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Der Orient · 1843-09-26 · 39 (26.9.1843) · p. Spalte 609-610

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
39 (26.9.1843)
Article
Ueber die neuesten Reformbestrebungen in Israel
Date
1843-09-26
Page
Spalte 609-610 (sequence 1)
Language
German
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Mteratnrblatt des Orients. -——aes^-®^55»~-- Berichte, Studier» und Kritiken für jüdische Geschichte und Fiteratur. M 30. Leipzig, den 26. September 1843. Ueber die neuesten Reformbestrebungen in Israel. Von I. Kämpf. — Sit. Dialekten. Ueber die Bedeutung von Mikzab u. üb. einige spanische melodieangebende Lieder im spanischen Machasor. Von A. Ink. Das Sagenbuch (Sefer Ha-Maasi'ot) von R. Nissim. Von Reifmann. — Die Menschenopfer der alten Hebräer. Eine geschichtliche Untersuchung v. Ghillany. Beurtheilt v. R. Kirchheim. (Forts') — Literarische Ankündigungen. Ueber die neuesten ZUeformbestrebungen in Israel. : ' - ♦ D’tynD «ruN> 2 Reg. 7, 9. — Stürme und Ungewitter läutern die Atmosphäre, — wissenschaftliche Kämpfe fcelebm und kräftigen den Geist; Tyrannen erzeugen die Freiheit, — Exaltados führen eine höhere Ordnung der Dinge herbei. So ist es in der physischen wie. in der moralischen Welt Gesetz, daß ein Extrem das andere Hervorrufe. Es dürste sonach der wahrhafte Israelit in der gewissen Zuversicht leben, daß auch die bekannten Vorgänge zu Frankfurt a. M. nur zur Verherrlichung der Lehre Israelis beitragen werden. Und in der That haben sie schon bis jetzt mannigfachen Nutzen gestiftet. Dem aufmerksamen Beobachter in isr. Kreisen wird es nicht entgangen sein, wie auf der einen Seite mancher Stabilist, dem alle Kultus-Verbesserung, selbst die deutsche Predigt bisher ein Gräuel war, nun, da die erwähnten Vorgänge ihm gezeigt, welche Folgen hartnäckige Stabilität doch haben könne, — zu Koncessionen sich zu verstehen beginnt; und auf der andern Seite mancher Radikale durch eben diese Vorgänge belehrt, wohin ein übermäßiges Streben nach Reform endlich führen muffe, jetzt seine Ansprüche zu mäßigen und dem ruhigen und besonnenen Fortschritt sich anzuschtießen anfängt. Und hätten die iu Rede stehenden Vorgänge bisher auch keine andere Wirkung hervorgebracht, als daß sie dem Indifferentismus, diesem nagenden Wurm am religiösen Leben Israels, einen gewaltigen Stoß versetzt, so wären sie deshalb schon von großem Erfolg für die gute Sache. Wer will ihnen aber diese Wirkung streitig machen? Man darf nur auf diejenigen Personen schauen, denen vor Kurzem noch Nichts langweiliger schien als ein Gespräch über die Religion ihrer Vater, — wie sie jetzt begierig nach den jüdischen Zeitschriften greifen, und dem Verlauf der großen Zeitfrage im israelitischen Leben Schritt vor Schritt mit der gespanntesten Aufmerksamkeit folgen. Man müßte aber die bezaubernde Allgewalt, welche die isr. Religion selbst über ihre indifferenten Bekenner ausübt, wenn ihre Existenz überhaupt in Frage gestellt wird, wenig kennen, — wollte man dir genannte Erscheinung nur einer bloßen Neugier zuschreiben, — es ist diese Thatsache vielmehr ein sprechender Beweis von dem durch die in Rede stehende Existenzfrage zu neuem Leben erwachten Geiste, der mit sich selbst über die wichtigste seiner Angelegenheiten ins Reine kommen möchte. Es ist nun die heiligste Pflicht aller Freunde der guten Sache in Israel, so viel es an ihnen ist, dazu beizutragen, daß dem zu neuem Leben erwachten Geiste ihrer Glaubensbrüder die gehörige Richtung gegeben werde, auf daß er ungehindert zur vollendeten Gestalt sich entwickele und Früchte trage, die eine Lust für das Auge, und eine Erquickung für das Herz gewähren. — Dies beherzigend, hat Schreiber dieses, der bisher aller Einmischung in Zeitfragen sich sorgfältig enthalten, diesmal dennoch sich, bewegen lassen, seine in einem gewählten Kreise auf Verlangen bereits ausgesprochene Ansicht über den fraglichen Gegenstand nun in diesem weitverbreiteten. Blatte für weitere Kreise mitzutheilen. Die isr. Religion trifft nicht selten vom modernen Juden dieselbe Unbill, die diesGso oft von andern Glaubensparteien erleiden muß, nämlich verkannt zu werden. Dem Juden wird häufig Partikularismus vorgeworfen, seinen Bestrebungen werden falsche Motive beigelegt, — und grade so verfährt er selbst gegen seine eigene Religion. Die Weschneidung will er abgeschafft wissen, well sie durch Abraham und nicht durch Moses eingesetzt worden, und mithin, seiner Meinung nach, nicht zum Wesen des Judenthums gehöre: 39

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