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Der Orient · 1843-09-26 · 39 (26.9.1843) · p. Spalte 613-614

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
39 (26.9.1843)
Article
Ueber die neuesten Reformbestrebungen in Israel
Date
1843-09-26
Page
Spalte 613-614 (sequence 3)
Language
German
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618 Ueber die neuesten Reformbestrebungeu in Israel. 614 ein Bündniß ein,, als dessen Symbol die Beschneidung eingesetzt wurde. So wie ober Abraham nicht blos für sich und seine Nachkommen, sondern zum Heile des ganzen Menschengeschlechts berufen war, so sollte auch das Symbol dieser Berufung, die Beschneidung, nichts Partikularistisches sein, sondern sich weit über Abrahams Nakommen hinaus erstrekken*). Somit war der Grundstein zum Messias-Reich gelegt; aber auch nur der Grundstein, da es nun erst galt, die erhabene Idee zu realisiren. Diese Realisirung wurde den Nachkommen Abrahams, namentlich den Kindern Israels übertragen, weil der Allwissende wohl einsah, daß diese sich dazu am Besten eigneten. Allein bevor sie die hohe Mission im Ganzen und Großen übernehmen konnten, mußten sie erst zu einem selbstständigen Volke herangereift sein und die Erkenntniß des wahren Gottes unter sich selbst befestigt haben. Hierzu ward Moses erkoren; durch ihn hat Gott unter seinem Volke die umfassendsten Anstalten zur ewigen Begründung der ewigen Wahrheit getroffen, so daß alle folgenden Propheten nur in die Fußtapfen ihres Lehrers und Meisters zu folgen brauchten , um ihrem Beruft vollkommen zu genügen. Moses wird daher mit vollstem Recht als der eigentliche Repräsentant der wahren Religion bezeichnet. Daß aber die Berufung Israels durch Moses nicht blos einen partikularistischen Zweck hätte, wurde der Nation im feierlichsten Moment am Sinai kund gethan; da sagte der Herr z-u ihr: „Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen, und meinen Bund halten, so sollt ihr mein besonderes Eigenthum sein unter allen Nationen, denn mein ist die ganze Erde", also sind auch die übrigen Völker mein Eigenthum, und auch ihr Heil liegt mir ob — „Ihr aber sollt mir eir priesterliches Reich fein'7 s) — durch euch soll die Erkenntniß der Wahrheit bei den übrigen Nationen vermittelt werden. — Auf diese Bestimmung Israels macht der göttliche Lehrer dasselbe noch einmal aufmerksam, bevor er von ihm scheidet, indem er zu ihm spricht: „So beobachtet oder jener gegen diese allein richtige Auffassung trägt, nämlich, man könnte dadurch unvermerkt in das Gebier einer nichtlsrael. Dogmatik gerathen, ist ohne allen Grund, da man sonst die Messias-Idee überhaupt aufgeben müßte. Stellt man sich nur das Verhältniß klar vor, so verschwindet jedes Bedenken. Dem Abraham ist die Messias-Idee offenbart, seine Nachkommen sind zu ihrer Realisirung berufen; derjenige nun unter seinen Nachkommen, der diese Realisirung vollenden wird, den wird das Haus Israels für den wahrhaften Messias halten. Man müßte aber mit Blindheit geschlagen sein, wollte man annehmen, daß die fragliche Realisirung jetzt schon vollendet sei. Sonach ist eine Menge unfruchtbarer Diskussionen beseitigt. 4) Selbst Sklaven, sie mögen hausgeborne oder gekaufte sein, sollen in den Bund ausgenommen werden (Gen. 17, 12), weil es im Reiche des Herrn keine Sklaven giebt: Er zieht den Vornehmen nicht dem Geringen vor, denn seiner Hände Werk sind sie alle. Hiob 34, 19. Und dieser Religion wirft man Partikularismus vor? — 5) Exod. 19, 5-7. Vergl. Ich 61, 6. - und Übt sie aus (meine Lehre), denn dies wird euere Weisheit und Vernunft sein bei den Völkern; wenn sie diese verschiedenen Gesetze vernehmen, dann werden sie sprechen: „„Wahrlich! diese große Nation ist weift und verständig""6) — und werden dann euerem Beispiel folgen. Und diese hohe Mission Israels haben die Propheten nie aus dem Auge gelassen, — wie sie auch me Unterlasten haben, das Volk auf die Lehre hinzuweisen, durch deren Beherzigung allein die hohe Mission erfüllt werden kann. So spricht noch der letzte Prophet im Namen des Herrn zu Israel: „Seid eingedenk der Lehre M osis, meines Dieners, die ich auf Horeb ihm aufgetragen für ganz Israel, und (seid eingedenk) der Gesetze und Rechte! Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag Gottes erscheint, der große und erhabene. Der wird die Herzen der Vater zu den Kindern, und die Herzen der Kinder zu ihren Vätern zurückbringen, auf daß ich nicht komme und die ganze Erde mit Verbannung strafe". Mal. 3, 22—24. Bedarf es noch eines bessern Beweises, daß die mosaische Religion die Rettung der ganzen Menschheit zum Zwecke habe? — Wer könnte es nun noch wagen, sie partikularistisch zu schelten? — Während sie die mannigfachen Vorschriften und Verordnungen für Israel insbesondere bestimmt, hat sie stets doch nur die Menschheit überhaupt im Auge, und will durch die einstweilige Besonderheit Israels die -einstige Gemeinschaft aller Nationen hinsichtlich der richtigen Gotteserkenntniß vorbereiten und herbeiführen. Da aber, wie wir oben gesehen, die Beschneidung das Symbol dieser großen Zukunft ist?), so versteht es sich von selbst, daß derjenige, der sie unterläßt, zugleich diese große Zukunft und mit ihr auch die eigentliche Bestimmung Israels negirt, und das Judenthum zum krassesten Partikularismus verurtherlt. Sonach haben die neuesten Reformer in Israel sich selbst gerichtet. Von den geistlichen Oberhäuptern in Israel wäre aber zu wünschen, daß sie in Religionsangelegenheiten nie und nimmer außerhalb der Synagoge Hilft suchten; diese steht nur bei Gott, der Himmel und Erde erschaffen. Auch ist die Lehre des Herrn groß und herrlich und bietet Mittel in Fülle dar, um den Verirrten, der übrigens noch öffentlich bekennt, der Synagoge angehören zu wollen, zu seiner Pflicht zurückzusühren. Wenn jemals, so ist es jetzt an der Zeit, sich zu merken: — rm *6) b»nn *6 — mra-DN : rocoa " "ien Sechar. 4, 6. Halle, im Aug. 1843. I. K ä m p ft 6) Deut. 4, 6. — 7) Daß die physische Beschneidung der Vorhaut zugleich auch ein Symbol für die moralische Beschneidung des Herzens sein soll, geht aus unzähligen Stellen der heiligen Schr. hevvor; vergl. Lev. 26, 41. Deut. 10, 16. Ibiä. 30, 6. Ier. 39"

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