Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1843)
- Article
- Berlin: Die Moses Mendelssohn'sche Waisen-Erziehungs-Anstalt in Berlin
- Date
- 1843-10-10
- Page
- Seite 324 (sequence 2)
- Language
- German
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324 Durch die Überlassung der Walsen an ehrbare und rechtliche Familien bleiben dieselben dem bürgerlichen und häuslichen Leben verbunden und werden sie denjenigen künftigen Bestimmungen und Verhältnissen zugeführt r in welche sie ihrer Individualität nach treten müssen. Bei dieser Privater Ziehung gedeihen die Kinder gut, und wir glauben, im Allgemeinen die Hoffnung hegen zu können, daß auch in solcher Häuslichkeit, durch das Zusammenleben mit innig verbundenen Menschen, zwischen den Waisen und ihren Pflege-Eltern sich Bande der Anhänglichkeit, Liebe und Dankbarkeit bilden, welche so viel als möglich Ersatz für den Verlust der natürlichen Eltern gewähren weroen. Jedes Mitglied des Unterzeichneten Curatorii wird stets und gern jede zu wünschende Nachricht über das Institut ertheilen. Die Frauen Pflegerinnen: Frau Hofagentin Arnoldt, Frau Geheime Kommerzienräthin Beer, Madame Henriette Iacobsson, Frau Professorin Krech, Madame Henriette Mendelssohn, Madame Marianne Mendelssohn, Frau Geheime Kommerzienräthin Karoline Meyer, Frau-Doktorin Rubo, welche von mütterlicher Liebe geleitet die Aufsicht über die einzelnen Waisen mit Sorgfalt führen, sind gleichfalls bereit, Auskunft zu geben. Rücksichtlich der finanziellen Angelegenheiten bemerken wir Folgendes: Zu den laufenden Ausgaben sind im Jahre 1842 eingegangen: 1) an periodischen Beiträgen ♦ . 310 Lhlr.— Sgr. — Pf. 2) außerordentlicher Beitrag eines Wohlthäters 3 Fr.d'or ... 17 - — - — - 3) an laufenden Zinsen .... 2148 - 12 - — - 4) an Zinsen aus früherer Zeit . 181 - 27 - 8 - 5) Prämie aufconvertirte Staatsfchuldscheine ....... 121 - — - — - Summa 2778 Lhlr. 9 Sgr. 8 Pf. Dagegen sind verausgabt: 1) stistungsmäßig 2167 Thlr. 29 Sgr. 4 Pf. 2) die v.Wohlthätern der Anstalt zu anderen Zwecken testamentarisch bestimmten 250 - — - — - 2417 29 - 4 - und verblieb Bestand von 360 Lhlr. 10 Sgr. 4 Pf. Nachdem die Stempelfreiheit, welche der Moses Mendels so h n'schen Waisen-Erziehungsanstalt überhaupt zusteht, auch rücksichtlich des bereits früher erwähnten Legats der Witwe Bütow, geb. Meyer, im Betrage von 10,000Lhlr. anerkannt worden ist und die für den etwanigen Erbschaftsstempel zurückgehaltenen 800 Lhlr. eingegangen sind, ist der Fonds der Anstalt zu dem Betrage von 54,000 Lhlr. in runder Zahl gestiegen. Für die zum Andenken Moses Mendelssohn errlch- Lete Stiftung, welche Lediglich durch freiwillige Beiträge ihre Begründung erhalten hat, ist bereits so Vieles und so Erfreuliches geschehen, daß es uns schwer fallen könnte, neue Bitten zu erlassen, wäre nicht gerade jene wohlwollende Theilnahme eine besondere Aufmunterung und das wachsende Bedürfniß die dringendste Veranlassung dazu. Noch so Manches fehlt zum allgemeinen Gelingen unseres vereinigten wohlthätigen Unternehmens und noch so manche Waise, die nicht weniger verlassen und hilflos ist, als es die aufgenommenen waren, steht auf der Versorgungsliste. Möge diese Uebersicht die Aufmerksamkeit der Menschenfreunde für unsere Wohlthätigkeits-Anstalt erwecken: jedes Scherflein wird dankbar angenommen und gewissenhaft verwendet werden. Berlin, den 11. Sptbr. 1843. Das Kuratorium der M o s e s M e n d e l s s oh n'schen Waisen-Erziehungs- Anstalt hiesiger jüdischer Gemeine. W. Beer. Diesterweg. PH. Hellborn. Krech. Joseph Mendelssohn. I. Muhr. Rubo. Die Sprache dieser Darlegung ist eben so männlich als bescheiden und sie beweist, daß die Bestrebungen des Kuratoriums (in dessen Schooß der berühmte pädagogische Name Diesterwegs prangt) nicht dahin gehe, durch aufdringliche Schmeichelkünste, oder durch Erbschleichern den Fonds der Anstalt zu bereichern. Mit Recht ist das stille Wirken durch gesperrte Schrift hervorgehoben; denn bei Vergleichung der Methode und der Erfolge dieses Instituts mit denen Anderer von ähnlicher Bestimmung muß man im ersten Augenblick erkennen, daß hier weder im Innern der Schein zur Wichtigkeit erhoben, noch auf ein Geräusch nach Außen irgend Werth gelegt wird. Was aber dieses Institut vor andern so vorzüglich auszeichnet, ist der bisher befolgte Grundsatz, die elternlosen Kinder nicht in ein Waisenhaus zu stecken, sondern sie gleich dem Familienleben anzuvertrauen. Es ist bekannt, daß zu Ende des vorigen Jahrhunderts von Hamburger Menschenfreunden eine Preisaufgabe gestellt wurde, welche der beiden Erziehungsmethoden für die Waisenkinder die bessere sei? und daß die hierdurch veranlaßt Untersuchung übereinstimmend die Hallen (oft Höhlen) der Waisenhäuser verdammte. Wie wahr das Resultat jener Untersuchungen ist, sagt uns die Erfahrung aus der Stadt Berlin selbst. Alle Vortheile der Waisenerziehung sind auf Seiten der Privatwege, wenn die Vorsteher mit Gewissenhaftigkeit und Urtheil die anständige und liebevolle Familie aufsuchen, und alle Nachtheile dagegen sind für die armen Kinder, wenn sie zusammengesperrt, der amtlichen Liebe eines Inspektors, oft von närrischem Kopfe, oft von räuberischen Händen (oft von beiden zugleich) überantwortet werden. Daß die Verwaltungskosten bei