Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1843)
- Article
- Mannheim: Zustand der israel. Schulen in Baden
- Date
- 1843-09-12
- Page
- Seite 294 (sequence 3)
- Language
- German
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294 der Handlung einen Anstrich von kirchlicher Weihe verschaffen, dadurch, daß sie in der Synagoge vorgenommen wird. Wir sagen „einen Anstrich"; denn wirklich religiös-kirchliche Handlung könne sie erst dann werden, wenn sie während des Gottesdienstes und nicht, wie jetzt geschieht, nach demselben abgedalten wird. Vor ungefähr 5 Jahren ereignete sich nun der Fall, daß der Rabbiner einer größeren jüd. Gemeinde die Konsirmationshandlung für sich allein in Anspruch nahm, indem er darauf antrug: es sollte ihm, mit Ausschluß (Uebergehung, Ausschließung) des Religionslehrers, die Leitung der Prüfung wie die Abhaltung der Rede überlassen werden. Der Großh. Oberrath gab. auf dieses Gesuch folgenden Bescheid: In Betracht, daß der Lehrer N. den Religionsunterricht ausschließlich des Konfirmandenunterrichts ertheilt habe, sei auch nur er, nach Vorschrift des allgem. Schulgesetzes, allein berechtigt, die Neligionsprüfung vorzunehmen; der Rabbiner habe dagegen den Akt durch eine angemessene Predigt zu schließen. Auf diesen Special - Erlaß sich stützend, wollte bald daraus der Synagogenrath einer benachbarten großen Gemeinde die Mitwirkung des Rabbiners bei der jährlichen Konfirmation ebenfalls auf eine Schlußrede beschränken, indem das bisherige Verfahren, wo(bei) der Rabbiner und der Religions- Lehrer sich in die Religionsprüfung theilten, die Einheit der Handlung störe und deren Würde (der Würde und dem) und heiligem Ernste Eintrag thue. *) Allein der Rabbiner beharrte standhaft auf dem bis dahin behaupteten Usus, und wollte nichts von Aenderung hören. (Beschluß folgt.) Luxemburg, im Aug. Hr. Dr. Sam. Hirsch, der während seines kurzen Hierseins sich schon die Liebe und Achtung seiner Gemeinde erworben, ist um ein Votum über den Frankfurter Refvrmvecein angegangen worden, und hat bereits seine Ansicht über denselben ausgesprochen. Nach seiner „Messiaslehre" zu schließen, kann dieser Gelehrte sich nur mißbilligend geäußert habeu.. Ja, der bloße Titel des erwähnten Werkes genügt, um auf ein entschiedenes Entgegentreten schließen zu können. Das Votum soll zu seiner Zeit veröffentlicht werden. Oesterreich. Proßnitz, im Aug. Es ist eine wahre Freude für Ihren Korrespondenten, Ihnen einmal aus dem *) Der Akt gewann mehr das Ansehen eines Schauspiels als einer religiösen Feier, und war vielleicht kaum seiner Bezeichnung „Entlassungsfeier" entsprechend. Der Ort der Handlung war das Schullokal; sie begann mit einer einleitenden Rede des Oberlehrers, worauf der Rabbiner, das Heft des Religionslehrers in der Hand, die Prüfung in der Glaubenslehre vornahm, der Religionslehrer bestieg (sodann) die Rednerbühne, um ebenfalls eine, wenn auch kurzgefaßte Lande des Stillstandes einen Fortschritt berichten zu können. Zwar bezieht er sich weder speciell auf die Juden in Mahren, noch auf unsere in die graue Vorzeit hineinreichende Gesetzgebung — denn diese und jene, wie Sie wohl wissen, stehen auf zu schwachen Füßen, um schnell forcschreiten zu können —; allein unser Rabbiner zeigte sich bei Gelegenheit dieses Fortschrittes als ein so praktischer und taktvoller Mann, daß ein Th eil meiner Freude wohl darin ihren Grund hat. In einem ungarischen, nahe an Mahren gelegenen Badeorte, Teplitz genannt, hatten die zahlreichen jüdischen Kurgaste blos die Erlaubniß , sich in einem kleinen, engen schmutzigen und von alten Brettern eingeschlossenen Lokale zu baden. Sonst pffegt das Wasser den Unterschied zwischen Juden und Christen aufzuheben; hier aber konnten es nur einige Gulden, die man dem Badearzte geben mußte. Der gegenwärtige Besitzer von Teplitz, Baron von Sina, — weder Magyar noch Deutscher von Geburt und daher von Nationalitatsvoructheilen frei — sah das Unbillige und Ungerechte — denn im jüdischen Bade ist das Wasser viel kälter, als in den übrigen Bädern — dieser Scheidewand zwischen Juden und Christen ein, und hob sie auch auf. Die jüdischen Badegaste ersparen jetzt alle Bestechung, können für ihre Gesundheit durch den Zutritt zu den übrigen Badelokalen besser sorgen, und — was wohl die Hauptsache ist — sehen sich nicht mehr zurückgesetzt geaen die christlichen Badegaste. Herr Fassel, der die Humanität des Baron von Sina wohl zu würdigen wußte, ließ in die A. A. Z. eine Danksagung an denselben einrücken. Der Badearzt soll, wie man erzählt, gegen die Abschaffung eines so lukrativen Gesetzes protestirt haben. Er ist nämlich ein treuer österr. Untecthan. Großbritannien. London, im Aug. Der Frankfurter Reformverein, der aus. dem liefen Dunkel, das ihn emgehüllt, sich an das Tageslicht gewagt, findet bei einem großen Theile der hiesigen Judenschaft starken Anklang. Dies war auch vorherzusehen. Der Prediger der hiesigen reformirten Gemeinde, Herr Marks, hatte bereits demselben vorgearbeitet, ja man möchte sagen, daß die offene Erklärung desselben in seiner ersten Predigt dem Frankfurter Vereine als Vorbild gedient habe^ Auch er hat im Namen seiner Gemeinde von der Autorität des Talmud sich losgefagt, auch er erkannte einen Fortschritt im Judenthum an. Daher auch die erste Nachricht über den Frankfurter Verein hier nicht so viel Aufsehen er- Rede der nun vorzunehmenden Prüfung (in) der Pflichtenlehre voranzuschicken. Zwei Konfirmanden halten alsdann im Namen aller übrigen Abschiedsreden, der Rabbiner besteigt abermals die Tribüne um eine Schlußrede zu halten!.'