Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1843)
- Article
- Prag: Verhandlungen über die böhm. Judensteuer
- Date
- 1843-09-19
- Page
- Seite 301 (sequence 2)
- Language
- German
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301 der Glaubensgenossen denken, fühlen und handeln *), über den gegenwärtigen Stand der Judensteuerangelegenheit (mittels einer angeschloffenen Abschrift) des diessälligen Protokolls in Kenntniß zu setzen. Da die k. k. jüdische Steuergefällsdirektion die angesuchte Mitwirkung bei der Ausarbeitung der vorzuschlagenden Modifikationen für die Einhebung der Judensteuer mit Beseitigung der Fassionen, Konfiskation und Vereidigung mittels Bannfluches abgelehnt -), so wird die Deputation in Folge hohen k. k. Landes-Präsidialdekrets vom 20. Jul. l. I. sich dieser Arbeit selbst unterziehen. Vorschläge, die den berührten Zweck erzielen können, würden, wenn sie bald einlaufen sollten, mit Vergnügen angenommen, geprüft und nach Möglichkeit benutzt werden. 3) Prag, in: Aug. 1843." „Protokoll, ausgenommen am 23. Jun. 1843 im Bureau des Vorstandes des prager Magistrats. Gegenstand ist die mit hohem k. k. Landes-Präsidialdekrete de dato 10. Jun. 1843 angeordnete Einvernehmung der Deputation derböhmischen Judenschaft, bezüglich der in ihrem an allerhöchst Se. k. k. Maj. gerichteten Gesuch angebotenen Vorschläge der Judenschaft, rücksichtlich einer Verbesserten Einhebung der auf derselben haftenden Steuer. Die in dem mithergclangren Majestätsgesuch unterfertigten Deputirten wurden aufgefodert, die in dieser Eingabe angebotenen Vorschläge zu Protokoll zu geben, wobei ihnen jedoch zugleich bedeutet wurde, dass in diesen Vorschlägen solche Anträge, welche aus die Auflas s u n g der I u d e n st e u e r selbst, oder auf eine Ablösung derselben, sowie auf Verminderung ihres Ertrags hinzielen, d u rch aus entfernt zu bleiben haben. Protokollarische Aeußerung der Deputation der böhmischen Judenschaft. Se. L t Maj. Franz l. höchstseligen Andenkens stellte in einem allerhöchsten Handbillete vom 30. April 1833 die Aufhebung der Jndensreuer, deren Fortbestand sich — nach den weisen und gerechten Worten des verewigten Monarchen in der Begründung: weil auch die übrigen Unterthanen Lasten zu tragen haben, welche die Israeliten nicht treffen — manifestirte, wenn dieser Umstand entfallen sollte, in erfreuliche Aussicht. Da mit der 1) Wenn dieser Passus nicht Ironie sein soll, so ist er geradezu Unsinn. Den Judensteuerpächtern, aus denen die Strafe tausend und aber tausend veranlaßter falscher Schwüre lastet, die im Verhältnis; zu ihrem Vermögen am Wenigsten beisteuern, die wie blutgierige Igel die ärmeren Juden aussaugen, ihnen zuzumurhen, daß sie im moralischen Interesse ihrer Glaubensgenossen denken! D. Korr. 2) Dies ist ganz natürlich; Hrn. Dormitzer behagt gewiß der gegenwärtige Besteuerungsmodus am Besten. D. Korr. 3) Will man einmal im Interesse der arm er n jüd. Bevölkerung handeln, so ist gewiß das Beste, zwei Millionen auf 10 Proc. in der Staatsbank zu deponiren, bis die gänzliche Aufhebung der Judensteuer erfolgt sein wird. Ein Staat, der 10 Proc. vom Vermögen seiner Unterthanen nimmt, kann und muß auch 10 Proc. geben. D. Korr. Auflassung der Ktassensteuer diese frühern die Judenschaft-begünstigenden Besteuerungsausnahmen ganz aufhörten, indem seit jener Zeit die Israeliten alle in der Provinz bestehenden direkten und indirekten Steuern, in gleichen Verhältnissen mit den übrigen Unterthanen treffen, demnach die gedachte Begründung wegsällt und die Iudensteuer als eine Überlastung erscheinen muß, so hat die böhmische Iudenschast nach Ablauf eines Decenniums ein ehrfurchtsvolles Gesuch um theilweise Aufhebung dieser demoralisirenden Judensteuer 4), oder um ihre gänzliche Auflassung gegen eine Ablösungssumme, mit Berufung auf das allerhöchste Handbillet weiland Sr. Maj. an die Stufen des Throns unsers allergnädigsten regierenden Kaisers zu bringen gewagt. Die der Deputation angedeutete Finanzlage trat einer gewünschten Erledigung dieses Gegenstandes ungünstig entgegen, und es blieb derselben für den Moment kein anderer beruhigender Versuch, als die unterthänigste Bitte um einstweilige Abwendung der aus dem bestehenden Judensysteme wirkenden moralischen Hebet mittels Substituirung eines gelindern Besteuerungsmodus. Das m Wien unterm 1. Mai l. I. Sr. k. k. Maj. devotest unterbreitete Gesuch stellte den unterthänigsten Antrag, daß die Vertreter der böhmischen Iudenschast bemüht sein wollen, für: die Zeit des Fortbestandes der Judensteuer bis zu ihrer gänzlichen Auflassung Vorschläge für eine Besreuerungsart zu erstatten, die an die Stelle dieses zeitwidrigen, Demoralsiation entwickelnden Systems treten dürste. Ein großer Theil der böhmischen Juden schuft spricht zwar gegen diesen Nothantrag die Besorgnis) aus, daß die Einführung einer humanern Versteuerungsart die Hoffnung der Judensteuerauflassung gänzlich zerstören konnte, während das bestehende Steuersystem mit all seinen moralischen und materiellen Qualen um so gräßlicher hervortritt, .und sein zeitwidriges Gepräge in einem civilisirten Staat um so greller herausstellt, was zur endlichen Abolition dieser Judensteuer sicherer und schneller führen müßte. Das allgemeine Erkenntniß jedoch, daß eine wie immer modisicirte Judensteuer die moralisch schimpfliche Schattenseite besonders in einem Staate nie verliert, wo die Israeliten mit den übrigen Unterthanen gleiche Lasten tragen ungleiche Pflichten haben, sowie der Umstand, daß die Aufhebung der Judensteuer bereits durch den allerhöchsten Willen gesichert ist, vereint mit der Pflicht der Vertreter, jede Hemmung moralischer Strebsamkeit ihrer Glaubensgenossen schnell nach Möglichkeit hinwegzuräumen, bestimmen die Deputation der hohen Anfoderung gemäß nachstehenden Modus in der gedräng- 4) Abgesehen von den Meineiden, welche durch diese Judensteuer veranlaßt werden, kann man das himmelschreiende Unrecht auch daraus ersehen, daß während Hr. von Lämml und andere Reiche kaum einen Groschen vom Hundert ihres Vermögens versteuern, ein armer Jude, der 300 Fl. CM. besitzt, 10 von .Hundert bezahlt. Würden nun die Reichen das Drückende dieser Iudensteuer fühlen, dann würden sie gewiß llnic mehr Energie auf die Abschaffung dringen. D, Korr.