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Der Orient · 1843-09-05 · 36 (5.9.1843) · p. Spalte 571-572

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
36 (5.9.1843)
Article
Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer
Date
1843-09-05
Page
Spalte 571-572 (sequence 2)
Language
German
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571 I. Lrigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer. 572 in sich selbst uneinig ist, muß untergehen. Nun sind aber die Karäer und die Sadducäer nicht etwa blos uneinig, sondern einander so feindselig gesinnt, daß diese von jenen Frevler, Ketzer, Epikuräer genannt werden, so vorzüglich von R. Jehuda Hadassi, von R. Moses Beschizi, der sich auch auf das Ansehen früherer großer Lehrer stützt. Sind wohl jemals die Schüler auch des schlechtesten Stifters einer Ketzerei soweit gegangen, daß sie den Urheber ihres Dogmas verfluchten und Gott zum Rächer über ihn anriefen? Endlich beweisen es die Thaten des Ethnarchen Johann Hyrkan, der den Pharisäern sehr. zu schaden suchte und die Karäer begünstigte, augenscheinlich, daß schon ehemals die Karäer mit dem Namen Sadducäer bezeichnet wurden. Denn die jüdischen Geschichtsschreiber Abraham Ben Daud und schon Iosephus berichten, daß sich Johann Hyrkan an die Sadducäer angeschlossen habe. Aber 'Alles spricht dafür, daß er es nicht mit den gottlosen eigentlich sogenannten Sadducäern, sondern vielmehr mit den Karäern gehalten habe, welche nur das geschriebene Gesetz als Regel des Glaubens und Lebens anerkannten. Zuerst das große Lob, das die Juden selbst seiner Weisheit und Frömmigkeit spenden. Iosephus nennt ihn selbst (Antiquit. 13 , 18) xqicov zojv fisyiozoiv ci'tgiog “Vtzo zov &bov KQi&SLg , zov S'frvovg %ai zrtg %QUTi.%v}q xifxrjg %cu TtQocprjTSLag. Solche Ehre hat nach Moses Niemand genossen. Der Karäer Moses Beschizi sagt von ihm an cfifw Nn n rnnNO " om -jbn *o jHD ->O) Würden sie ein solches Lob einem Manne ertyeilen, der die Auferstehung und ein künftiges Leben, das heißt die ganze Hoffnung der Gläubigen und die Belohnungen der Lugend läugnete? Nach Iosephus hatte -er mit Gott selbst Umgang und von ihm die Gabe der Propheten^ nach Abraham Ben Daud erschien ihm Gott im Allerheiligsten, tröstete ihn über seine Kinder und das Leiden.Israels und versicherte ihm seine Hilfe rrw "pmux |jjo1? "■pöD ppJ). Sollte der, dem solches geschehn ist, zu einer Sekte gehört haben, die Geist und Vorsehung läugnete, die ZOV &80V e£cü ZOV ÖQCiV ZI Y.CCXOV 1] ECpOQOV Zl&sicU, (fdül. $8 871 dvd'QCOTüCOV STtXoyi] ZOLS Y.CtloV %di ZO KOT/iOV 7IQ0y.ELoQcu, Aber wie viel unglaublicher noch ist das Folgende, wenn man es von den Sadducäern, die den Dogmen Epikurs an hin gen, versteht? R. Abrah. ben Daud sagt im Buche Kabbala: jrub nun» ^p myy ino1? jn:' "ik'xi or?E> hn mo’ -iew toi oirroi pns? jruo mrD ncr D^nn JU13D, womit Pseudo-Iosephus ben Gorion genau übereinstimmt. Sollen wir wirklich glauben, daß Johann Hyrk. durch ein feierliches Verbot untersagt babe, die Fortdauer der Seele nach dem Tode, die Todtcnauserstehung, das jüngste Gericht anzunehmen, sollen wir glauben, daß die abtrünnigen Sadducäer, die alle Säulen der Religion untergruben, dem Volke einen religiösen Hohenpriester