsten Urkunden, wie z. B. in dem Scheidebrief, wird der Wochentag mit Mm Ti Mm *>T, rc. genannt. 36) In der Kosmogonie der Araber tritt auch der Name Israel als Todesengel auf (v.Hammer: RosenöhlS. 19). pel geopfert werden dürfe; auf diese Entdeckung brachte ihn. der Feldherr Rabsake. Als nämlich Hiskia den Versuch gemacht hätte, den Höhekult abznschaffen, habe dies der ' assyrische Feldherr Radsake für einen Eingriff in den nationalen Iahkult gehalten und als einen an Iah begangenen Frevel dargestellt, weshalb die bedrängten Einwohner von Jerusalem sich nicht mehr aufIah's Beistand verlassen könnten. Er rief daher dem Volke zu (1 Kön. 18, 22) „So Ihr zu mir sprechet: auf Iah, unfern Gott, vertrauen wir; ist er es nicht, dessen Höhen Hiskija abgeschafft und zu Juda und Jerusalem gesprochen: vor d i e se m Altar sollt Ihr anbeten zu Jerusalem?" Der Vers, hat aber auf dieser Entdeckungsreise zu berücksichtigen vergessen, daß der assyrische Feldherr Rabsake, eine eben so oberflächliche Kmntniß von der jüdischen Religion gehabt haben konnte, wie ein gewisser nürnberger Bibliothekar, der lieber bei einem assyrischen Feldherrn, als bei Gesenius Vorlesung über jüdische Alterthumskunde hören wollte. Dieser sagte nämlich, in seinem Jesaja 11, S. 944: Die Affyrer hatten offenbar von den Religionsformen Hiskia's gehört, nach welchen namentlich die illegalen Höhenopser verboren und auf den ausschließlichen Kultus im; Tempel gedrungen wurde. Sie mißverstanden dieses, oder wollten es mißverstehen, und konnten in jedem Falle dadurch auf das Volk wirken, dessen Anhänglichkeit an diese Höhenopfer die ganze frühere Geschichte bezeugt, und welches vielleicht auch in der Vertilgung dieses bis dahin geduldeten Kultus eine die Gottheit beleidigende Bilderstürmerei fand". — Aber auch abgesehen hiervon, erlauben wir uns von der Uebersetzung obiger Stelle, die der Vers, nach Gesenius (dessen Uebers, mit Ralbag übereinstimmt) giebt, abzuweichen, und diesen Vers in Verbindung mit dem nachnachfolgenden mynn nnyi zu bringen. Rabsake sagte nämlich, daß, obschon Hiskia den illegalen Höhenkult abgeschafft und sich dadurch die Gunst Gottes hätte erwerben sollen, er dennoch so schwach und hilflos dastehe, daß er nicht einmal die Wette eingehen könne, die Streiter zu den 2000 Rossen zu stellen. In diesem Sinne müsse daher die Uebersetzung lauten: „So Ihr zu mir sprechet rc. Er ist es ja, vor dem Hiskia Höhen und Altäre abschaffte rc. Nun, nimm es doch auf mit meinem Herrn, ich gebe dir 2000 Rosse, wenn du die Streiter zu geben vermagst. Mau könnte zwar gegen diese Uebersetzung einwenden, daß in der Parallelstelle 2 Ehr. 32, 12, der Nachsatz mynn nnyi fehlt, allein offenbar geht aus der Konstruktion dieses Verses in der Chronik hervor, daß solcher korrupt ist: denn dem Nin nT, welches sich doch unläugbar auf Gott beziehen muß, wird in der Ehr. Vrptn interpolirt (cf. Ges. 1. c,). Herr Gh. sucht ferner S. 458 darin einen Widerspruch zu finden, daß die Berge und Höhen die bevorzugtesten Oerter des Kultus und der göttlichen Offenbarung waren, während das 5 M. 12, 2 gebietet: „vertilgen sollt Ihr alle Orte, wo die Völker, die Ihr vertreibt, ihren Göttern dienten, auf den hohen Bergen, auf den Hügeln und unter allen grünen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.