Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 37 (12.9.1843)
- Article
- Die jüdische Gerichtsbarkeit in ihrer jetzigen Form
- Date
- 1843-09-12
- Page
- Spalte 581-582 (sequence 3)
- Language
- German
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581 Die Menschenopfer der alten Hebräer. Bon Ghillany. 582 ger lieber das härteste Urtheil der Welt über sich ergehen lassen, als den armen Mann! (Appellanten in netci: injuriarum!!!) dem Gerichte überliefern, und seine Beschuldigung weiter zu begründen, weshalb er bitte, die Appellations-Instanz wolle den Appellanten mit seiner Appellation zurück und zur Ruhe verweisen. (Difficiie est satiram non scribere, doch sapienti sat! •—). Das Niedergericht überschickte nun eine Abschrift dieses Protokolls der Appellations-Instanz, und diese verwarf das Gesuch um restitutio in integrum 3 weil — „die Untersuchung der Sache doch zu Nichts führen könne!!! —" p Ein zweiter Fall ereignete sich kürzlich: Ein Mädchen vermiethete sich im Laufe des vergangenen Winters in üblicher Form — als Köchin bei einer jüdischen Herrschaft zu Altona, gegen einen jährlichen Lohn von 24Thlr. HG. und 12 s. Wochengeld (für Kaffee und Zucker); das Mädchen trat auch zur rechten Zeit ihren Dienst an, wurde aber bereits am dritten Lage von ihrer Herrschaft wieder fortgeschickt, well — wie wenigstens als Hauptgrund angegeben wurde — ein Suppenstück nicht schmackhaft genug für den Gaumen des Herrn zubereitet war. Nun klagte das Mädchen gegen ihren Herrn beim jüdischen Niedergerichte zu Altona, auf Lohn, Kost und Logie für das laufende Halbjahr. Das Gericht entschied indeß, mit Berufung auf eine dcsfallige Gemeinde-Verordnung die Sache dahin, „der Herr feri lediglich verpflichtet, dem Mädchen den vierteljährlichen Lohn, mit 6 Lhlr. HG. auszuzahlen, oder aber endlich zu erhärten, wie das Mädchen überall nicht fähig sei, den übernommenen Dienst zu verrichten.", (Beschluß folgt.) @ Wie Menschenopfer der alten Hebräer. HK Eine geschichtliche Untersuchung von Dr. F. W. Ghillany, Professor und Stadtbibliothekar in Nürnberg. Nürnberg, 1842» 8. (Fortsetzung.) LL. Abthetturrg. a) Iah ist National go tt. Haben wir gesehen, wie der Verf. dem Princip des Mosaismus die absolute Einheit und Identität Gottes abspricht, das Zudenthum mit dem Heidenthum, sowohl in seiner Gotteserkenntniß, wie in seinen Religionsformen und Opferinstitutionen, identificirt, so läßt er dennoch Iah in der ganzen jüdischen Geschichte als Nationalgott gelten, und sammelt iS. 273) alle Schriftstellen, in denen der jüdische Nationalgott im Kampfe mit andern Völkern und Göttern dargeftellt wird. Wir können keineswegs von Hrn. Gh. auf seinem gehässigen Standpunkt verlangen, daß er das Verhältniß des israel. Volkes als Prrestervolk, als Träger und Verbreiter der göttlichen Offenbarung zu würdigen verstehe; aber von einem Gelehrten dürsten wir doch wenigstens eine konsequente Durchführung, eine Einheit des Gedanken fordern. Wahrend aber dem Vers. Iah, Saturn und Sonne, Baal und Moloch' ist, Gottheiten, die allen semitischen Völkern gemein waren, ist er ihm auf der andern Seite dennoch der Hebräer N a t i o n a l g o t t, mit der besondern charakteristischen Bezeichnung, daß er nicht nur keine fremde Götter neben sich, sondern selbst andere Völker nur der Hebräer wegen dulde. Der Hebräer Moloch mußte also den Moloch der Phönizier, der israelitische Baal den moabitischen hassen. Dem Verfasser mag dieser Widerspruch später selbst ausgefallen sein, er wiederholt daher S. 454 dasselbe Thema nochmals, ändert aber die Nationalität Iah's dahin um, daß er Iah wieder mit seinen Nachbargöttern aussöhnt und ihre gegenseitige nachbarliche Beziehung wieder hecstellt, daher auch die Volker, welche verwandte Götter verehrten, in einem nähern Verhätnisse zu ihm ständen. Da aber beim Verf. alle heidnischen Systeme sich in Iah koncentriren, so fragen wir, wer denn eigentlich die Heiden sind, unter die Hr. Gh. (S. 275) Iah „mit eigner Hand würgen" läßt? Da diese Inkonsequenzen dem Herrn Gh. nicht entgangen sein können, so beabsichtigte er vermuthlich hierbei nur, in feinem voluminösen Werke persiderweise Alles aufzunehmen, was je der jüdischen Religion Nachrheiliges aufgebürdet wurde, so daß es gleichsam den Brennpunkt bilde, in dem sich alle Strahlen des Haffes und der Verachtung koncentriren sollten, und alle Feinde des Judenthums Brennstoff fänden, an dem sie ihre inhumanen Gedanken entzünden könnten. Den Vorwurf der Nationalität und der religiösen Bevorzugung, schon langst hervorgerufen, aber auch bekämpft und niedergedrückt, hat aber der Verf. gerade durch sein eigenes System zurückgewiesen, so daß wir ohne alle Gefahr diese Abhandlung fahren lassen können, und zu den andern Originalideen des Hrn. Gh. übergehen. b) Iah ist §euer. c) Iah ist der Brandopferalt a r. Anquetil du Perron sagt (im Anhang zum Zend): Nichts findet sich häufiger, als Dinge, die sich gleichen, ohne daß darum das eine vom andern entstanden wäre. Würde der Verfasser dieses Axiom gehörig gewürdigt haben, so hätte er gewiß so manche absurde Behauptung unterdrückt, und so viele Unwahrscheinlichkeiten nicht für die Münze der Wahrheit ausgegeben haben. Weil bei den alten Völkern der Stier das Sinnbid der Kraft war, die Altäre im Tempel Hörner hatten, so schließt Herr Gh., daß die ni:np Stierhörner wären, und cs daher auch wahrscheinlich sei, daß der obere Theil des Altars, auf dem das ewige Feuer brannte, die Gestalt eines Stierkopfes hatte, und für das Bild Gottes, oder wohl auch für den Gott selbst gelte. Hatten nun aber auch die heidnischen Altäre Hörner, und zwar 87 *