Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1843)
- Article
- Warschau : Nekrolog des Hrn. J. Epstein ... [Nachricht]
- Date
- 1843-10-03
- Page
- Seite 313 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vierter Jahrgang MS ♦ Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man ab-nnirtbei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblattmitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M 4®. Leipzig, den 3. October 1S43. Polen und Rußland. Warschau. Nekrolog des Hrn.I. Ep st ein. Verdienste desselben uw die Luden. Die Familie Epstein. Memel. Der russ. Mas ist bis jetzt nicht widerrufen. Traurige Folgen desselben. — Deutschland. Hamburg. Einweihung des H e i n e - V e t t y - H o sp i t a l s. Breslau. Zulassung jüd. Kaufleute zur Börse. Ein jüd. Leutnant. München. Die Beschneidung wird von der Negierung gefordert. — Italien. Schritte der jüd. Gemeinde zu Ancona wegen des Edikts. — Asien. Transkaukasische Land er. Koch über die Luden daselbst. — Personalchronik und Miscellen. — Lichtu. Schattenbilder aus d. jüd. Geschichte der Vergangen!), ü. Gegenwart. Der Emancipationskampf im Friesenland. -— LB. des Or. 'Polen und Rußland. IVtlDschcru, 4. Sptbc. Einen edlen Menschen, einen frommen Israeliten, einen Wohlthäter der hiesigen großen israelitischen Gemeinde hat man hier begraben. Der Ehrenbürger Jakob Epstein, Präses des großartigen israelitischen Hospitals und unser edelmütigster, uneigennütziger Vertreter wurde auf den Friedhof getragen. Mehr als zwanzig Tausend Menschen, von israelitkz^ und christlichem Glaubensbekenntnisse, folgten weinendseiner Bahre, gegen fünf Hundert Wagen geleiteten die Hülle des edlen Verblichenen in feierlichem Zuge zur Ruhestätte, und noch nie hat in unserer großen Residenz ein Israelit solcher Ehren und einer solchen Theilnahme genossen, aber auch noch nie einer solchen Liebe verdient. Jakob Epstein, dessen Angedenken aus unserer Stadt nie schwinden wird, dessen milder und wohlthätiger Sinn uns unvergeßlich, und dessen Klugheit in der Verwaltung unserer Gemeinde, dessen Einsicht in Vertretung unserer Glaubensgenossen in den wechselvollsten Lagen Warschaus, uns noch lange zum Muster dienen wird, war die Krone unserer Gemeinde und die Zierde der sammtlichen Israeliten Polens. Mit Begeisterung und ungemeinen Geldopfern hat er seit 1822 dahin gearbeitet, daß ein großartiges, durch Umfang, Ordnung und Nützlichkeit ausgezeichnetes israelitisches Hospital errichtet werden sollte, und er hatte die Freude, daß im Jahre 1836 unser mildsinniger, von Polen und Israeliten geliebter Vicekönig, der edle Fürst Paskiewitsch, in eigener Person den Grundstein weihete« Das israelitische Hospital erhob sich unter seiner unermüdlichen Verwaltung zur Zierde der Israeliten Warschaus und zur schönen Anstalt der Stadt überhaupt; gegen 3b0 Kranke aller Art finden in demselben ihr Unterkommen, wo ihnen Heilung, Linderung und Hilfe in der größtmöglichsten Unbeschränktheit geboten wird, und die fromme Begeisterung, mit welcher der tiesbetrauerte für dieses Institut thätig war, um es auf diese Höhe zu bringen, die edle Nächstenliebe, die ihn durchglühete und ihn zum Vater der Unglücklichen und Armen machte, haben seinen Namen für uns unvergeßlich gemacht. Bei zweckmäßigen und nützlichen Verbesserungen war er immer der erste; im Jahre 1838 spendete er 500 Dukaten und seine zwei Söhne 800O pol. Gulden zu einer neuen zweckmäßigen Synagoge, und als im folgenden Jahre der 75 Jahre alte Rabbiner Solomon Lipschitz gestorben, so war er die Hauptveranlassung, daß ein Mann ohne religiösen Fanatismus zu dieser Stelle gewählt wurde. Die verdiente Achtung und die ungetheile Liebe war aber auch keine konfessionelle. Im Jahre 1838 hat ihn Se. Maj. der Kaiser, in Erwägung seiner dem Staate geleisteten Dienste, zum Bankier der Schatzkommission im Königreiche Polen ernannt, und immer hat der Staat diese Familie ausgezeichnet; denn von seinen Söhnen ist der Eine, Hr. Jozef Epstein, Hofbankier, und der Andere, Hr. 5?ermann Epstein, Kommerzienrath, der einzige Israelit in Polen, dem dieser Titel ertheilt wurde. Um seiner.geschwächten Gesund- 40