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Der Orient · 1843-10-10 · 41 (10.10.1843) · p. Spalte 649-650

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
41 (10.10.1843)
Article
[Rezension]
Date
1843-10-10
Page
Spalte 649-650 (sequence 1)
Language
German
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649 Kurze Anzeigen. Semirol Jisrael von I. Nag'ara. 6sa Kurze Anzeigen. 32. nVVöT. Sammlung religiöser Lieder zur Erbauüng und Andacht, verfaßt von R. Israel den Mose ben Iehuda Nag'ara (Nadschara). Erster Theil, genannt "P£n rb)V/ 2^5 Lieder für die Werktage des Jahres enthaltend. Zweiter Theil, r)2i^ 54 Lieder für alle Sabbate des Jahres enthaltend. Dritter Theil, genannt, 50 Lieder für die Fast- und Festtage sowie für manche specielle Fälle enthaltend. Belgrad (in Serbien), 1837—39. 12. (In der Druckerei des Fürsten von Serbien). (Bl. 115 4- 21 -f 28.) Diese seltene und höchst interessante Sammlung von 329 Liedern, verfaßt von dem glühenden und schwermüthigen Epigonen der synagogalen Muse, welche so eben in Serbien für die Privatandacht der sefardischen Gemeinden in sehr schöner Form überdruckt worden, verdient schon deshalb eine kurze und übersichtliche Anzeige in diesem Blatte, weil sie in der Geschichte der religiösen Poesie, welche in der Gegenwart ein Hauptstudium ausmacht, eine nicht unbedeutende Stelle einnimmt. Isr. Nag'ara ist uns von frühester Jugend nur durch sein aramäisches Lied Dby rp (in der Sammlung das vierte) bekannt; seine begeisterten, melancholischen, hinreißenden, zarten hebräischen Lieder, die in üppigster Formenfülle uns entgegentreten, sind uns Aschkenasim bis jetzt fremd geblieben, während die barocksten religiösen Poesien eine Heiligkeit gewonnen haben. Und wir dürfen es wohl mit Recht behaupten, daß diese Unbekanntschaft zu unserem Nachtheil, ausgefallen. Denn alle jene Anklagen und Beschuldigungen , die man mit Recht gegen die Pijutim erhebt, nämlich daß sie durch die Ausschweifungen des Musivstyls und durch die Ueberfülle der hagadischen Symbolik oft unverständlich, hart und ungenießbar erscheinen, haben bei unserem Dichter keine Anwendung. Seine lyrischen Töne rauschen in ungekünstelten Schwingungen hin, der Strom seiner Begeisterung walzt sich unaufgehalten durch die Steinblocke der Hagada's und Midraschim fort, und der ununterbrochene Fluß läßt uns kaum die kunstvollen Formen wahrnehmen. Wahrlich Nag'ara ist ein Dichter, wie kaum Einer in dem Tempel der synagogalen Muse, denn wenn auch Mose Ibn- Esra in seiner morgenländischen Farbenpracht, Iehuda ha- Lewi in seiner nationalen Sehnsuchtsgluth und Salomo Ibn- Gabirol durch eine reflektirende Glaubensinnigkeit ihn überragen, so ist ihm doch kaum Einer in dem eigentlich lyrischen Elemente, in der Unmittelbarkeit sicher Begeisterung und gedanken gleich. Seine Lieder sind nicht für bestimmte Tageszeiten, nicht zu Introduktionen oder Einschaltungen bei Gewissen Gebeten bestimmt, sie haben nie das Didakn'sch-talmudische oder das Dogmatisch-allegorische (wie die Asharot und die Aboda - Ordnungen) zum Thema, nie einen Cyklus von Sagen aus der jüdischen Geschichte, die sie episch ausschmükken, sondern sie sind aus den echten Elementen der nationalen Lyrik gewoben und in den lieblichsten Formen des Hebraismus gehüllt. Nag'ara versenkt sich nie blos in die Vergangenheit, um in deren Erinnerung zu schwelgen und aus ihr allen Trost zu schöpfen; er introducirt vielmehr seine Lieder mit den elegischen Tonen der unmittelbaren Gegenwart, seine fthnsuchtsglühenden Blicke dann nach der Zukunft richtend, und die Erwähnung der Vergangenheit erscheint nur zur Verherrlichung jener Grundgesühle da zu sein. Daher iss bei ihm die Sehnsucht nach Freiheit und Erlösung Israels , die Wiederherstellung eines jüdischen Staates, in welchem sich die Herrlichkeit eines goldenen Zeitalters abspiegele, das Messiasrekch mit seiner über die ganze Erde verbreiteten Glückseligkeit, dann aber wieder jene mystische Erotik, wie sie die geheimsinnige Lehre der Kabbala mit ihrer buntprächtigen Allegorie des Hochliedes Salomo's hat, der Grundstoff seiner Lieder. Auch die darin sich befindenden Elias- Lieder (deren nur wenige), die herrlichen Tochacha-Lieder im 3. Theile, welche die glühendste Aöketik athmen, die Kinn o t, welche kaum das historische Element berühren, tragen alle das erwähnte ursprüngliche Gepräge. Nur die am Schluffe des 3. Theites sich befindenden als Hochzeitslieder, machen eine Ausnahme, indem sie den allgemeinen Charakter dieser Lieder verlassen. Eigenthümlich ist es bei den Neschujot (jedes ist überschrieben jnrfc rW“>), daß sie je nach dem Namen des Bräutigams verschieden gedichtet sind, so daß für Einen der Iizchak, Salomo re. heißt, immer ein anderes zu recitiren sein soll. Da die Zahl im Ganzen nicht groß ist, so scheinen sie mehr Gelegenheitsgedichte gewesen zu sein. Die Akrostiche sind gewöhnlich .2^2 fl ^22" rnNONJ, aber zuweilen auch noch nirp dabei, wie in dem riD!£6 pN P5OA ON, das vorn ohne Nummer abgedruckt steht, und, wie es scheint, in der Mystik des Dichters begründet ist. Am Schluffe eines Theils dieser Gedichte steht das uns bekannte B eken n t n i ß l ied wobei aber der letzte bei uns fehlende Vers TiD) cnjpjj DH iTV^ig chd? fitZ/ö rnin etwas verstümmelt, wie schon bei Abudiente (s. Iaschresch Jakob S. 22), erscheint. Eigenthümlich ist auch das Citiren der Bibelverse am Schluffe jedes Gedichtes, die oft sehr sinnig gewählt sind. Auch sind noch einige Lieder von Salomo Ibn Gabirol beigedruckt, die ich nicht anderswo gefunden. Was den Dichter anlangt, so war er zwar ein Sefardi, aber in Palästina geboren; denn sein Vater Mose Nag'ara war aus Ssafet und starb 158 H zu Damaskus *). Mose ben Iehuda Nag'ara (rniO&O) schrieb: 1) n>N2 DSp irniftH,, Beleuchtungen über manche Stellen des More von Maimuni, welche zu Venedig 1574.4. zugleich mit den iwJmN pnsr bti 'IDBW jron gedruckt wurden. Die Biurim sind nur Excerpte aus einem vollständigen Kommentar, wie dort selbst bemerkt wird, und der Index über den Inhalt des More, der noch handschriftlich in der Bodlcy'schen Bibliothek (Cud. Seid. u. 104. 4.) von ihm enstirt und beginnt: n~oD “iDDJn iDNon’pis n&j/>n 1) S. Schem Ha-Ged. (ock. Krotoschin) S. 131.

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