Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1843)
- Article
- Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
- Date
- 1843-09-12
- Page
- Seite 289 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vierter Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M 3» Leipzig, den 12. Septemb er 1843. Deutschland. Hamburg. Wochenbericht. Berlin. Die Dankadresse an den rheinischen Landtag. Berlin. Die Kultusangelegenheiten. Dr. Rieß er. Urithäligkeit der Judenschaft. Mannheim. Zustand der israel. Schulen in Baden. (Forts) Luxemburg. Dr. Hirsch's Votum über dem Reform-Verein. — Oesterreich. Proßnitz. Humanität des B. v. Sina. Fassels Danksagung. — Großbritannien. London. Der Fr. Verein findet Anklang. Reise Sir Isaak Goldsmiths nach Wien deswegen. — Dänemark. Kopenhagen. Lehrfreiheit der Juden. Lit. Kampf. Ängesehene getaufte Juden. — Nordamerika. Philadelphia. Ueber die Organisation einer jnd. Kolonie. — Personalchroniß und Miscellen. — LB. des Or. Deutschland. Hamburg, 29. Aug. (WB. v. 20—27. Aug.) Noch immer scheint man sich nicht überall von dem Vorurtheile losmachen zu können, als sei die jüdische Gesammtheit hauptsächlich darum als eine gefährliche und antinationale zu betrachten, weil sie eine geschlossene Phalanx, eine unzerreißbare Kette bilde. Wenn man das „Geschlossene" und die „Kette" nicht symbolisch, sondern eigentlich und wörtlich nehmen will, so mag die Sache ihre Richtigkeit haben; nur handelt es sich überall um eine passive Gemeinschaft, um eine bon gre innl Ai'ü anzuerkennende Solidarität, um eine durch permanente Ausschließung zusammengepreßte Genossenschaft. Ist denn aber der Vorwurf an sich überhaupt ein gerechter? Liegt im Zusammenhalten etwas Tadelnswerthes? Nehmen die Katholiken und die Protestanten nicht für ihre beiderseitigen Konfessi'onsverwandten Partei, leisten sie ihnen keine Unterstützung? Man blicke nur einmal nach Amerika. Sieht man nicht dort den Katholicismus durch europ. Mitwirkung gestärkt, und andrerseits die Protestanten von ihrer deutschen Heimath aus unterstützt? Ja, diese Deutsch-Amerikaner, sie fühlen sich ganz als Deutsche; sie tragen bei ihren Festen die deutsche Reichsfahne zur Schau; sie sprechen Deutsch unter einander und würden es auch vor den Gerichten und in Kirchen und Schulen thun, wenn nicht der englische Stamm noch in der Union überwöge. Aber sie werden keinen Augenblick anstehen, ganz als Deutsche zu erscheinen, wenn und wo sie die Majorität bilden werden. Und doch liegt darin nichts Unnatürliches; es ist dies bloß ein Ersatz für den heimathlichen Druck, die in Deutschland geübte Intoleranz, die Entbehrung von Flotten und Kolonieen. Laßt die Juden Aehnliches -—- nicht versuchen , denn das wäre ungereimt, nur — träumen, und sogleich wird ihre Religion als Separatismus verschrieen. — Fassen wir nun gar die Sache menschlich und moralisch aus, so wird man der sog. Juden kette eine tiefere Bedeutung nicht absprechen können. Man redet so gern von der beseligenden, zähmenden, die Leidenschaften niederhaltenden Kraft des Christenthums, auch läugne ich nicht den Einfluß der Religiösität auf einzelne Charaktere. Aber wo finden sich die Spuren desselben bei der Mehrzrhl, wo bei dem ganzen Pöbel? Und doch ist dieser Pöbel national, er steht uns drohend näher, als die Heiden in Cochinchina und im Kaferlande. Man rühmt es aber am Christenthum, daß es eine Religion für Al^e sei, daß es den Charakter der Liebe an sich trage. Hiergegen muß ich indessen so lange Einspruch thun, als^es noch Kriege zwischen Nachbaren, Reibungen zwischen Völkern christlicher Konfession giebt. Hatte die Religion das wirklich geleistet, was man als möglich und wünschenswerth anerkennt, es gäbe keinen Diebstahl, keinen Raub, keinen Mord, keinen Prozeß, keine Hinrichtung, keine blutigen Schlachten, keinen Familienzwist. Ob es die Juden darin besser machen würden, wenn sie Völker bildeten? 37