Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 38 (19.9.1843)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1843-09-19
- Page
- Spalte 599-600 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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599 Gebet- und Andachtsbuch.. — Andachtsklänge. — Die jüd. Gerichtsbarkeit rc. 600 30) Gebet und Andachtsbuch für fromme Israelitinnen sowohl Frauen als Mädchen, zur öffentlichen und häuslichen Andacht an Wochen-, Sabbath-, Fest- und Fasttagen wie auch für alle Verhältnisse des Lebens bearbeitet von I. H. Jacobson. Breslau, a. 8. (1842). 8. g. E. <2L Leuckart. Der lange und unförmliche Titel möge vom Ankäufe und Gebrauche dieses Andachtsbuches nicht abfchrecken; im Buche selbst ist vielmehr, sowohl in Bezug auf Sprache als auch Anordnung, Alles geschmackvoll und ansprechend, und Ref. kann diese hiergebotene Andachten, als die besten Stellvertreter der Techinot in Prosa, der jüdischen Frauenwelt empfehlen. Wolf Meyer in Prag und H. Miro in Breslau versuchten schon eine Umarbeitung der alten Techinot, Lewi, Heinemann u. A. versuchten die Verdrängung derselben durch Bearbeitungen der hebräischen Gebete, aber der Verf. suchte dem Bedürfniß nach Origmalgebeten zu genügen. Ein großer Th eil unserer jungen Damen ist in seiner Erziehung so ganz und gar germanist'rt, daß ihnen nursolche Gebete verständlich sind, die von Grund -aus deutsch gedacht und aus dem deutschen Sprachgcnius entsprungen sind, und solche liefert Hr. I. Was Ton und Farbe der Gebete anlangt, so hat der Verf. eine Mischung des reflectirenden Verstandes und des Gcmüthlichen anzuwenden sich bestrebt, um sowohl der Verstandeskälte als auch der Ermattung entgegenzuarbeiten, und wenn auch nicht immer diese Mischung, der Extreme gelungen ist, so ist es doch schon ein bedeutender Fortschritt, daß unter diesem Bewußtsein die Gebete entstanden. Fremde Stücke hat der Verf. blos zwei ausgenommen, nämlich bie Schlußbetrachtung zu den zehn Geboten in N. 35 S. 79 v. Dc. H oldheim, und die zweite Betrachtung in den Bußtagen aus S. W. Rosenfeld's Stunden der Andacht, die Uebrigen bezeichnet der Berf. als original. Dieses Andachtsbuch ist aber auch noch von einer andern Seite her zu empfehlen. Bekanntlich hat ein großer Theil der jüdischen Frauen, beim ungewissen und noch nicht fertigen Zustand unserer Schulen, keinen Religionsunterricht genoffen und cm solches Buch, wie vorliegendes, ist sehr gut geeignet, für die Vergangenheit das zu ergänzen. Die Frauen finden darin ihre Pflichten ausgesprochen und eingeflochten, und die Einwebung derselben in Gebetformen ist ganz dazu geignet, solche Pflichten tiefer in ihre Herzen einzuprägen. 31) Andachtsklänge für Israels Sohne und Töchter. Enthaltend alle im Leben vorkommenden öffentlichen und häuslichen Gebete. Von Herrmann Engländer, Lehrer der hebr. Sprache. Wien., 1843. 8. v. Schmid und Busch. Diese Klänge sind in der Weise der Gesangbücher, aus Oktaven und Sestinen bestehend, und ebenfalls wie das vorhergehende Andachtsbuch aus eignen Schöpfungen hervorgegangen. Ob Gebete in Prosa oder in Versen vorzuziehen feien, ob es passender scheint, feine Andacht in ungekünstelter Form oder in den erhebenden Klängen -er Poesie zu verrichten, läßt sich nur nach Zeit und Ort näher bestimmen, keineswegs dürfen wir mit dem Verf. darüber rechten , daß er die poetische Form gewählt, in welcher, so viel Ref. sich besinnen kann, noch kein Andachtsbuch erschienen ist. Was die äußere Oekonomie der Andachtsklänge anlangt, so zerfallen sie in zwei durch besondere Titel geschiedene Theile, deren erster die öffentlichen Gebete für Werk- Fest- und Fasttage, in 47 religiösen Liedern (von S. 1—105.), der zweite hingegen die häuslichen Gebete in allen Angelegenheiten des Lebens enthält, und in 45 Liedern abgeschloffen wird. Der Grundgedanke der Lieder ist freilich zumeist aus dem altnationalen Schatze der Gebete entlehnt, aber oft ganz vorzüglich poetisch bearbeitet und gestaltet, daß man sie wohl ursprünglich nennen kann. Die Sprache ist durchweg feierlich und gewichtig, was Ref. natürlich nicht billigen kann, denn dieses ist der Grund, warum zuweilen die Form mit dem magern Inhalte kontrastivst und dieser Kontrast zuweilen sogar ins Komische umschlägt. Aber dergleichen Ausnahmen sind viel zu selten, als daß sie dem Gesammteindrucke des Buches sehr schaden können, da bekanntlich die hebräische nationale Quelle oft eine feierliche Form verträgt. Ref. hält es für. unrecht, bei Werken dieser Art , die eine neue Bahn einschlagen oder wenigstens auf eine neue führen, der Korrektheit des Reimes oder der Richtigkeit des Versmaaßes nachspüren zu wollen; es kommt auf den Gesammteindruck an, und dieser kann nur in dem Gedankengange und in den Bildern Störendes haben, was aber Ref. in diesem Buche nur sehr selten gesunden. Der Druck und die Ausstattung so wie der Stahlstich, die betende Hanna Vorstellendist vortrefflich. Die jüdische Gerichtsbarkeit in ihrer jetzigen Form. (Schluß.) Ein Extrakt Protokoll! hierüber liegt dem Referent nicht vor, eben so wenig ist ihm auch die bezügliche Gemeinde-Verordnung bekannt, und erlauben seine augenblicklichen Verhältnisse überhaupt nicht, die bezüglichen Gesetze im Originale nachzulesen; indeß wollte das Mädchen das Rechtsmittel der Appellation nicht ergreifen, weil sie die vorläufig erforderlichen Appellations-Kosten nicht lassen kann, und überdies befürchtet, die Appellation würde am Ende doch zu Nichts führen. Nichts desto weniger aber will Res. es versuchen, hier die Grundrisse eines Appellations-Libells zu entwerfen, welche bei einem Appellations- Gerichte jüdischer Rabbinen — seines Erachtens nach — hätten durchgehen müssen. — Ref. würde in seinem Appellations-Libell weder zugegeben haben, daß die Forderung des Mädchens sich nicht hoher belaufen dürfe, als auf den vierteljährlichen Betrag des bedungenen Lohns, und nicht auf Lohn, Kost und Logic für das ganze Halbjahr,