aufgedrungen und durch Todesstrafe gesichert haben? Hvrkans Sadducäismus konnte unmöglich der sein, daß er die profanen Dogmen der Sadducäer festhielr und fortpflanzte, sondern er bestand darin, daß er, sich abwendend von den Gebräuchen und Einrichtungen der Pharisäer, die ihn durch erheuchelte Frömmigkeit 'betrogen hatten, nur denen anhing und die begünstigte, welche, fern von abergläubiger und kleinlicher Tradition, der Schrift volle Gültigkeit zuschrieben. Daher scheint R. Abraham in Ses. Kabbala jene Uebereinstimmung nicht sowohl auf die Dogmen, als auf den JinJö' aus die gewohnten Religionsgcbräuche zu beziehen, welche bald der König selbst und seine Diener beobachteten. So spricht deutlich aus das B. Kusari, welches den Ethnarchen mit seinen Räthen verhandeln und fragen läßt: Da wir die Weisen (die Pharisäer) verloren haben, von wem werden wir nun das Gesetz lernen? woraus diese antworteten: Siehe, wir haben ein geschriebenes Gesetz; wer da will, mag kommen und es lernen; du brauchst um das mündliche Gesetz nicht bekümmert zu sein. Und das ist jene verschrieene Ketzerei, jener schändliche Sadducäismus, nicht daß er mit ihnen sich zu Epikur wandte, sondern daß er die nichtswürdige Erfindung des mündlichen Gesetzes umstieß. Abraham ben Daud nennt die Rathgeber des Johann Hyrkan und seines Sohnes ausdrücklich D\v“ip Und so haben wir wieder ein unumstößliches Zeugniß für das Alter der Karäer und haben einen unschuldigen Mann von dem Verdachte profanen Glaubens befreit, der so lange auf ihm gelastet hat. Den Ursprung jenes Beinamens, den -wir schon angegeben haben, wollen wir noch aus den eignen Schriften der Karäer erläutern. Die erste Ursache war nach Moses Beschizi, der Haß der Rabbaniten, welche die ihnen unrechtmäßiger Weise Verhaßten unter dem Vorwand einer gerechtern Ursache allen Guten zum Gegenstand des Abscheus machen wollten. Eine zweite war die Gewohnheit, seinen Feinden Böses nachzureden; weil sie Gott einen Dienst zu thun glaubten, wenn sie die Bekenner eines abweichenden Glaubens tödeeten, so machten sie sich Nichts daraus, falsche Gerüchte gegen sie auszuvreiten, wenn nur das Volk von ihrer Gemeinschaft dadurch abgeschreckt wurde. So ist es auch den Samaritanern gegangen, denen sie, nachdem dieselben durch Johann Hyrkan, die jüdische Religion angenommen hatten, die Verehrung eines Gottes Asima, Die Anbetung der Taube tu a. vorwerfen; wie sehr sie den Christen feindselig gewesen sind, ist bekannt. Die Sadducäer beschuldigten sie der Theilnahme an der samaritanischen Gottesverehrung auf Garizim, völlig verläumderisch, wie Scaliger und Hottinger nachgewiesen haben. Und doch haben es Bartolocci und Scotus geglaubt. Was Wunder, wenn sie die Karäer, die ihnen desto verhaßter waren, je mehr sie sie zu fürchten hatten, in gleiche Verdammniß thaten und in Kidduschin, wie auch Moses Beschizi anführt, schrieben: ton:I ruiiTD mw MöCP pna nwy) pslO^l prn\ Als eine dritte Ursache kann man diese betrachten, daß die Karäer und Sadducäer, gleichmäßig von den Pharisäern unterdrückt, sich in der Bestreitung des mündlichen Gesetzes und in der Vertheidigung ihrer gemeinsamen Sache, nicht selten gegenseitig Hilfe leisteten, daher sie

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